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Archive für September 2008

Bundesrat: Vorstoß zur Abschaffung der Künstlersozialkasse vorerst gescheitert

Der Deutsche Bundesrat hat am 19.09.2008 den Antrag seines Wirtschaftsausschusses abgelehnt, der vorsah, die Künstlersozialversicherung (KSK) zur Entlastung des Mittelstands abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren.

Die ablehnende Entscheidung war erwartet worden, nachdem der Deutsche Kulturrat in den Tagen zuvor die Medien alarmiert hatte. Politiker aller Parteien beeilten sich daraufhin zu erklären, dass an den Meldungen über die Abschaffung der KSK nichts dran sei. “Der Vorschlag ist unverantwortlich und völlig abwegig. Das wird niemals kommen”, so der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Olaf Scholz (SPD). Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die KSK “unverzichtbar”.

Dennoch wurde die Empfehlung zur Abschaffung bzw. Reformierung von gleich vier Bundesratsausschüssen schriftlich eingebracht. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen versucht zu erklären, wie es dazu kam: “Durch ein bedauerliches Missverständnis auf Arbeitsebene ist dabei in einem solchen Gremium auch über die Abschaffung der Künstlersozialversicherung abgestimmt worden.”

Als Unterstützer des Vorstoßes gelten nach Angaben von Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, die Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Gegen eine Reform sollen sich Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen ausgesprochen haben. Bayern, Berlin und das Saarland enthielten sich dem Vernehmen nach bei der Abstimmung.

Die Bundesregierung hatte Anfang August ein Mittelstandsentlastungsgesetz beschlossen, durch das der Wirtschaft Bürokratiekosten von jährlich rund 76 Mio. Euro erspart werden sollen. Der Wirtschafts- und drei weitere Ausschüsse des Bundesrats hatten zu diesem Zweck weitere Maßnahmen vorgeschlagen. Unter anderem ging es dabei auch um die KSK. Diese müsse “unternehmerfreundlich reformiert” oder ganz abgeschafft werden. Der bürokratische Aufwand für die Erhebung der Beiträge sei “unangemessen hoch”.

Die Vorgeschichte

Der Streit um die Finanzierung der KSK eskaliert seit März 2007. Damals hatte der Deutsche Bundestag das „3. Gesetz zur Änderung des Künstlersozialversicherungsgesetzes“ verabschiedet.

Seitdem versucht die KSK, die Zahl der Anspruchsberechtigten und damit ihre Ausgaben einzudämmen. Die Zahl der Versicherten hat sich seit Gründung der KSK im Jahr 1983 mehr als verzehnfacht - auf jetzt 160.000. Anträge auf Neuaufnahme werden nunmehr sehr restriktiv behandelt. Übersetzer haben praktisch nur noch dann eine Chance, sich über die KSK zu versichern, wenn sie tatsächlich überwiegend Bücher, in der Regel belletristische Literatur, übersetzen.

Gleichzeitig versucht die KSK, ihre Einnahmen zu erhöhen, indem die “Arbeitgeberbeiträge” erstmals systematisch eingetrieben werden. Die kleine KSK mit ihren 180 Mitarbeitern kann diese Arbeit nicht leisten. Deshalb wurden die 3.600 Prüfer der Deutschen Rentenversicherung mit dieser Aufgabe betraut.

Und die leisten ganze Arbeit: In eineinhalb Jahren wurden bereits 280.000 Betriebe aufgefordert, auf fünf Jahre rückwirkend zu ermitteln, ob sie Beiträge zu entrichten haben. Dadurch konnten bereits 13 Mio. Euro zusätzlich an die KSK abgeführt werden.

Die meisten Unternehmen erfahren dadurch zum ersten Mal von der Existenz der KSK. Die von den Unternehmen durchzuführende rückwirkende Prüfung, ob in den vergangenen fünf Jahren Künstler oder Publizisten beauftragt wurden, stellt eine enorme bürokratische, zeitliche und finanzielle Belastung dar, da alle Rechnungen der letzten fünf Jahre unter die Lupe genommen werden müssen. Anschließend ist auf die Honorare der Künstler eine zusätzliche Abgabe in Höhe von rund 5 Prozent des Honorars an die KSK zu zahlen. Ausgaben, mit denen kein Unternehmen gerechnet hat.

