Google startet Projekt für gefährdete Sprachen

Weltweit werden derzeit etwa 7000 Sprachen gesprochen. Experten schätzen allerdings, dass bis 2100 knapp 50 Prozent davon ausgestorben sein werden. Momentan sind 3000 Sprachen vom Aussterben bedroht. Das Verschwinden einer Sprache sei immer auch ein Verlust von wertvollen wissenschaftlichen und kulturellen Informationen, so der US-Konzern Google.

Google möchte verhindern, dass diese Sprachen in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund hat der Konzern das „Endangered Languages Project“ gestartet, das darauf abzielt, umfassende Informationen über Sprachen zusammentragen, die nur noch von wenigen Menschen gesprochen und somit vom Aussterben bedroht sind. Auf diese Weise möchte der Konzern zur Rettung bedrohter Sprachen indigener Völker beizutragen.

Auf der Website www.endangeredlanguages.com stellt Google Möglichkeiten zur Verfügung, um Text-, Bild- und Tondokumente oder Fallstudien hochzuladen, mit anderen zu teilen und Hintergrundinformationen über verschiedenste Sprachen bereitzustellen.

„Die Plattform birgt viel Potenzial, jetzt sind die Nutzer daran, es zu nutzen“, sagt Paul Trilsbeek, Leiter des Sprachenarchivs am niederländischen Max Planck Institut für Sprachpsychologie. So erfahren nämlich mehr Menschen vom Sprachensterben und beachten das Problem. Zwar ist sich Trilsbeek darüber im Klaren, dass es für viele Menschen aus Lateinamerika und Asien, die keinen Internetzugang haben, nicht möglich ist, an der Plattform mitzuarbeiten. „Aber sie werden mitbekommen, dass ihre Sprache auf einer großen Webseite präsent ist, was das Selbstwertgefühl enorm steigert“, so Trilsbeek. Das Gefühl, dass die eigene Sprache nichts wert ist, beschreiben Experten neben Landflucht als einen der Hauptgründe fürs Sprachensterben. Nikolaus Himmelmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für bedrohte Sprachen, erklärt in diesem Zusammenhang: „[Sprachen] sind auch eine Manifestation der eigenen Identität.“

Für das Projekt wird nach Angaben der Verantwortlichen auf die Forschungen zum „Catalogue of Endangered Languages“ (ELCat) zurückgegriffen, der von Wissenschaftlern an der Universität Eastern Michigan und der Universität Hawaii erstellt wird. Vorangetrieben wurde das Projekt von der Alliance for Linguistic Diversity, die extra dafür gegründet wurde. Aktuell zählt die Allianz 30 Kooperationspartner.

Die Beaufsichtigung des Projekts wird bald an das First Peoples‘ Cultural Council sowie das Institute for Language Information & Technology (The Linguist List) an der Eastern Michigan University in Zusammenarbeit mit dem Advisory Committee übertragen.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden sie auf der Plattform www.endangeredlanguages.com, die in sieben Sprachen übersetzt worden ist.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: endangeredlanguages.com; taz.de, 22.06.2012. Bild: Google.]