Für den Roman Die Aussiedlung (Suhrkamp Verlag, 2025) erhalten der in Rumänien lebende, aber auf Ungarisch schreibende Autor András Visky und die Übersetzerin Timea Tankó den Internationalen Literaturpreis 2026.
Die Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger erfolgte am 3. Juli 2026 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Berliner „Haus der Kulturen der Welt“ (HKW).
Aus der Begründung der Jury:
Die Aussiedlung ist ein eigenwilliges Buch der Gefangenschaft. Ein eigensinniges Buch des Bundes: ein Buch über die rätselhafte Fähigkeit von Menschen, sich im Angesicht der Verwüstung aneinander binden zu können, wenn alles andere zerbricht.
Davon erzählt András Visky in einer riskanten Sprache, die bereit ist, sich selbst zu riskieren: mit angehaltenem Atem, mit stockendem Atem, mit vorletztem Atem. (…) „Der Mensch”, schreibt Visky, „ist so erschaffen, dass er sein eigenes Herz nicht abhören kann.”
Dieser Satz könnte auch die Ausgangslage des Übersetzens beschreiben. Und Timea Tankó hörte nicht nur das Herz dieses Romans ab, sondern auch in die Dauer der Stille hinein, in diese halbe Ewigkeit, die auf jeden Herzschlag folgt.

Die Preisträger
András Visky, 1957 in Târgu Mureș geboren, ist Dramatiker und Regisseur, der in Cluj-Napoca, Rumänien, lebt und arbeitet. Nach Jahrzehnten, in denen er Theaterstücke, Gedichte und Essays schrieb, veröffentlichte er 2022 seinen ersten und einzigen Roman Die Aussiedlung. Dieses Buch erregte großes Aufsehen in Ungarn und liegt dort mittlerweile in der fünften Auflage vor.
Timea Tankó, 1978 in Leipzig geboren, verbrachte ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland. Sie studierte Französisch, Spanisch und Kulturwissenschaften. Seit 2003 arbeitet sie als literarische Übersetzerin aus dem Ungarischen (u.a. Ádám Bodor, Andor Endre Gelléri und István Kemény) und Französischen. Für ihre Übersetzung von Apropos Casanova von Miklós Szentkuthy erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Die Jury
Der Jury gehörten in diesem Jahr Joy Denalane, Maha El Hissy, Paula Fürstenberg, Hannes Langendörfer, Melody Makeda Ledwon, Cia Rinne und Senthuran Varatharajah an.
Der Preis
Zum achtzehnten Mal verleihen das Haus der Kulturen der Welt und die Stiftung Elementarteilchen den Internationalen Literaturpreis. Er zeichnet ein herausragendes Werk der internationalen Gegenwartsliteratur in deutscher Erstübersetzung aus. Er würdigt in dieser Allianz sowohl Originalwerk als auch Übersetzung. Der doppelte Fokus macht ihn in der deutschen Preislandschaft einzigartig.
Seit 2023 können auch deutsche Erstübersetzungen internationaler Lyrik eingereicht werden. Der Internationale Literaturpreis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert. Davon gehen 20.000 Euro an den Autor; 15.000 Euro gehen an die Übersetzerin.
Die Geldgeber
Der Internationale Literaturpreis wird vom Haus der Kulturen der Welt (HKW) und der Stiftung Elementarteilchen (Hamburg) verliehen.
Die Stiftung Elementarteilchen wurde 2007 gegründet. Sie unterstützt als Förderstiftung gemeinnützige Organisationen und Projekte im Klima und Umweltschutz, im Kampf gegen die Mädchenbeschneidung, die Landminenräumung sowie insbesondere im Raum Hamburg weitere gemeinnützige Organisationen aus verschiedenen Bereichen. Gemeinsam mit dem HKW hat sie 2009 den Internationalen Literaturpreis entwickelt, der – getragen vom gemeinsamen Interesse an der Förderung internationaler Literaturen und ihrer Übersetzungen – seither mit ihrer maßgeblichen finanziellen Unterstützung jährlich verliehen wird.
Das Prozedere
Bis zum 20. Januar 2026 konnten Verlage, die internationale Literatur in deutscher Übersetzung publizieren, bis zu drei Titel vorschlagen. Aus allen Einreichungen nominierte eine unabhängige Jury zunächst eine Shortlist und kürt in einem zweiten Schritt das Preisduo aus Autor und Übersetzer.
- 2024-06-10: Olga Radetzkaja neue Vorsitzende des Deutschen Übersetzerfonds, Timea Tankó Stellvertreterin
- 2021-05-28: Preis der Leipziger Buchmesse 2021 in Kategorie Übersetzung geht an Timea Tankó
PM HKW