Betroffen ist fast jedes Unternehmen. Denn nicht nur bildende Künstler und Musiker zählen zu den freiberuflichen Künstlern, sondern auch Webdesigner, Journalisten, Fotografen und Werbetexter. Überaus stark belastet sind dadurch Unternehmen, die praktisch ausschließlich freie Künstler beauftragen, wie etwa Konzertveranstalter.

Für die Zahlungspflicht der Künstlersozialabgabe ist es völlig unerheblich, ob der beauftragte Künstler Mitglied in der KSK ist. Die meisten sind es nicht. Die Unternehmen müssen die Abgabe selbst dann entrichten, wenn die beauftragten Künstler von der KSK zuvor abgelehnt wurden oder diese überhaupt nicht in Deutschland leben.

Es ist kaum vorstellbar, dass die gegenwärtige Praxis der Erhebung der Künstlersozialabgabe auf Dauer Bestand haben wird. Denn die Zahl der von der Beitragseintreibung bedrängten Unternehmen ist weit größer als die Zahl der in der KSK versicherten Künstler, die Macht der Unternehmen als Steuerzahler und Arbeitgeber weit größer als die Macht der 160.000 versicherten Künstler. Alle Verbände der Wirtschaft setzen sich seit 2007 vehement für eine Reform ein. Die Tatsache, dass die Angelegenheit unbemerkt von den betroffenen Künstlern im Bundesrat zur Abstimmung gebracht werden konnte, zeigt, wie gut die Beziehungen der Wirtschaftsverbände zur Politik sind.

Da im September 2009 Bundestagswahlen sind und der Wahlkampf bereits eingeläutet wurde, liegen alle Reformen bis dahin auf Eis. Die danach wahrscheinlich regierende CDU-FDP-Koalition dürfte den Forderungen der Wirtschaft nach einer grundlegenden Neugestaltung wohlwollend gegenüberstehen.

Ein Link zum Thema: www.kskontra.de. Ebenfalls lesenswert: Der Artikel “Künstlersozialkasse, gut gedacht, schlecht gemacht” auf Musiker-Online.de.

Intensivseminare “Projektmanagement in der Übersetzung”

Übersetzungsprojekte sind oft komplex. Mit der Anzahl der Medien und Sprachen wächst die Größe des Projektteams, eine Vielzahl von Technologien wird eingesetzt. Damit erhöht sich auch die Zahl der Prozessschritte und Schnittstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Projekte fast immer eilig sind und einem hohen Kostendruck unterliegen.

Projektmanager müssen nicht nur die strukturelle Planung und Umsetzung des Projekts überwachen und steuern, sondern sich auch die Unterstützung von Management, Kollegen und Kunden sichern und unterschiedliche Interessen koordinieren.

Zwei von Fleury & Fleury Consultants konzipierte Seminare sollen dazu das Handwerkszeug liefern. Angesprochen sind Fach- und Führungskräfte aus der Übersetzungsbranche, Projektmanager und Leiter von Übersetzungsabteilungen. Von der Projektakquise bis zum Projektabschluss werden alle wesentlichen Aspekte des Projektmanagements behandelt.

Referentin ist Isabelle Fleury (Foto), die Sprachdienstleister und exportierende Unternehmen bei der Optimierung von Übersetzungsprozessen berät. Sie verfügt über 10 Jahre Erfahrung in der Übersetzungsbranche, in denen Sie bei Sprachdienstleistern und in Industrieunternehmen tätig war.

Intensiv-Seminar “Projektmanagement in der Übersetzung”
08.-09.10.2008
KonferenzZentrum im Technologiepark Köln
690 Euro zzgl. MwSt. für beide Tage insgesamt
Faltblatt als PDF-Datei herunterladen

Intensiv-Seminar “Übersetzungsmanagement”
29.-30.10.2008
KonferenzZentrum im Technologiepark Köln
690 Euro zzgl. MwSt. für beide Tage insgesamt
Faltblatt als PDF-Datei herunterladen

Informationen zum Veranstalter unter www.fleuryfleury.com

DIHK: Künstlersozialkasse mittelfristig abschaffen

In einem offenen Brief an das Bundesarbeitsministerium hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bereits im vergangenen Jahr mittelfristig die Abschaffung der Künstersozialkasse (KSK) gefordert. Vor dem Hintergrund zunehmender Klagen aus den Unternehmen bezeichnet der DIHK die KSK als “unsystematisch und bürokratisch”.

