Die fetten Jahre sind vorbei: Frankfurter Buchmesse 2010 ohne Übersetzer-Zentrum

Übersetzer-Zentrum Frankfurter Buchmesse
Mit einer Hotel-ähnlichen Empfangstheke, zwei Veranstaltungsflächen (eine Bühne und ein „Salon“ genannter Bereich für kleinere Gesprächsrunden), Dolmetschkabinen, Präsentationsregalen und der Cafeteria war das Übersetzer-Zentrum ähnlich gut ausgestattet wie die Stände großer Verlagshäuser. - Bild: Cornelia Pieper / FBM

Das Auswärtige Amt kürzt seine Literaturförderung um 30 Prozent. Davon ist auch das Übersetzer-Zentrum auf der Frankfurter Buchmesse betroffen, dessen Hauptgeldgeber das Ministerium war. Auf der Messe 2010 wird es deshalb kein solches Zentrum mehr geben.

Das Übersetzer-Zentrum stehe auf der Prioritätenliste des Außenministeriums nicht sonderlich weit oben, da die Förderung deutscher Übersetzer nicht primärer Zweck der auswärtigen Kulturförderung sei, so eine Referentin. Den Übersetzern wurde geraten, sich um Sponsorengelder aus der Wirtschaft zu bemühen.

Auch die Messegesellschaft (Ausstellungs- und Messe GmbH), die für die Bereitstellung der Fläche und den Standaufbau zuständig war, fährt ihr Engagement für das Übersetzer-Zentrum zurück.

Großzügig dimensioniert mit zwei Veranstaltungsbereichen

Mit einer Fläche von schätzungsweise 15 x 40 Metern war das 2003 eingerichtete Übersetzer-Zentrum recht großzügig dimensioniert. Es zählte zu den größten Ständen in Halle 5.0. Zum Angebot gehörte eine große Infotheke, ein Vortragsbereich mit Podium, Vortragstechnik und rund 60 Zuschauerplätzen, ein Bereich für den „Gläsernen Übersetzer“, dem man beim Übersetzen über die Schulter schauen durfte, viele Regalmeter zur Präsentation von Büchern und Informationsbroschüren sowie eine Cafeteria mit etwa sieben Cafétischen.

Auf diese Weise konnte sich die kleine und wirtschaftlich nicht starke, aber stark im Licht der Öffentlichkeit stehende Berufsgruppe der Literaturübersetzer wie ein millionenschwerer Konzern präsentieren.

Übersetzer-Zentrum, Cafeteria
Das Übersetzer-Zentrum bot mit seiner Cafeteria auch die Möglichkeit, sich mit Kollegen zu treffen und lud zu Verschnaufpausen im Messetrubel ein. – Bild: Cornelia Pieper / FBM

Jahr für Jahr 40 übersetzungsbezogene Veranstaltungen

Sieben Jahre lang war das Übersetzer-Zentrum unter der inhaltlichen Regie des Literaturübersetzerverbands VdÜ eine großartige Plattform zur Darstellung der übersetzerischen Arbeit. Das Vortrags- und Diskussionsprogramm umfasste jedes Jahr rund 40 Veranstaltungen.

Hier wurden Kontakte zwischen Autoren, Übersetzern, Lektoren, Verlegern und der Presse geknüpft und intensiviert. Hier bot sich der großen Gruppe der Fachübersetzer (rund 25.000 in Deutschland) die einmalige Gelegenheit, in die kleine, aber feine und überaus anspruchsvolle Welt der Literaturübersetzer (rund 1.500 in Deutschland) hineinzuschnuppern. Hier verabredete man sich mit Kollegen zu Kaffee und Kuchen und nutzte diese Oase im Messetrubel zum Erfahrungsaustausch mit Kollegen.

Vom ersten Jahr an wurde das Übersetzer-Zentrum von denen, für die es gedacht war, begeistert angenommen. Alle fragten sich, warum es eine solche Einrichtung nicht schon in den Jahrzehnten zuvor gegeben habe.

Den Sparzwängen geschuldet

Der Berliner Tagesspiegel schreibt: „Es wird das Übersetzerzentrum nicht mehr in der bekannten Weise geben, und nicht unter diesem eingeführten Namen, also deutlich weniger sichtbar. […] Viele Literaturübersetzer sehen das als Ohrfeige für eine Zunft, ohne die es den internationalen Literaturaustausch nicht gäbe.“

Geplant ist jetzt, das Übersetzer-Zentrum mit dem benachbarten Internationalen Zentrum des Auswärtigen Amts zusammenzulegen. Die Messegesellschaft verspricht, eine neue, adäquate Form der Umsetzung zu finden.

Richard Schneider

Das GDolmG muss weg