NRW stellt Diplom-Übersetzer an Schulen als Sprachlehrer ein

Angesichts des Fachlehrermangels öffnet das Bundesland Nordrhein-Westfalen seine Schulen für Quereinsteiger. In einem Erlass appelliert das Schulministerium an die Schulträger, auch Personen ohne Lehramtsstudium zur Bewerbung zuzulassen und Ausschreibungen nicht zu eng zu fassen. Zurzeit verlassen pro Jahr mehr Lehrer die Schulen als Nachwuchs von den Unis kommt.

Laut Erlass dürfen ab sofort auch Kandidaten eingestellt werden, die nur das erste Staatsexamen in der Tasche haben. Hinzu kommen Fachhochschulabsolventen in technischen Fächern. Auch Diplom-Übersetzer werden als mögliche Lehrer für Fremdsprachen ausdrücklich genannt. Zur Einarbeitung der Quereinsteiger sind „einjährige pädagogische Begleitmaßnahmen“ vorgesehen.

Die Öffnung ist eine frohe Botschaft für alle Übersetzer, die des Kampfes auf dem freien Markt müde sind und sich nach langen Ferien und einer Verbeamtung sehnen.

Gleichzeitig ist sie allerdings auch ein Indiz für die mangelnde Attraktivität des Lehrerberufs. Ursache dafür sind offenbar in erster Linie die von Generation zu Generation immer aggressiver und lernunwilliger werdenden Schüler. Hinzu kommen nicht selten sprachliche und kulturelle Verständigungsschwierigkeiten zwischen Lehrern und Schülern, vor allem an den Hauptschulen. Selbst im 13.000-Einwohner-Städtchen Germersheim, Sitz der weltweit größten Ausbildungseinrichtung für Übersetzer und Dolmetscher, hat ziemlich genau ein Drittel der Hauptschüler Türkisch, ein Drittel Russisch und nur noch ein Drittel Deutsch als Muttersprache.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Kölnische Rundschau, 2008-11-10. Bild: photocase.de.]

Das GDolmG muss weg