Die in der KSK Versicherten müssen nur die Hälfte des fälligen Beitrags zur gesetzlichen Sozialversicherung entrichten. Die andere Hälfte tragen zu 60 Prozent die Auftraggeber und zu 40 Prozent der Bund. Der Beitragssatz belief sich 2007 auf 5,1 Prozent von dem für einen Auftrag fällige Honorar. Anfang 2008 sank er auf 4,9 Prozent.

In den Unternehmen, die derzeit verstärkt auf ihre potenzielle Abgabepflicht hin überprüft werden, wächst der Unmut: Wie Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer, in einem Brief an das Bundesarbeitsministerium berichtet, gehen bei den Industrie- und Handelskammern immer mehr Beschwerden ein.

Unter anderem herrscht große Unsicherheit, wann genau Beitragszahlungen an die Künstlersozialkasse fällig werden. So verlangt die Kasse etwa auch dann Beiträge, wenn die von Unternehmen beschäftigten Künstler, Publizisten oder auch Programmierer und Web-Designer gar nicht Mitglieder in der KSK sind oder im Ausland wohnen beziehungsweise arbeiten.

Die Wirtschaft habe seit Langem ordnungspolitische Bedenken gegenüber der KSK, schreibt Dercks. So sei die Sonderbehandlung und Bevorzugung einer bestimmten Gruppe von Selbstständigen nicht zu begründen. Und auch auf Seiten der Auftraggeber gebe es eine Ungleichbehandlung, da Aufträge an Personengesellschaften abgabepflichtig seien, solche an juristische Personen dagegen nicht.

Die Mängel seien bisher allein deshalb nicht auf so großen Widerstand seitens der Betriebe gestoßen, weil der Kreis der tatsächlich erfassten Verwerter begrenzt gewesen sei. Durch die verstärkte Prüfung und Erfassung der Betriebe würden die Verzerrungen nun umso deutlicher. Der DIHK plädiere daher nachdrücklich dafür, die Belastungen der Unternehmen so weit wie möglich zu verringern.

Ein wesentlicher Teil der akuten Probleme werde durch die nachträgliche Erfassung von Aufträgen der vergangenen vier bis fünf Jahre verursacht, heißt es in dem Brief. Darum sei es sinnvoll, die rückwirkende Prüfung aufzugeben.

Zudem fordert der DIHK unter anderem, klarer zu definieren, in welchen Fällen die Abgabe zu leisten ist. Dies könne dadurch gelöst werden, dass nur dann gezahlt werden müsse, wenn bei der KSK versicherte Künstler und Publizisten beauftragt würden. Nicht zuletzt müsse die derzeit häufig auftretende Verdachtsprüfung beendet werden.

Dercks: “Diese Schwierigkeiten, die sich durch die verstärkte Prüfung der Abgabepflicht ergeben, machen eindrücklich die Webfehler der Künstlersozialversicherung deutlich. Sie ist insgesamt unsystematisch und bürokratisch. Sinnvoll wäre es daher – jenseits der Lösung der aktuellen Probleme – diese Sonderform einer Sozialversicherung mittelfristig nicht weiter fortzuführen.”

Der DIHK ist die Dachorganisation der 80 deutschen Industrie- und Handelskammern, die insgesamt 3,6 Millionen gewerbliche Unternehmen vertreten.

[Text: Pressemitteilung DIHK, 2007-12-14.]

EU-Video “Dolmetschen für Europa”

Die Generaldirektion Dolmetschen (SCIC) der Europäischen Union stellt die Arbeit des größten Sprachendienstes der Welt in einem zehnminütigen Video mit dem Titel “Dolmetschen für Europa” auf YouTube vor.

Wien: Lingua-World eröffnet ersten Franchisebetrieb im Ausland

Bohumir PetasDer Kölner Sprachdienstleister Lingua-World eröffnet im Oktober seinen ersten Franchisebetrieb in Österreich. Inhaber von Lingua-World Wien ist Bohumir Petas (Foto) - in Prag geboren und in Wien zuhause. Dort bietet er rund um die Uhr Dolmetscher- und Übersetzerdienstleistungen in alle Sprachen und Dialekte der Welt an. Lingua-World ist spezialisiert auf das Dolmetschen, Übersetzen und Lokalisierung von Arbeiten aus Wirtschaft, Industrie, Behörden und von Privatpersonen. Dabei kann das Unternehmen auf eine umfassende elektronische Datenbank und eine eigene Abteilung für Qualitätssicherung zurückgreifen.

