Übersetzer, die stillen Helfer der Globalisierung

Jeder hat sicherlich schon einmal eine schlecht übersetzte Montageanleitung in den Händen gehabt. Umso mehr wird eine gute Übersetzung geschätzt. Heutzutage wird so viel übersetzt wie nie zuvor – von Weltliteratur, Beipackzetteln bis zum Text auf dem Joghurtbecher. Ohne Sprachdienstleistungen würde die globalisierte Welt nicht mehr funktionieren.

Doch manchmal ist da einfach Hass. “Hass auf den Autor, sein Buch und die ganze Welt”, berichtet die Literaturübersetzerin Brigitte Döbert. Kein Übersetzer gebe solche Phasen seiner Arbeit gern zu, ergänzt sie. Denn oft schlage Hass auf ein Buch später in heiße Liebe um.

Der Bedarf an Übersetzungen wächst kontinuierlich. Nach Angaben des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) gibt es in der Bundesrepublik Deutschland 40.000 Übersetzer. Innerhalb von acht Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. Der BDÜ schätzt die Ausgaben für Schriftgut in anderen Sprachen in Deutschland auf bis zu eine Milliarde Euro im Jahr – mit zehnprozentigen Wachstumsraten.

Nach Untersuchungen des BDÜ benötigen rund 80 Prozent der Unternehmen im Exportland Nr.1 Sprachmittler. Auf der anderen Seite sieht die Situation genauso aus. Da Anleitungen auf Deutsch Pflicht sind, müssen auch Unternehmer aus dem Ausland einen Übersetzer engagieren. Allerdings verläuft dies nicht immer ohne Probleme. Oftmals lesen Kunden seltsame Sätze wie: “Hochangeschlagene Qualität kann geschlagen, gehämmert und gefalten werden.”

Benedikt Hendan, Sachverständiger für Bedienungsanleitungen beim TÜV Süd, hält lediglich ein Viertel der Instruktionen, die er prüft, für korrekt. Oft seien die Anleitungen schon im Ursprungsland mangelhaft, berichtet er. “Da wird ein alternder Ingenieur rangesetzt, der keine Ideen mehr hat. Aber leider auch keine Ahnung von Didaktik.”

Ähnlich wie sich ein Literaturübersetzer in die Romanfigur hineinfühlen muss, braucht ein Technikübersetzer einen Sachverstand und muss sich in die Maschine hineinfühlen. Zudem sollte ein technischer Übersetzer die kulturellen Unterschiede kennen. “In Asien kann eine Betriebsanleitung aussehen wie ein Manga. Bunte Männchen würden bei uns aber nicht funktionieren”, erklärt Hendan. In den Vereinigten Staaten von Amerika sei es Pflicht, darauf hinzuweisen, dass es verboten ist, seinen Hund in der Mikrowelle zu trocknen.

Schlampige Übersetzungen können die Unternehmen im schlimmsten Fall, wenn beispielsweise Unfälle auf fehlerhafte Anleitungen zurückzuführen sind, teuer zu stehen kommen. Dann haftet nämlich das Unternehmen für den Schaden. Was sollte ein Unternehmen in Service inklusive Übersetzung investieren? “Ein Drittel des Produktpreises”, schätzt der Sachverständige beim TÜV Süd.

In Zeiten des Internets versuchen viele, Geld zu sparen und Texte auf Internetportalen o.Ä. kostenlos automatisch übersetzen zu lassen. Die Vize-Präsidentin des BDÜ, Norma Kessler, sieht darin jedoch keine Konkurrenz. “Der Mensch als Übersetzer wird bleiben.” Auch in Zukunft würden Maschinen nicht mit Metaphern und stilistischen Feinheiten zurechtkommen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: n-tv.de, 30.09.2011.]