Andreas Tretner wird Schlegel-Gastprofessor für Poetik der Übersetzung an FU Berlin

Andreas Tretner
Andreas Tretner entschied sich früh fürs Übersetzen. Er hat in Leipzig Russisch und Bulgarisch studiert. - Bild: privat

Der Berliner Übersetzer Andreas Tretner wird im Wintersemester 2020/21 die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung bekleiden. Die öffentliche Antrittsvorlesung soll Ende Oktober 2020 gehalten werden. Ort und genauer Zeitpunkt werden noch bekannt gegeben.

Die vom Deutschen Übersetzerfonds und der Freien Universität Berlin 2007 ins Leben gerufene Gastprofessur ist die erste Professur für Poetik der Übersetzung im deutschsprachigen Raum und wird jährlich im Wintersemester am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft eingerichtet.

Kein Slavist, sondern studierter Fachübersetzer

Andreas Tretner wurde 1959 in Gera geboren und hat nach dem Sprachmittler-Diplom an der Universität Leipzig (1981) zunächst in Jena als Fachübersetzer für die Sprachen Russisch und Bulgarisch gearbeitet.

In der Wendezeit war er Lektor für slawische Sprachen im Reclam Verlag Leipzig. Seit 1991 arbeitet er als freier Literaturübersetzer aus dem Russischen, Bulgarischen, gelegentlich auch aus dem Tschechischen.

Die Literatur der Gegenwart steht im Zentrum seines übersetzerischen Werks: russische Autoren wie Viktor Pelewin, Vladimir Sorokin, Michail Schischkin und Pjotr Ilitschewski, und bulgarische Autoren wie z. B. Christo Karastojanow und Angel Igov.

Als Übersetzer mehrfach ausgezeichnet

Andreas Tretner wurde mit dem Förderpreis zum Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung (1998), dem Paul-Celan-Preis (2001) und dem Internationalen Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt (mit Michail Schischkin, 2011) ausgezeichnet. 2009 war er Translator in Residence am Europäischen Übersetzerkollegium Straelen, 2010 und 2012 an der Universität Tübingen, 2015 am Slavischen Institut der Uni Basel.

Gastprofessur „Poetik der Übersetzung“

„Poetik der Übersetzung“ – der anspruchsvolle Titel der Gastprofessur an der Freien Universität ist Programm. Seit ihrer Einrichtung hat sich die Professur als exponierter Ort der historischen Reflexion von Methoden und Theorien literarischen Übersetzens und der literatur- und kulturgeschichtlichen Relevanz des Übersetzens etabliert. Das schließt die kritische Reflexion eigener und fremder Übersetzungsmethoden ebenso ein wie die vergleichende Textanalyse.

Namensgeber August Wilhelm von Schlegel

August Wilhelm von Schlegel
August Wilhelm von Schlegel – Gemälde von Johann Friedrich Tischbein, um 1800

August Wilhelm von Schlegel symbolisiert als Namenspatron der Professur den poetologischen Anspruch des Übersetzens: In seinem Schaffen verbinden sich philologische Forschung, eigene Dichtung und literarische Übersetzung miteinander. Nicht zuletzt seine Übersetzungen aus dem Altindischen (Bhagavad-Gita), dem Italienischen (Dante), dem Spanischen (Calderón, Cervantes) und dem Englischen (Shakespeare) machen ihn zu einer Schlüsselfigur der Literaturtheorie als Translationstheorie.

Deutscher Übersetzerfonds

Der Deutsche Übersetzerfonds fördert die Literaturübersetzung auf vielfältige Weise, vor allem durch die Vergabe von jährlich rund 200 Stipendien für Übersetzer, die an konkreten Übersetzungsprojekten arbeiten.

Der Übersetzerfonds selbst wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kulturstiftung der Länder und das Auswärtige Amt mit finanziellen Mitteln ausgestattet.

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