Im NINETEEN, dem Business Center für die anspruchsvolle Geschäftswelt in Wien, wird Bohumir Petas seinen Lingua-World-Betrieb eröffnen. Beachtlich ist dabei auch die Nähe zu wichtigen Entscheidungsträgern aus der Wirtschaft, Politik und Finanzbranche, die zukünftig österreichweit von Lingua-World Wien bei Dolmetscher- und Übersetzeraufträgen betreut werden können. Wien gilt überdies als Drehscheibe für die Ostexpansion. Viele Firmen sind in Wien ansässig und bedienen von dort aus den osteuropäischen Markt.

Bohumir Petas hat selbst eine persönliche Affinität zu den osteuropäischen Sprachen, er spricht neben Deutsch und Tschechisch auch Russisch und Polnisch. Der gebürtige Prager durchlief beruflich schon unterschiedliche Branchen, war jahrelang selbständig im Gastronomiebereich tätig und arbeitete seit 2000 im Management für einen internationalen Lebensmittelkonzern, u.a. in Vorarlberg und Italien. Seine Heimat ist Wien, und von hier aus ist er stets auf der Suche, beruflich ein neues spannendes und multikulturelles Umfeld zu entdecken und für sich zu erschließen. So passen denn auch das Konzept und die Idee, die hinter der Marke Lingua-World stecken, optimal zu seinem Lebensmotto: „Sprache verbindet Menschen!“

Seit 2006 konnte Lingua-World bereits acht Franchisenehmer gewinnen - nicht nur in Wien, sondern auch in Bremen, Hamburg, Dresden, Essen, Bochum, Hannover und Regensburg. Insgesamt verfügt der 1997 gegründete Sprachdienstleister damit über ein Netz von 14 Standorten.

[Text: Miriam Sommer. Quelle: Pressemitteilung Lingua-World, 2008-09-19. Bild: Lingua-World.]

Preisverleihung an Cao Weidong, den chinesischen Übersetzer der “Frankfurter Schule”

Cao WeidongHeute Abend wird im Frankfurter Literaturhaus der mit 25.000 Euro dotierte Preis der DekaBank für die Förderung der deutschen Literatur im Ausland vergeben. Preisträger ist der chinesische Germanistik-Professor und Übersetzer Cao Weidong.

In der Jurybegründung heißt es: “Der Philosoph, Soziologe und Literaturwissenschaftler Cao Weidong hat in dem vergangenen Jahrzehnt eine einzigartige Vermittlertätigkeit in Beijing ausgeübt. Er hat die Werke von Adorno, Horkheimer, Habermas und Honneth in China bekannt gemacht. Dies ist ihm in einem einzigartigen Zusammenspiel als Hochschullehrer, Übersetzer und Koordinator mit den chinesischen Verlagen gelungen. Die Auszeichnung von Cao Weidong soll den Diskurs zwischen China und Deutschland, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, beflügeln.”

Cao Weidong, der den Preis persönlich entgegennimmt, bezeichnet die Auszeichnung als “eine große Überraschung und Ehre”. Der Preis motiviere ihn, mit seiner Arbeit zur Einführung deutscher Philosophie in China fortzufahren.

Philosophie-Professor Axel Honneth, der die Laudatio halten wird, erklärt: “Wie kein anderer hat Cao Weidong in den letzten beiden Jahrzehnten dazu beigetragen, die intellektuellen Barrieren zwischen China und Deutschland zu verringern und erste Ansätze eines fruchtbaren Dialogs zu initiieren.”

“Die Rezeption der wichtigsten Werke der Frankfurter Schule in China ist aufs Engste mit Cao Weidong verknüpft”, so auch Silke Schuster-Müller, Leiterin des gesellschaftlichen Engagements der DekaBank, die zur Sparkassen-Finanzgruppe gehört. “Sein Verdienst ist, dass die Kritische Theorie auch einem chinesischen Publikum zur Verfügung steht.”

