Weltübersetzertag: ATICOM betont Wert professioneller Übersetzungen

Seit 1991 gedenkt am 30. September eine spezielle Berufsgruppe des hl. Hieronymus (engl.: Saint Jerome, franz.: Saint Jérôme), nämlich die Übersetzer und Dolmetscher, die nach einem Beschluss der FIT (Fédération internationale des traducteurs) dessen Namenstag zum Internationalen Übersetzertag erklärt haben. Ist der hl. Hieronymus ihnen doch Vorbild mit seiner wichtigsten Leistung, der im Jahre 385 begonnenen Übersetzung des Alten und Neuen Testaments in die lateinische Sprache, die elf Jahrhunderte später durch den Rat von Trient als authentisch anerkannt wurde. Die “Vulgata” wurde deshalb die offizielle Fassung der Bibel der römischen Kirche.

Jedes Jahr ist der Übersetzertag einem besonderen Thema gewidmet, und für 2008 rücken Wörter in den Mittelpunkt des Interesses. Wörter sind es, mit deren Hilfe Informationen von einer Sprache und Kultur in eine andere übertragen werden, und es kann schon ein einzelnes Wort einen ganzen Sinngehalt ändern und zu Missverständnissen führen. Die Einigung auf eine gemeinsame Terminologie und insbesondere die korrekte Verwendung von Fachwörtern sind deshalb von grundlegender Bedeutung.

Terminologen leisten hier einen unverzichtbaren Beitrag, unterstützt durch die elektronische Datenverarbeitung. Im technischen Bereich schreitet die Vereinheitlichung so weit voran, dass nicht nur Benennungen, sondern ganze Formulierungen standardisiert werden, um computergestützte Übersetzungen erstellen zu können. Was in Spezialbereichen zu begrüßen ist, birgt jedoch auch eine Gefahr: die Rückentwicklung einer Sprache. Mit einem festgelegten Vokabular gerät ein Wortschatz in Umlauf, der im übertragenen Sinn einen Turm zu Babel zum Einstürzen bringen könnte. Über das Internet verbreitete Informationen und deren angebotene Übersetzungen sind nicht immer verlässlich, Halbwissen vermischt sich mit Wissen, das Ergebnis kann mehr als verwirrend sein.

Die Zeit ist reif, sich der soliden und professionellen Arbeit des Übersetzers zu erinnern. Er allein – nicht sein Computer – ist es, der Sinn und Zusammenhang eines Textes in eine andere Sprache übersetzen kann. Seine Arbeit ist eine geistige Leistung, er versteht sein Metier, kennt seine Sprache und sein Fachgebiet. Die Arbeit eines Übersetzers wird durch Terminologie wesentlich unterstützt, aber sie bleibt trotz aller Technik eine geistige und nicht eine computergesteuerte Leistung: Es sind nicht nur Wörter allein, sondern es ist der Inhalt von Informationen zu übertragen, und das geht nicht per Mausklick.

Der Übersetzer heute kann sich auf die Unterstützung von Terminologen verlassen und auf vielfältige Computerprogramme, mit denen er die Qualität seiner Arbeit verbessern kann. Dabei wird von ihm Präzision und Schnelligkeit verlangt. Jedoch wie der hl. Hieronymus in die Wüste gehen und nachdenken, diese Zeit bleibt dem Übersetzer trotz aller Technik heutzutage nicht mehr.

[Text: Anneliese Conrad-Wienands, Susanne Goepfert. Quelle: Pressemitteilung ATICOM.]