Harry Potter: Ulrike Draesner kritisiert Übersetzung von Klaus Fritz

Die Berliner Autorin und Übersetzerin Dr. Ulrike Draesner kritisierte auf einer Tagung der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel die Harry-Potter-Übersetzungen von Klaus Fritz:

„Fritz ist ein Übersetzer von Sachbüchern und das merkt man ständig. Es mangelt ihm an Sprachsensibilität, an sprachlicher Erfindungskraft. So geht viel von der Ironie und dem literarischen Biss aus dem Original verloren.“ Draesner erklärt, die Übersetzung sei „flacher als das Original“. Zwar würde der Übersetzer Meilen korrekt in Kilometer umrechnen, „aber Sprachwitz und Anspielungsreichtum gehen in der deutschen Version verloren“.

Die Übersetzung sei „nachlässig gemacht“. So werde ein Krapfen wenige Zeilen später als Donut bezeichnet. Tausende von Konjunktiven würden falsch gebraucht: „Es wird nicht zwischen indirekter Rede und Irrealis unterschieden.“ Grundsätzlich sei die Fritzsche Fassung „viel zu brav“.

Draesner kann sich nicht damit anfreunden, dass die Eigennamen von Fritz zu einem geringen Teil eingedeutscht wurden. Schon das ist ihr zu viel. So missfällt ihr, dass die Figur Hermione in der deutschen Fassung zu einer ihrer Ansicht nach altbacken klingenden Hermine wurde. „Mir ist vollkommen rätselhaft, wieso das übersetzt worden ist. Dann hätte man statt Harry Potter auch Harald Töpfer sagen müssen und statt Ron Weasley Ronald Wieselchen.“

Die Empfehlung von Draesner lautet: „Es gibt eine bewährte Regel, die lautet: Namen werden nicht übersetzt.“ Eine Regel, an die sich die meisten Übersetzer bei der Übertragung der Potter-Welt jedoch bewusst nicht gehalten haben. Bei vielen der 47 Sprachen, in die die Bände übersetzt wurden, ist sogar sehr viel mehr lokalisiert worden. Am weitesten gingen die Niederländer, bei denen 87 Prozent der Eigennamen übersetzt wurden.

Ulrike Draesner hat die sieben Bände der deutschen Übersetzung allerdings nach eigener Aussage nur „quer gelesen“ – um zu gucken, ob es besser werde. Das sei aber nicht der Fall.

Die Tagung in Wolfenbüttel stand unter dem für eine staatliche Akademie recht provozierenden Titel „Harry, hol schon mal den Besen! – Kehraus nach zehn Potter-Jahren“.

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[Quelle: Neue Westfälische, 2008-10-09; Berliner Morgenpost, 2008-10-06; Ostfriesen-Zeitung, 2008-10-13.]

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