Normalerweise berichtet das Übersetzerportal uepo.de nicht über Preisverleihungen für Literaturübersetzer, aber dieser Preis ist anders. Gewürdigt wird ein jahrzehntelanges Engagement, das über die literarische Bedeutung weit hinausgeht. Außerdem werden hier keine Steuergelder verpulvert, sondern Bürger und Wirtschaft organisieren das in bester Frankfurter Tradition selbst.

Die typischen Literaturübersetzerpreise werden hingegen inflationär vergeben. Es gibt im deutschsprachigen Raum alljährlich mehr Auszeichnungen als das Jahr Wochen hat. Jeder hauptberufliche Literaturübersetzer kann damit rechnen, im Lauf seines Lebens mehrere solcher Preise zu erhalten. Ihre Vergabe ist oft - das geben Insider offen zu - weniger als Auszeichnung für besondere Leistungen, sondern als versteckte Subvention für die am Hungertuch nagenden Literaturübersetzer gedacht. Die vier- bis fünfstelligen Euro-Beträge seien unseren Kollegen gegönnt, ermöglichen sie doch in der Regel die Übersetzung eines neuen Werkes. Die Vergabepraxis schmälert aber sicher die Bedeutung solcher Auszeichnungen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Literaturhaus Frankfurt; Frankfurter Rundschau, 2008-09-17; Hessischer Rundfunk. Bild: Literaturhaus Frankfurt.]

Afghanistan: 20 Jahre Haft für fehlerhafte Koran-Übersetzung

Ein früherer Journalist und ein Geistlicher sind in Afghanistan wegen der Veröffentlichung einer nicht genehmigten Koran-Übersetzung zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt worden. Ahmed Ghus Salmai und Mullah Kari Muschtak brachten den Koran auf Dari heraus. Dari gehört zu den Amtssprachen des Landes und ist dem Persischen verwandt.

Vor Gericht wurden ihnen zwei Dinge zur Last gelegt: (1) Der arabische Originaltext war dem Buch nicht als Anhang beigefügt. (2) Der Text enthielt nach Ansicht der Anklage Übersetzungsfehler.

Menschenrechtsorganisationen haben den westlich orientierten afghanischen Präsidenten Hamid Karzai inzwischen gebeten, die beiden Männer zu begnadigen. Schließlich hätten die Verurteilten lediglich die Absicht gehabt, die Lehren des Koran zu verbreiten.

[Quelle: Oberösterreichische Nachrichten, 2008-09-12.]

Ivan Ivanji, Titos Dolmetscher: Als Literat am Pulsschlag der Politik

Über fünfzehn Jahre lang hat Ivan Ivanji in den 1970er und 1980er Jahren die Begegnungen von Josip Broz Tito und anderer führender jugoslawischer Politiker mit Staatsmännern des deutschsprachigen Raumes gedolmetscht. Auf diese Weise nahm der Schriftsteller in der Rolle des Übersetzers unmittelbar am historischen Zeitgeschehen teil.

In seinem Buch Titos Dolmetscher beschreibt Ivanji Weltgeschichte, gesehen mit den Augen eines Literaten und Übersetzers. Als Teilnehmer von drei großen internationalen Konferenzen - der Gründungskonferenz der KSZE (deren Nachfolge die OSZE angetreten hat) 1975 in Helsinki, der Versammlung der kommunistischen und Arbeiterparteien 1976 in Ostberlin und der Gipfelkonferenz der Blockfreien in Havanna 1979 - entwirft Ivan Ivanji ein sehr lebendiges Bild der so genannten multilateralen Diplomatie der 1970er Jahre, als Jugoslawien im Konzert der Staatengemeinschaft eine allseits anerkannte Rolle gespielt hat.

Jahrelang verbringt Ivanji an der Seite Titos und lernt dabei die interessantesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der westdeutschen, ostdeutschen und österreichischen Politik kennen: Willy Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt; Walter Ulbricht, Erich Honecker und Willy Stoph; Bruno Kreisky, Franz Jonas und Kurt Waldheim.

