Karlsruhe: Alexander Waibel entwickelt am KIT Dolmetschsystem für Traumatherapie

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Alexander Waibel mit Spracherkennung, Künstlicher Intelligenz und Maschineller Übersetzung. - Bild: Sandra Göttisheim / KIT

Ein Dolmetschsystem, das in der therapeutischen Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen eingesetzt werden kann, will Prof. Dr. Alexander Waibel gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern am Institut für Anthropomatik und Robotik (IAR) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickeln.

Smartphone-basiert, sicher und erweiterbar soll es sein, um einen echten Dialog zwischen arabischsprachigen Patienten und deutschsprachigen Therapeuten zu ermöglichen.

Bedarf für ein solches System besteht zweifellos. Entsprechend qualifizierte Dolmetscher für die arabische Sprache sind Mangelware und werden an anderen Baustellen dringender benötigt. Zudem ist die Kostenübernahme von Dolmetschleistungen in der Therapie nicht geregelt, wodurch eine Behandlung schon oft an finanziellen Aspekten scheitert.

Internet-unabhängiger Prototyp für Kliniken, später Smartphone-App

In der aktuellen Ausgabe des Hochschulmagazins lookKIT wird das Karlsruher Projekt zur Entwicklung eines maschinellen Dolmetschsystems näher beschrieben:

Niedergelassene Therapeuten sind auf professionelle Übersetzer angewiesen, die in der Regel aber keine klinischen Erfahrungen haben, und durch ihr Mithören auch die Privatsphäre des Patienten verletzen würden. Häufige Ortswechsel erschweren Flüchtlingen zusätzlich einen
nachhaltigen Kontakt zum Therapeuten. „Sprachliche und kulturelle Unterschiede können so nicht nur zu Missverständnissen, sondern im schlimmsten Fall auch zu Fehldiagnosen führen“, erklärt Waibel.

In einer Kooperation des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI), mit dem IAR und dem Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des KIT kommen erstmals neue Erkenntnisse in der Psychologie und Psychiatrie mit den enormen Fortschritten der cross-lingualen Kommunikation zusammen.

Ausgehend von einem Prototypen für den schnellen Einsatz in größeren Kliniken mit eigener Infrastruktur soll ein vom Internet unabhängiges Gerät entwickelt und kontinuierlich optimiert werden, dessen Funktionen am Ende auch als Smartphone-App zur Verfügung stehen.

Im Rahmen einer nationalen klinischen Studie mit Flüchtlingen, deren Muttersprache Arabisch ist und die in einer Erstaufnahmestelle registriert sind, soll das neue
Übersetzungssystem dann evaluiert werden.

Für Waibel und sein Team ist es ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu lernenden Algorithmen, die nicht nur Kommunikation ermöglichen, sondern auch globale Sprachbarrieren überwinden können.

Über Alexander Waibel

KIT-LogoProf. Dr. Alexander Waibel lehrt und forscht am Institut für Anthropomatik und Robotik (IAR) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit Maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz im Bereich der Sprach- und Kommunikationstechnologie. Dabei legt er Wert darauf, den gesellschaftlichen Nutzen der Forschung im Blick zu behalten.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: lookKIT 04/2018.]

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