Zuger Übersetzer-Stipendium 2019 geht an Berthold Zilly für Neuübersetzung von “Grande Sertão: Veredas”

Nationalpark
Typische Landschaft im Nationalpark "Grande Sertão Veredas", der 1989 zu Ehren des Autors João Guimarães Rosa und seines Romans eingerichtet wurde. Er umfasst Gebiete der Bundesstaaten Minas Gerais und Bahía. - Bild: Vitor 1234, Lizenz CC BY-SA 3.0

Das zwölfte Zuger Übersetzer-Stipendium in der Höhe von 50.000 Schweizer Franken (43.814 Euro) geht an den in Berlin lebenden Literaturübersetzer Berthold Zilly. Er erhält die Auszeichnung für die Übersetzung des Romans Grande Sertão: Veredas von João Guimarães Rosa. Das Buch wird im Hanser Verlag (München) erscheinen.

Den Zuger Anerkennungspreis in Höhe von 10.000 Schweizer Franken erhält Christian Hansen (Berlin, Madrid). Er übersetzt für Matthes & Seitz (Berlin) Werke von César Aira.

Die Preisverleihung findet am 16. Juni 2019 in Zug statt.

Preisträger Berthold Zilly ist Spezialist für brasilianische Literatur

Berthold Zilly, geboren 1945 in Danndorf, studierte Romanische und Deutsche Philologie, Lateinamerikanistik sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Neben seiner Arbeit als Übersetzer forschte er zur brasilianischen Literatur. Er war unter anderem Honorarprofessor für Ibero-amerikanische Literaturen in Bremen, Akademischer Rat und Lektor für Lateinamerikanistik an der FU Berlin sowie Gastprofessor für Übersetzungsstudien an der Bundesuniversität von Santa Catarina in Florianópolis, Brasilien.

Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Premio Blaise Cendrars der Brasilianischen Vereinigung für Vergleichende Literaturwissenschaft und mit seiner Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Brasilianischen Akademie für Literatur in Rio de Janeiro.

Autor João Guimarães Rosa

João Guimarães Rosa (geboren 1908 in Cordisburgo, gestorben 1967 in Rio de Janeiro) studierte Medizin, arbeitete den Grossteil seines Lebens aber nicht als Arzt, sondern zunächst als brasilianischer Diplomat im Ausland. Später bekleidete er hohe Ämter im Aussenministerium. Er begann früh zu schreiben und erhielt bereits 1936 seinen ersten Literaturpreis. Zentrale Inspirationsquelle für seine Werke ist die Savannenlandschaft Sertão.

Grande Sertão: Veredas erschien 1956 und machte seinen Autor über Nacht zu einem der bedeutendsten Prosaisten Brasiliens. Inhaltlich ist das Werk eine grosse Interpretation Brasiliens. Seine nicht zu überschätzende Bedeutung gewinnt Grande Sertão: Veredas vor allem dank seiner bis dahin völlig neuartigen Sprache und Komposition. Der Roman führt nicht nur das ganze Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten der portugiesischen Sprache vor, sondern erweitert dieses auch in massgeblicher Weise.

Ergänzung von UEPO.de: Der Roman, den viele zu den hundert bedeutendsten Werken der Weltliteratur zählen, wurde in den 1960ern bereits von Curt Meyer-Clason unter dem Titel Grande Sertão ins Deutsche übersetzt. Er erschien 1964 bei Kiepenheuer und Witsch, später als Taschenbuch bei dtv. Den Vertrag zur Neuübersetzung hat Hanser bereits 2011 mit Zilly abgeschlossen. Hinweis zum Titel Grande Sertão: Veredas: “Sertão” bezeichnet das trockene Hinterland im Nordosten Brasiliens; eine Savanne, die mit dem australischen Outback vergleichbar und zehnmal so groß wie Deutschland ist. “Veredas” sind Pfade oder Wege.)

Zuger Anerkennungspreis für Christian Hansen

Christian Hansen (geboren 1962) ist preisgekrönter Übersetzer aus dem Spanischen und Französischen. Aus seiner reichhaltigen Tätigkeit sind vor allem die Übersetzungen der Werke Roberto Bolanos zu erwähnen. Mit der Übertragung von dessen monumentalem Roman 2666 ist Christian Hansen eine übersetzerische Meisterleistung gelungen. Seit 2016 übersetzt er bei Matthes & Seitz Werke von Cesar Aira.

