Gemeinsam für Qualität: BDÜ und QSD verabschieden Leitfaden

Am 26.9.2008 unterzeichneten die Präsidenten des BDÜ, Johann J. Amkreutz, und des QSD, Heike Leinhäuser, in München einen Leitfaden für die Zusammenarbeit von Einzelübersetzern und Übersetzungsunternehmen. Die Unterzeichnung steht symbolhaft für das Streben nach Qualitätsarbeit seitens des größten Berufsverbands für Übersetzer in Europa und dem Verband Qualitätssprachendienste Deutschland e.V. (QSD).

Fast auf jedem Kollegentreffen von BDÜ-Mitgliedern weiß ein Teilnehmer von unliebsamen Kontakten zu einer Übersetzungsagentur zu berichten, aber zugleich wissen auch alle, dass bestimmte Aufträge aufgrund ihres Volumens, der Sprachenvielfalt oder anderer Rahmenbedingungen nur von einem größeren Anbieter bewältigt werden können. Daher kann es gerade angesichts der unaufhaltsamen Globalisierung der Märkte nur ein Miteinander von Einzelübersetzern und Übersetzungsunternehmen und kein Gegeneinander der beiden Gruppen geben.

Hierfür soll der gemeinsam entwickelte Leitfaden eine Basis bieten. Im QSD, der seit 1998 besteht, haben sich bislang 22 mittelständische Übersetzungsunternehmen zusammengeschlossen. Sie versorgen geschätzte 1.500 bis 2.000 hauptsächlich freiberufliche Übersetzer mit Aufträgen. Der neue Leitfaden soll insbesondere Markteinsteiger ansprechen, die nach ihrer Ausbildung nur wenig Zeit für eine Orientierung am Markt haben und schnell als Freiberufler Fuß fassen wollen. Das Interesse beider Seiten an einer Zusammenarbeit ist daher groß, aber es gibt auch viele Unsicherheiten. Die in dem Leitfaden formulierten Kriterien für eine beiderseitig zufriedenstellende Zusammenarbeit stellen die jeweiligen Anforderungen orientiert am Übersetzungsprozess zusammen. Gleichzeitig hilft er aber auch erfahrenen Einzelübersetzern und Übersetzungsunternehmen, ihren Standpunkt zu finden und macht die Sichtweise des jeweils anderen deutlich.

Rechte und Pflichten beider Parteien im Übersetzungsprozess

Angelehnt an die neue DIN-Norm EN 15038 umfasst der Leitfaden den gesamten Übersetzungsprozess, beleuchtet die einzelnen Arbeitsschritte und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Arbeitsvorbereitungen. Damit machen die Branchenvertreter nach innen wie nach außen deutlich, wie komplex der gesamte Übersetzungsprozess ist und welches Aufgabenspektrum sowohl der Übersetzer als auch der jeweilige Projektleiter zu erfüllen haben.

Bewusst ausgespart wurde das Thema Preise, da hier keine Handreichungen möglich sind. Aber das Credo von Frau Leinhäuser ist klar: „Wer seriös arbeiten will, versucht nicht, Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen.“ Und als Geschäftspartner sehen die mittelständischen Unternehmen ihre Übersetzer, die ihnen qualitätvolle Arbeit liefern. Denn nur mit Qualität können sie sich wiederum am Markt behaupten. Die nur wenige Monate dauernden Gespräche, für die Manfred Braun und Roland Hoffmann vom bayerischen Landesverband ein erstes Arbeitspapier formuliert hatten, wurden sowohl vom BDÜ als auch vom QSD als sehr konstruktiv und praxisorientiert beschrieben.

Das Ergebnis in Form des gemeinsamen Leitfadens trägt sowohl die Handschrift der professionellen Übersetzungsunternehmen als auch der Vertreter der als freiberuflich tätigen professionellen Fachübersetzer. Allein beim komplexen Thema der Urheberrechte an Translation Memories konnte keine allgemein gültige Richtlinie formuliert werden. Angesichts der schwierigen Rechtslage empfehlen sich hier individuelle Vereinbarungen, die die Rechte und Pflichten beider Parteien berücksichtigen und auf spezifischen Konstellationen beispielsweise mit dem Endkunden eingehen. Der ansprechend gestaltete Leitfaden im handlichen Lang-DIN-Format umfasst 12 Seiten und zeichnet den Ablauf eines Übersetzungsauftrags nach, zeigt auf, welche Punkte in den einzelnen Phasen von besonderer Relevanz sind, und hebt in speziell abgesetzten Hinweisen einzelne Punkte heraus, die sich in der Praxis als besonders beachtenswert herausgestellt haben.

So steht die praktische Anwendbarkeit des Leitfadens zwar ganz klar im Vordergrund, doch geht von ihm durchaus auch eine gewisse Symbolkraft aus. Mit dieser Aktion wollen beide Verbände deutlich machen, dass sie gemeinsam an einem Qualitätsstrang ziehen möchten, da nur eine dauerhaft qualitätvolle Arbeit den Vertretern unseres Berufsstandes das Überleben sichern kann.

Den Wortlaut der Vereinbarung finden Sie hier als PDF zum Herunterladen.

[Text: Norma Kessler, BDÜ, 2008-10-10.]

Das GDolmG muss weg