Titos Dolmetscher ist ein Zeitdokument der besonderen Art. Ivanji nimmt darin die Rolle des exakten Beobachters ein, distanziert in der politischen Herangehensweise und dennoch mit großer persönlicher Nähe zu den Repräsentanten der europäischen Politik in den 1970er und 1980er Jahren. Am Ende seines Buches drückt der Autor, einem unzeitgemäßen Bekenntnis gleich, seine Sympathie mit dem in schrecklichen Kriegswirren der 1990er Jahre untergegangenen Vielvölkerstaat Jugoslawien und dessen eindrucksvollstem Politiker, Tito, aus.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt zum Buch: “Der Dolmetscher befindet sich mitten im politischen Geschehen und ist doch eine Randfigur. Aus dieser besonderen Perspektive gewinnt Ivanji eine Vielzahl reizvoller und oft süffisanter Betrachtungen.” Die SPD-Parteizeitung Vorwärts meint: “Humorvoll und angerechert mit brisanten Anektoten vermittelt Ivanji die Arbeitswelt eines Dolmetschers zu Zeiten des Kalten Krieges. Seine Haltung gegenüber Tito könnte dabei distanzierter sein.” Die Neue Zürcher Zeitung kritisiert: “Der Leser vermisst Absatnd, er spürt: Der Dolmetscher war mitnichten kühler Zeuge, er war Nutznießer des Systems und Rädchen im Getriebe.”

Zum Autor:
Ivan Ivanji wurde am 24. Januar 1929 in Zrenjanin in eine jüdische Ärztefamilie hineingeboren. Verhaftet in Novi Sad, verbrachte er über ein Jahr in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald. Dem nazionalsozialistischen Grauen entronnen, studierte Ivanji Germanistik in Belgrad. Er war Lehrer, Journalist, Verlagslektor, Dramaturg und Direktor mehrerer Belgrader Theater. Von 1974 bis 1978 arbeitete er als Botschaftsrat Jugoslawiens in Bonn, danach bis 1981 im jugoslawischen Außenministerium. Von 1982 bis 1988 war Ivanji Generalsekretär des jugoslawischen Schriftstellerverbandes. Seit 1992 lebt er in Wien und Belgrad.

Ivan Ivanji: Titos Dolmetscher. Als Literat am Pulsschlag der Politik. Promedia Verlag 2008, ISBN 978-3-85371-272-6, 208 Seiten, 15,90 Euro.

[Text: Promedia Verlag.]

Video-Interview mit Edward Vick von EVS Translations

Im Juni 2008 hat das Offenbacher Übersetzungsbüro EVS GmbH in Atlanta seine erste US-Niederlassung eröffnet. Aus diesem Anlass führte der Wirtschaftsdienst GlobalAtlanta ein Interview mit dem Gründer und Geschäftsführer Edward Vick.

Vick stellt sein Unternehmen in den eigenen Räumen im Stadtzentrum vor und erklärt, warum die Wahl auf Atlanta fiel. In der Niederlassung arbeiten zurzeit fünf Mitarbeiter. Innerhalb von drei Jahren sollen es 25 werden.

Vick hebt die Bedeutung von Übersetzungen für die internationale Wirtschaftskommunikation hervor. Trotzdem sei den Einkäufern von Übersetzungsdienstleistungen oft nur schwer klarzumachen, wie wichtig dabei die Qualität sei.

Das Schwierigste bei der Akquisition von Neukunden sei es, in den Unternehmen die für die Vergabe von Übersetzungen verantwortlichen Mitarbeiter ausfindig zu machen. Es bleibe einem nichts anderes übrig, als zu diesem Zweck viel zu telefonieren.

Vick weist darauf hin, dass EVS nach seinem Kenntnisstand in Deutschland der Sprachdienstleister mit dem größten internen Team an Übersetzern für die Sprachrichtung Deutsch ins Englische sei. Deshalb könne das Unternehmen sehr schnell auf entsprechende Übersetzungsanfragen reagieren.

Interview mit Edward Vick, Teil 1 (9:16 Minuten), Interview mit Edward Vick, Teil 2 (7:27 Minuten)

[Text: Richard Schneider. Quelle: GlobalAtlanta.]

Dolmetscher in Afghanistan erschossen

In der ostafghanischen Stadt Chost wurde ein Afghane erschossen, der als Dolmetscher für die US-Armee arbeitete. Die Polizei machte die Taliban für die Tat verantwortlich. [Quelle: n-tv, 2008-09-14.]