Kompromiss: Frankfurter Buchmesse 2010 mit Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung

Frankfurter BuchmesseWie bereits berichtet, wird es in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse kein Übersetzer-Zentrum mehr geben. Grund dafür sind die Mittelkürzungen des Auswärtigen Amts, das der Hauptgeldgeber des groß angelegten Standes war. Auch die Ausstellungs- und Messe GmbH hatte angekündigt, ihr Engagement für das Übersetzer-Zentrum zurückzufahren. Sie versprach jedoch, in kleinerem Rahmen eine adäquate Lösung für die Übersetzer finden zu wollen.

Jetzt wurden die Grundzüge des neuen Konzepts bekannt gegeben: Das bisherige „Internationale Zentrum“ und das „Übersetzer-Zentrum“, die ohnehin direkt nebeneinanderlagen, werden zu einem neuen Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung zusammengefasst. Es trägt den Namen „Weltempfang“ und soll gemeinsam mit Organisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik den internationalen Kulturaustausch und Wissenstransfer fördern. Die Messegesellschaft schreibt dazu:

In der Mitte der Halle 5.0 gelegen umfasst der „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ eine große Bühne für publikumsstarke Veranstaltungen. Daneben verfügt er über einen Kleinen Salon für Fachdiskussionen und literarische Begegnungen. Abgerundet wird das Areal von dem Café-Bereich, der zum Weiterdiskutieren, sich Verabreden oder einfach nur zum Ausruhen einlädt.  Beim Weltempfang wird es wie bisher Lesungen und Diskussionsforen mit internationalen Autoren geben. Er wird Treffpunkt sein für Übersetzer. Und er wird ein Raum für Veranstaltungen zu den Besonderheiten des Übersetzens sein. Auch die geselligen Momente kommen nicht zu kurz: In den frühen Abendstunden schließt der Weltempfang mit einer Happy Hour.

Der bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Übersetzer-Zentrums federführende Literaturübersetzerverband VdÜ begrüßt den erzielten Kompromiss:

Das „Übersetzerzentrum“ als eigener Ort mit eigenem Namen ist also – vorerst – verloren. Der Buchmesse haben wir es zu verdanken, dass unsere Tätigkeit immerhin im Namen des neuen Zentrums noch erhalten ist, dafür danken wir und arbeiten bereits engagiert daran mit, dem neuen Ort Inhalt und Qualität zu verleihen, damit er für die Sichtbarkeit von uns Übersetzenden sorgt und ein attraktiver Treffpunkt bleibt − nicht zuletzt für Übersetzende und Medienvertreter.

Auf dem „Weltempfang“ sind folgende Organisationen mit eigenen Ständen vertreten: VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.), BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.), Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Deutsches Kulturforum östliches Europa, Goethe-Institut, Südasien-Institut der Universität Heidelberg sowie das Institut français d’histoire en Allemagne. Erhalten bleiben die Informationstheke für Übersetzer sowie der Programmpunkt „Gläserner Übersetzer“, bei dem man einem Vertreter der Berufsgruppe bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.

Der VdÜ hat die Hoffnung auf eine Rückkehr zum eigenständigen Übersetzer-Zentrum noch nicht aufgegeben. Hinter den Kulissen bemüht er sich um eine Rücknahme der Mittelkürzungen, damit sich die Übersetzungsbranche später wieder in der Form präsentieren kann, die sich in den sieben „fetten“ Jahren von 2003 bis 2009 allseits großer Beliebtheit erfreute.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: VdÜ, Frankfurter Buchmesse. Bild: Frankfurter Buchmesse.]

Das GDolmG muss weg