Ausflug zu den Vereinten Nationen in Wien: Keine Jobs für deutschsprachige Dolmetscher

Eingang Vienna International Centre
Der Eingang zum Vienna International Centre (Bild: Richard Schneider)

Bei den Vereinten Nationen in Wien gibt es keine Jobs für Dolmetscher oder Übersetzer mit der Arbeitssprache Deutsch. Dennoch lohnt es sich für Angehörige unserer Berufsgruppe, an einer Führung durch den Gebäudekomplex des “Internationalen Zentrums Wien” teilzunehmen, das in der Stadt als “Vienna International Centre” (VIC) bekannt ist, weil die Haltestelle so heißt.

Immerhin gut zehn Minuten der einstündigen Führung werden dem Thema Sprachen und Dolmetscher gewidmet. Und man erhält Einblick in einen mit Dolmetscherkabinen ausgestatteten großen Konferenzsaal.

Haltestelle Vienna International Centre
Die Haltestelle am Internationalen Zentrum Wien.

Führungen durch das Vienna International Centre

Die Führungen durch die UNO-City werden zweimal täglich auf Deutsch oder Englisch und gelegentlich auch in anderen Sprachen angeboten.

Sie beginnen im Besucherzentrum, das für jedermann zugänglich ist. Um hineinzugelangen, muss man allerdings eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen über sich ergehen lassen.

Im Besucherzentrum werden allerlei Souvenirs angeboten: Basecaps, Kugelschreiber und Visitenkartenetuis mit UNO-Logo und dergleichen mehr.

Sprachen und Dolmetscher
Die Führerin erläutert das Sprachenregime der UNO und die Arbeit der Konferenzdolmetscher.

Deutsch ist weder Amts- noch Arbeitssprache der UNO

Aufgrund einer Resolution der Generalversammlung aus dem Jahre 1946 sind Englisch und Französisch die beiden Arbeitssprachen der Vereinten Nationen. In einer weiteren Resolution der Generalversammlung aus demselben Jahr wurde das allgemeine Sprachenregime festgelegt:

  • In allen Organen der Vereinten Nationen, mit Ausnahme des Internationalen Gerichtshofs, sind Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch Amtssprachen sowie Englisch und Französisch Arbeitssprachen der Vereinten Nationen.
  • Reden in einer der beiden Arbeitssprachen werden in die jeweils andere Arbeitssprache gedolmetscht.
  • Reden in einer der drei anderen Amtssprachen werden in die beiden Arbeitssprachen gedolmetscht.
  • Jeder Vertreter darf eine Rede in einer anderen als den Amtssprachen der Vereinten Nationen halten. Er muss jedoch in diesem Fall die Verdolmetschung in eine der Arbeitssprachen selbst organisieren. Der UNO-Sprachendienst übernimmt dann die Übertragung in die andere Arbeitssprache (Relais-Dolmetschen).
  • Im Jahr 1973 hat die Generalversammlung per Resolution Arabisch als weitere Amtssprache hinzugefügt. 1983 wurde Arabisch auch Amtssprache des Sicherheitsrats.
Konferenzsaal mit Dolmetscherkabinen
Blick in den großen Konferenzsaal mit Dolmetscherkabinen.

Wien einer von vier Standorten der Vereinten Nationen

Wien ist neben New York, Genf und Nairobi einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Für die im Internationalen Zentrum Wien (Vienna International Centre, VIC) ansässigen UN-Organisationen arbeiten mehr als 4.000 Mitarbeiter aus über 100 Ländern. Ein Drittel davon sind Österreicher.

In Wien sind folgende Organisationen untergebracht:

  • Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV)
  • Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC)
  • Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)
  • Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO)
  • Vorbereitungskommission für die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO)
Internationale Atomenergie-Organisation
Die International Atomic Energy Agency ist nur eine von vielen hier untergebrachten UNO-Organisationen.
Flaggen im Innenhof
Rund um den Innenhof sind die Flaggen sämtlicher Mitgliedsstaaten aufgestellt.
Innenhof
Eine weitere Perspektive im Innenhof.
Außenansicht Gebäudekomplex
Architektonisch machen die Gebäude der UNO-City durchaus etwas her. Im Inneren regiert jedoch die Zweckmäßigkeit. Und der Stil der 70er Jahre mit der Akzentfarbe Orange.

Gebäudekomplex vollständig von Österreich bezahlt

Die Errichtung des Gebäudekomplexes wurde in den 1970er Jahren vollständig mit österreichischen Steuergeldern finanziert. Das Gelände und die darauf befindlichen Gebäude wurden 1979 für einen symbolischen Schilling auf 99 Jahre an die UNO vermietet. Für die Einrichtung und Ausstattung sowie die laufenden Betriebskosten kommen die einzelnen Organisationen selbst auf.

Der Aufbau der UNO-City erfolgte in der Zeit, als Bruno Kreisky Bundeskanzler war (1970 – 1983). Als Mittler zwischen Ost und West sowie Nord und Süd spielte der Kanzler des bündnisfreien Österreichs auf der Weltbühne zur Zeit des Kalten Krieges eine bedeutende Rolle.

Weitere Einblicke ins Innere einschließlich der Dolmetschkabinen vermittelt das nachfolgend verlinkte Video, das 2014 von den Wiener UNO-Dolmetschern produziert wurde.

Mehr zum Thema auf UEPO.de

2014-12-10: Einfach nur “HAPPY!” – Die Simultandolmetscher der UNO in Wien

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]