Europäisches Patentamt und Google beseitigen Sprachbarrieren für Europas Erfinder

Benoît Battistelli und Benoît Battistelli
Der Präsident des Europäischen Patentamts, Benoît Battistelli (links), und der belgische Google-Chef Antoine Aubert freuen sich über die Vereinbarung, von der beide Seiten profitieren

Das Europäische Patentamt (EPA) und Google haben am 24.03.2011 eine langfristige Kooperationsvereinbarung für die maschinelle Übersetzung von Patenten in verschiedene europäische, slawische und asiatische Sprachen unterzeichnet.

Im Rahmen dieser Partnerschaft wird das EPA Google Translate nutzen, um auf seiner Website Patentübersetzungen in 28 europäische Sprachen sowie in Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Russisch anzubieten. Im Gegenzug erhält Google Zugriff auf den kompletten EPA-Bestand an übersetzten Patenten und kann so seine Übersetzungstechnologie in Bezug auf den speziellen Sprachgebrauch in Patenten weiter verbessern. Bei der Vereinbarung, die nicht exklusiv ist, spielen finanzielle Aspekte keine Rolle.

Ab diesem Jahr können Unternehmen, Erfinder und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit auf der EPA-Website – zu Informations- oder Recherchezwecken – in den EPA-Amtssprachen Deutsch, Englisch und Französisch nach Patenten suchen und sie dann direkt in eine andere Amtssprache übersetzen lassen. Das Angebot soll schrittweise um weitere europäische Sprachen sowie um Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Russisch ergänzt werden. Der Abschluss des Projekts ist für 2014 geplant.

Durch die Partnerschaft zwischen dem EPA und Google lassen sich Millionen von Patenten, die in Europa, China, Japan, Korea und Russland erteilt wurden, kostenlos in Echtzeit übersetzen. Europäische Erfinder erhalten damit die Möglichkeit, Patente, die für sie relevant sind, gleichzeitig in allen EPA-Sprachen zu durchsuchen, was ihnen einen erheblichen Zeit- und Kostenvorteil bei ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit verschafft.

„Die maschinelle Übersetzung hilft, Sprachbarrieren zu überwinden und die in Patenten enthaltenen Informationen weltweit zugänglich und verfügbar zu machen. Das neue Übersetzungstool ist ein weiterer Schritt zur Stärkung der Innovation in Europa und erlaubt es den europäischen Unternehmen, mit ihren Wettbewerbern in anderen Regionen gleichzuziehen. Außerdem bin ich überzeugt, dass es eine Einigung beim Einheitspatent erleichtern wird“, so der EPA-Präsident Benoît Battistelli.

„Erfinder, Wissenschaftler und Innovatoren in ganz Europa werden von diesem Projekt stark profitieren, denn der Zeitaufwand für ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten dürfte sich deutlich verkürzen, wenn sie den gesamten EPA-Bestand an europäischen, asiatischen und russischen Patenten in ihrer Muttersprache durchsuchen können“, sagt der Brüsseler Google-Chef Antoine Aubert. „Google Translate wurde entwickelt, um Sprachbarrieren abzubauen. Die Zusammenarbeit mit dem EPA wird genau dazu beitragen – für alle Europäer, egal welcher Muttersprache.“

Der große geografische Geltungsbereich der Vereinbarung unterstreicht die Rolle des EPA als führendem Anbieter der in Patenten enthaltenen technischen Information. Seit 1998 hat es sich das EPA zur Politik gemacht, die technischen Daten aus seinen Recherchensammlungen offen zu verbreiten. Darüber hinaus veröffentlicht es in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten auch nationale Patentsammlungen.

Seit 2004 ist das EPA auf dem Gebiet der maschinellen Übersetzung aktiv, um die wachsende Herausforderung zu bewältigen, die darin besteht, die Patentdaten in seinen Amtssprachen zugänglich zu machen. Die maschinelle Übersetzung ist außerdem zu einem wichtigen Instrument zur Verbreitung europäischer Patentdaten für die breite Öffentlichkeit und für spezialisierte Nutzer von Patentinformation geworden.

Europäisches Patentamt
Das Europäische Patentamt (EPA) hat den Auftrag, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum zum Nutzen der Bürger Europas zu fördern. Seine Aufgabe besteht darin, auf der Grundlage eines zentralisierten Verfahrens für die Vertragsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ), das am 5. Oktober 1973 in München unterzeichnet wurde und am 7. Oktober 1977 in Kraft trat, europäische Patente für Erfindungen zu erteilen.

Google Inc.
Googles innovative Suchtechnologie sorgt jeden Tag aufs Neue dafür, dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt die von ihnen benötigten Informationen finden. 1998 von den Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergey Brin gegründet, ist Google mittlerweile auf allen wichtigen Märkten der Welt an erster Stelle im Web präsent. Das zielgerichtete Werbeprogramm von Google bietet Unternehmen aller Größenordnungen messbare Ergebnisse und verbessert gleichzeitig die allgemeine Web-Erfahrung für die Nutzer. Das Unternehmen mit Hauptsitz im Silicon Valley verfügt über ein Netz von Niederlassungen in ganz Amerika, Europa und Asien.

[Text: Rainer Osterwalder. Quelle: Pressemitteilung Europäisches Patentamt, 2011-03-24. Bild: Europäisches Patentamt.]

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