Cesar Aira (geboren 1949) ist zwar einer der bedeutendsten und sicher der produktivste Autor Argentiniens, gleichwohl aber ist sein Werk schwer zu fassen. Jedes Buch ist für sich genommen einzigartig und die daraus resultierende, schwer zu beschreibende Genrevielfalt entzieht sich jeglicher Kategorisierung.

Bisherige Preisträger

Bisherige Preisträger(innen) waren 1997 Gabriele Leupold (Andrej Belyj, Petersburg), 1999 Melanie Walz (John Cowper Powys, Der Strand von Wey- mouth), 2001 Donatella Capaldi, Maria Fehringer (+), Ludwig Paulmichl und Peter Waterhouse (Andrea Zanzotto, das gesamte Werk), 2003 Susanne Lange (Miguel de Cervantes, Don Quijote), 2005 Rosemarie Tietze (Andrej Bitow, Das Puschkinhaus), 2007 Doreen Daume (+), (Bruno Schulz, Zimtläden), 2009 Christina Viragh (Peter Nadas, Parallelgeschichten), 2011 Irma Wehrli-Rudin (Thomas Wolfe, Von Zeit und Fluss), 2013 Ferdinand Leopold (Mircea Cärtärescu, Die Flügel), 2015 Ulrich Blumenbach (Joshua Cohen, Witz), 2017 Eveline Passet (Michail Prischwin, Tagebücher).

Mit dem Zuger Anerkennungspreis wurden bereits folgende Literaturübersetzer ausgezeichnet: Ralph Dutli und Karl-Ludwig Wetzig (beide 2003), Ernest Wichner (2007), Elisabeth Edl und Holger Fock (beide 2009), Stefan Zweifel (2011), Karin Betz (2013), Steffen Popp und Andreas Tretner (beide 2015) sowie Andreas Nohl (2017).

Das Zuger Übersetzer-Stipendium

Logo Verein Zuger ÜbersetzerDas Zuger Übersetzer-Stipendium ist mit 50.000 Schweizer Franken der höchstdotierte Übersetzerpreis der deutschsprachigen Länder und fördert die professionelle Übersetzung eines literarisch oder kulturell bedeutenden Werks in die deutsche Sprache.

Träger des Übersetzer-Stipendiums ist der Verein Zuger Übersetzer (vormals Dialog-Werkstatt Zug), der von Stadt und Kanton Zug, der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia sowie massgeblich von privaten Stiftungen und Gönnern unterstützt wird. Der Verein fördert die Kultur der literarischen Übersetzung durch die Vergabe des Zuger Übersetzer-Stipendiums, die Durchführung der Zuger Übersetzer-Gespräche sowie durch weitere kulturelle Begleitveranstaltungen in der Region Zug.

Die Jury des Zuger Übersetzer-Stipendiums

Der Vorstand des Vereins Zuger Übersetzer verleiht das Zuger Übersetzer-Stipendium gemäss den Vorschlägen einer Fach-Jury. Dieser gehören zurzeit an:

  • Christoph Balmer, Zug, Buchhändler und Verleger
  • Ulrich Blumenbach, Basel, Übersetzer
  • Dr. Brigit Eriksson-Hotz, Baar, Germanistin
  • Dr. Georg Gerber, Zug, Deutsch- und Philosophielehrer an der Kantonsschule Zug
  • Hans Peter Gnos, Zug, ehem. Rektor und Lehrer für Bildnerisches Gestalten, Kantonsschule Zug
  • Prof. Dr. Thomas Hunkeler, Freiburg, Professor für französische Literatur an der Universität Freiburg
  • Paula Marty, Zug, Journalistin
  • Manfred Papst, Zürich, Redaktor
  • Dr. Ilma Rakusa, Zürich, Autorin und Übersetzerin, Lehrbeauftragte am Slawischen Seminar der Universität Zürich, emeritiert
  • Dr. Jürg Scheuzger, Zug, ehem. Deutschlehrer an der Kantonsschule Zug, Vorsitzender der Jury
  • Dr. Gabriela Stöckli, Zürich, Geschäftsführerin des Übersetzerhauses Looren

Weiterführende Links

[Text: Zuger Übersetzer-Stipendium, ergänzt von UEPO.de.]