Selbst und ständig und ganz allein: Deutschlands Einzelkämpfer

impulse 3/2014Das Unternehmermagazin impulse widmet sich in Heft 3/2014 schwerpunktmäßig dem Thema Einzelkämpfer. „Millionen Selbstständige haben nur einen einzigen Angestellten: sich selbst. Oft sind sie Chef und Chefsekretärin zugleich“, heißt es in der Einleitung.

In einem längeren Artikel mit zahlreichen Infokästen wird beschrieben, „was die Solisten bewegt und wie sie sich Freiräume verschaffen“. Von den insgesamt 3,6 Millionen Selbstständigen seien 2,5 Millionen auf sich allein gestellt. Ausführlich vorgestellt werden ein Informatiker, ein Experte für Brandschutz, ein Bauer und eine Woll-Händlerin.

Neben der bekannten Tatsache, dass Selbstständige überlange Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden pro Tag haben, wird auch erwähnt, dass selbst im (Kurz-)Urlaub andere Prioritäten als bei Angestellten gelten: „Wo habe ich die geringste Zeitverschiebung, ein stabiles WLAN-Netz und uneingeschränkten Handyempfang?“

Schikanen durch Banken

Von einem selbstständigen Informatiker wird berichtet: „Als er mit 22 Jahren sein Unternehmen gründete und bei seiner Hausbank ein Firmenkonto einrichten ließ, strich ihm das Geldinstitut als Erstes den Dispokredit seines Privatkontos, den es ihm als Student noch großzügig eingeräumt hatte.“

Imageprobleme

Als allein und meist von Zuhause aus arbeitender Mensch werde man von anderen oft falsch wahrgenommen. Die einen dächten, er sei ein armer Schlucker, die anderen, er sei Millionär, klagt ein Informatiker. Dabei mache er einfach nur seinen Job – nur eben nicht als Angestellter.

Oft kein Auskommen mit dem Einkommen

„Fast ein Drittel aller Einzelunternehmer verdient in der Stunde weniger als 8,50 Euro, also nicht einmal den von der Bundesregierung angestrebten Mindestlohn“, heißt es in dem Artikel.

Durchschnittsbruttoeinkommen:

  • Arbeitnehmer: 2.515 Euro
  • Solo-Selbstständige: 2.357 Euro
  • Selbstständige mit Arbeitnehmern: 4.872 Euro

Ein interessanter Aspekt ist, dass Frauen auch dann, wenn sie ihr eigener Chef sind, trotz besserer Bildungsabschlüsse im Durchschnitt weniger verdienen als Männer.

Kein Jobwunder durch Einzelkämpfer

Der Staat hat in der Regierungszeit von Gerhard Schröder damit begonnen, Gründer massiv finanziell zu unterstützen (Überbrückungsgeld, Ich-AG, Gründerzuschuss). Die Hoffnung der Politik, dass die Gründer später neue Arbeitsplätze schaffen würden, hat sich jedoch nicht erfüllt:

Drei Viertel der Unternehmer, die mithilfe des Existenzgründungszuschusses den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, haben auch nach fünf Jahren noch keine Angestellten, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nachgerechnet.

Für die Gesamtheit der Solo-Selbstständigen sieht die Statistik so aus: Von 100, die im Jahr 2006 gründeten, waren fünf Jahre später 56 solo-selbstständig, 21 abhängig beschäftigt, 9 selbstständig mit Angestellten, 9 im Ruhestand, 3 arbeitslos gemeldet, 2 sonstige Nichterwerbstätige.

Vor allem Frauen verderben der Politik die Statistik. Ihr Anteil unter den Gründern ist in den vergangenen zwanzig Jahren von 30 auf 40 Prozent gestiegen. Sie haben meist einen höheren Schulabschluss. Dennoch verdienen sie im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Und sie bleiben fast immer allein. Nicht einmal 4 Prozent der Solistinnen beschäftigen nach fünf Jahren einen Angestellten.

Dass Frauen keine Mitarbeiter einstellen, liege allerdings nicht nur am geringeren Einkommen, sondern auch an einer anderen Einstellung dem Beruf gegenüber. „Frauen sehen in der Selbstständigkeit oft eine Chance, Familie und Beruf leichter unter einen Hut zu kriegen“, wird eine Expertin zitiert. Schließlich könnten sie dann bestimmen, wo, wann und wie viel sie arbeiteten. Mit Angestellten sei das deutlich komplizierter.

Das genannte Heft können Sie auf der impulse-Website bestellen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: impulse 03/2014. Bild: impulse.]

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