Mit einer feierlichen Abschlusstagung endet an der Universität Würzburg das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Schwerpunktprogramm „Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit“, geleitet von Regina Toepfer, Lehrstuhlinhaberin für ältere deutsche Philologie.
Am 9. und 10. Oktober 2026 kommen Wissenschaftler in Würzburg zusammen, um Ergebnisse aus acht Jahren gemeinsamer Forschung vorzustellen und zu diskutieren.
Zum Auftakt stehen am ersten Tag Grußworte und eine Bilanz des Schwerpunktprogramms auf der Tagesordnung. Ein Hauptvortrag beschäftigt sich mit dem Vergleichen und Übersetzen von Sprachen und Handlungen am Beispiel von Fremdsprachenlehrwerken der Frühen Neuzeit.
Am Abend erwartet die Teilnehmer ein besonderes kulturelles Highlight: Das Ensemble „La Protezione della Musica“ präsentiert unter der Leitung von Jeroen Finke das Konzert „O Amarilli – Liedkultur des Barock in Europa“, das Liedübersetzungen hörbar macht.
Übersetzungen ermöglichen Austausch von Wissen und Ideen
Das Schwerpunktprogramm untersucht, welche Bedeutung das Übersetzen für Gesellschaften zwischen 1450 und 1800 hatte. Dabei geht es nicht nur darum, wie Texte von einer Sprache in eine andere übertragen wurden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, welche Vorstellungen vom Menschen, von Gesellschaft und vom Zusammenleben durch solche Übersetzungsprozesse entstanden und weitergegeben wurden.
Übersetzen spielte in der Frühen Neuzeit eine wichtige Rolle für den Austausch von Wissen und Ideen. Der Buchdruck, zunehmende Handelsbeziehungen und die wachsende Mehrsprachigkeit Europas förderten die Verbreitung und Professionalisierung des Übersetzens. Zugleich entstanden durch Kontakte zwischen verschiedenen Regionen und Kulturen neue Formen des kulturellen Austauschs.
Übersetzungen von Ovid bis Luther
Am zweiten Tag werden unter anderem Übersetzungen von Ovid und Luther aus dem 16. Jahrhundert sowie das kulturelle Übersetzen in der Frühen Neuzeit thematisiert.
Zum Ausklang besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch die Würzburger Residenz oder das Martin-von-Wagner-Museum teilzunehmen.
Zusammenführung unterschiedlicher kulturwissenschaftlicher Perspektiven
Das 2018 gestartete Schwerpunktprogramm verbindet verschiedene kulturwissenschaftliche Perspektiven. Es untersucht Übersetzen unter anderem als sprachliches und mediales Phänomen, als Teil der Entwicklung von Wissen und gesellschaftlichen Vorstellungen sowie als Ausdruck von Kontakten zwischen unterschiedlichen Kulturen.
Programmpunkte
1. Tag
- Grußworte von Thomas Baier (Dekan der Philosophischen Fakultät) und Oliver Schütze (Metzler Verlag)
- Regina Toepfer et al.: Acht Jahre Verbundforschung zu den Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit (Bilanz des Projekts)
- Natalia Filatkina und Horst Simon (Hauptvortrag): Vergleichen und Übersetzen von Sprachen und Handlungen. Fremdsprachenlehrwerke in der Frühen Neuzeit – in Europe and beyond
- „O Amarilli“ – Liedkultur des Barock in Europa. Konzert des Ensembles „La Protezione della Musica“ unter Leitung von Jeroen Finke, moderiert von Astrid Dröse.
2. Tag
- Regina Toepfer: Ebenbilder – Ovid und die Metamorphosen des 16. Jahrhunderts
- Peter Burschel: Found in Translation. Kulturelles Übersetzen in der frühen Neuzeit
- Jörg Wesche: Nachbilder – Luther-Übersetzungen des 16. Jahrhunderts
- Führung durch die Würzburger Residenz, den ehemaligen Wohn- und Repräsentationssitz der Würzburger Fürstbischöfe
oder - Führung durch das Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg, eines der größten Universitätsmuseen in ganz Europa. Es beherbergt Kunst aus fünf Jahrtausenden.
Teilnahme auch für interessierte Laien kostenlos
„Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit“ ist eine öffentliche Tagung der Universität Würzburg, an der Fachleute ebenso wie Privatbesucher kostenlos teilnehmen können.
Eine Anmeldung ist bis zum 1. Oktober 2026 per E-Mail an spp2130@uni-wuerzburg.de möglich.
- 2021-09-14: Konferenz und Ausstellung „Übersetzen ist Macht – Geheimnisse, Geschenke, Geschichten in der frühen Neuzeit“
Universität Würzburg
