Thüringen: Landesprogramm Dolmetschen laut Minister „echtes Erfolgsmodell“

Dirk Adams
Dirk Adams ist seit März 2020 Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz in Thüringen. - Bild: Jacob Schröter / TMMJV

In Thüringen hat das Landesprogramm Dolmetschen im Juni 2020 einen neuen Höchststand bei den Abrufen erzielt. „Das Programm wird rege genutzt und erweist sich als echtes Erfolgsmodell“, sagt Migrationsminister Dirk Adams (Grüne).

Allein im Juni 2020 wurde im Rahmen des Landesprogramms 772 Mal ein Ferndolmetscher angefordert, davon 487 Mal per Videoverbindung und 285 Mal per Audio. Im Vormonat Mai war das von der SAVD Videodolmetschen GmbH betriebene System 564 Mal für Dolmetscherdienstleistungen genutzt worden. Insgesamt konnten seit dem Start des Programms im Mai 2019 bereits 5.952 Dolmetscheinsätze abgewickelt worden.

Die Corona-Pandemie hatte die steigende Nachfrage kurzfristig etwas gebremst, da viele Institutionen im Frühjahr 2020 nur eingeschränkt arbeiten konnten.

Flächendeckendes Videodolmetschen durch SAVD seit Mai 2019

Als bislang erstes Bundesland bietet der Freistaat Thüringen die Dienste der SAVD flächendeckend an. Das Unternehmen, das zahlreiche Referenzkunden vorweisen kann, verfügt über eine enorme Erfahrung im Ferndolmetschen und hatte im April 2019 nach einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten.

Kommunen werden finanziell entlastet und von Bürokratie befreit

Genutzt wird das Programm unter anderem von Behörden, Vereinen, Ärzten, Krankenhäusern, Beratungsstellen und Justizvollzugsanstalten. Für diese ist die Anforderung eines Dolmetschers stets nur einen Tastendruck entfernt. Die Kosten trägt das Land, das der SAVD einen Pauschalbetrag pro Jahr zahlt.

Dadurch entfällt für die Bedarfsträger in den Kommunen der gesamte sonst übliche bürokratische Aufwand, Dolmetscheinsätze begründen, beantragen, organisieren und abrechnen zu müssen.

60 Sprachen – Arabisch, Farsi und Bulgarisch am stärksten nachgefragt

Von den rund 60 verfügbaren Sprachen waren im Juni 2020 vor allem Arabisch (257 Abrufe), Farsi (119) und Bulgarisch (58) gefragt.

Schnellere Kommunikation rund um die Uhr, weniger Missverständnisse

„Verständigung ist Grundbedingung für gesellschaftliche Teilhabe. Oft benötigen Menschen, die zu uns gekommen sind, Unterstützung bei alltäglichen Gelegenheiten. Das Audio- und Videodolmetschen ist hier ein modernes und effektives Hilfsmittel, das auch im ländlichen Raum unkompliziert, für die Nutzer kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung steht“, so Adams.

Der Minister weiter: „Von seinem Einsatz profitieren nicht nur Migrantinnen und Migranten, sondern auch unsere Behörden und Institutionen. Die Kommunikation ist schneller, Missverständnisse lassen sich vermeiden, Lösungen besser erarbeiten.“

Budget von 1 Mio. Euro für 2020 – Ausschreibung für Folgejahr läuft

In diesem Jahr stehen für das Landesprogramm eine Million Euro zur Verfügung. Derzeit läuft die Ausschreibung für die Fortsetzung des Programmes ab November dieses Jahres.

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rs, TMMJV