Ist „Sprachmittler“ ein Ausdruck aus der DDR?

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Bild: gemeinfrei

Nicht nur die Deutschen, auch die deutsche Sprache hatte 1989/90 ihre Wende. Wörter gingen unter, tauchten auf, übersiedelten mit. […] Doch Wörter aus dem Osten, die in den Westen schwappten, gab es erst ab der Wendezeit.

Das schreibt der österreichische Journalist Ewald König in einem Beitrag mit der Überschrift Die Wende und der Wandel der Wörter für die Website euraktiv. König nennt zahlreiche Beispiele wie „Brotröster“ (Toaster) oder „Luftdusche“ (Haarfön) und auch „Sprachmittler“.

„Sprachmittler“ kein DDR-Ausdruck, sondern deutlich älter

Zum Ausdruck „Sprachmittler“ ist jedoch zu sagen, dass das Wort schon vor der deutschen Teilung in den 1930er und 1940er Jahren verwendet wurde und möglicherweise noch viel älter ist.

In der DDR war der Ausdruck weit verbreitet. Der Berufsverband hieß „Vereinigung der Sprachmittler der DDR“. Und der Universitätsabschluss „Diplom-Sprachmittler“ umfasste sowohl den westlichen Diplom-Dolmetscher als auch den Diplom-Übersetzer.

Auch in der alten Bundesrepublik gab es von Beginn an Sprachmittler. So wurden jedoch ausschließlich die Militärdolmetscher der Bundeswehr bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch war der Ausdruck hingegen vollkommen unbekannt.

Renaissance des „Sprachmittlers“ nach der Wiedervereinigung

Nach dem Mauerfall erlebte der „Sprachmittler“ dann im westlichen Teil Deutschlands zunächst in der Übersetzungsbranche eine Renaissance als lange vermisster Oberbegriff für Dolmetscher und Übersetzer.

In späteren Jahrzehnten wurden Laiendolmetscher zunehmend als „Sprachmittler“ bezeichnet, um sie von Berufsdolmetschern zu unterscheiden. Dieser Bedeutungswandel wurmt wiederum diejenigen, die noch einen universitären Diplom-Sprachmittler-Abschluss in der Tasche haben.

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