Facebook: Sprachenvielfalt bremst die 15.000 Zensoren aus

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Facebook hat weltweit rund 2,3 Milliarden Teilnehmer, allein in Deutschland sind es 30 Millionen (2017). Die Software ist zurzeit in 111 Sprachen lokalisiert, 31 weitere Sprachen werden innerhalb des Dienstes in erheblichem Umfang genutzt.

Durch diese sprachliche Vielfalt hat die Plattform enorme Probleme, den staatlichen Zensurvorgaben in Sachen Mobbing, “hate crimes”, “Kampf gegen rechts” usw. nachzukommen.

15.000 Content-Moderatoren täglich im Einsatz

Facebook beschäftigt weltweit nach eigenen Angaben zurzeit 15.000 “Content-Moderatoren”, wobei aber unklar ist, ob dies interne oder externe Mitarbeiter sind. Bei einer Gesamtmitarbeiterzahl von 30.275 (2018) ist dies so oder so beachtlich, reicht aber offenbar immer noch nicht aus. Das Problem:

  • Die Moderatoren beherrschen nur 50 Sprachen. Deshalb werden bei Bedarf sogar externe Übersetzer beauftragt.
  • Die im Hintergrund unauffällig laufende Schnüffelsoftware, die alle Beiträge automatisch auf bestimmte Stichwörter filzt, steht nur für die 30 wichtigsten Sprachen zur Verfügung.
  • Das interne (geheime) Zensurregelwerk ist erst in 41 der 111 offiziellen Facebook-Sprachen übersetzt.

Eine Facebook-Sprecherin erklärte vor Kurzem dazu, dass das Regelwerk nach Bedarf in weitere Sprachen übersetzt werde. Zu den Prioritäten zählen nach ihren Angaben derzeit die kambodschanische Amtssprache Khmer sowie Sinhala, die wichtigste Sprache in Sri Lanka.

Sanktionskatalog: Beiträge löschen, Nutzer vorübergehend sperren, Deplatforming

Das Löschen von Beiträgen ist nur die erste Stufe der Sanktionierung. Renitente Schreiber werden darüber hinaus temporär (typischerweise für einen Monat) vor die Tür gesetzt und bei dauerhafter Unbelehrbarkeit vollständig aus dem Dienst ausgesperrt (Deplatforming).

Immer stärkerer staatlicher Druck

Facebook steht wie alle anderen Sozialen Medien unter dem Druck zahlreicher Regierungen, die mit einer Verschärfung rechtlicher Vorschriften, hohen Bußgeldern und sogar Gefängnisstrafen drohen, falls unerwünschte Inhalte nicht schnellstmöglich gelöscht werden.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: ORF, Spiegel.]