Drei Jahre Irak-Krieg: Mindestens 71 Dolmetscher gefallen oder ermordet

Drei Jahre nach dem Überfall der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten auf den Irak werden immer noch Übersetzer und Dolmetscher wegen ihrer Mittlerrolle gezielt als Verräter und Kollaborateure umgebracht. Im ersten Kriegsjahr starben nach einer Auswertung von Medienberichten durch UEPO.de 19, im zweiten 40 und im dritten 12 Sprachmittler, insgesamt also mindestens 71.

Dabei handelt es sich lediglich um die Vorfälle, die es in die westlichen Medien geschafft haben. Die tatsächlichen Opferzahlen dürften deutlich höher ausfallen. Der Verlauf der Kurve mit einem Höhepunkt der Opferzahlen im zweiten Kriegsjahr dürfte allerdings realistisch sein. Denn auch unter Journalisten und Soldaten waren die meisten Opfer in der Phase nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen zu beklagen.

Im letzten Jahr sind die Verluste dann deutlich zurückgegangen, da sich die Iraker inzwischen bevorzugt gegenseitig umbringen. Nach Angaben des ehemaligen irakischen Premierministers Ijad Allawi kommen im Irak zurzeit pro Tag 50 bis 60 Menschen gewaltsam ums Leben. „Wenn dies kein Bürgerkrieg ist, dann weiß nur Gott, was ein Bürgerkrieg ist“, so Allawi gegenüber der BBC.

Die Gesamtleichenzählung sieht bislang wie folgt aus: 2.300 tote Amerikaner, 200 tote Verbündete, 33.000 bis 37.000 tote Iraker. Kriegskosten für die USA bisher: 200 Milliarden Dollar.

Irak
Dolmetscheralltag im Irak: Brig. Gen. Joseph J. McMenamin (Mitte) spricht mit einem Mitglied des Al-Anbar-Provinzrats mit Hilfe eines Dolmetschers (rechts mit Notizblock, Aufschrift auf der Jacke: „US Contractor“) (Aufnahme vom 17.03.2005)
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Ist kein Dolmetscher zur Stelle, behilft man sich mit einer Art Bildwörterbuch, das hier einem Iraker vorgehalten wird (Aufnahme des US Marine Corps vom 15.04.2005)

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Richard Schneider

Babbel