Translationshistorische Studien: Literatur-Übersetzer und -Übersetzen in der DDR

Briefmarke "Lesender junger Arbeiter"
Die DDR galt als Leseland. - Bild: DDR-Briefmarke zum internationalen Jahr des Buches 1972

Im Berliner Wissenschaftsverlag Frank & Timme ist ein neuer Band in der Reihe Transkulturalität – Translation – Transfer erschienen, der sich mit dem Literaturübersetzen in der DDR beschäftigt.

Übersetzer und Übersetzen in der DDRWarum engagierte ein DDR-Verlag einen Übersetzer aus Westberlin? Welchen Einfluss hatte die außenpolitische Großwetterlage auf das Übersetzen aus dem Chinesischen? Warum versuchte ein Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, die sowjetische Zensur zu umgehen? Aus welchen Sprachen wurde übersetzt? Wie viel verdiente ein freiberuflich tätiger Literaturübersetzer? Und wie haben Übersetzer, Nachdichter, Herausgeber, Lektoren, Gutachter, Verlagsleiter sowie die Zensoren der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel an der „Politik der Translation“ mitgewirkt?

Diese und ähnliche Fragen beantworten die Autorinnen und Autoren dieses Bandes. Die Erforschung des Übersetzens im „Leseland“ DDR steht freilich noch am Anfang. Ziel des Bandes ist daher nicht Vollständigkeit oder Systematisierung des translationshistorischen Wissens über die DDR, sondern das exemplarische Erkunden ihrer übersetzerischen Vielfalt.

Die Herausgeber Julija Boguna und Aleksey Tashinskiy lehren und forschen am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim. Zusammen mit Andreas F. Kelletat (bis Februar 2020 Professor für Interkulturelle Germanistik in Germersheim) gestalten sie das Germersheimer Übersetzerlexikon (uelex.de).

Inhaltsverzeichnis

  • Julija Boguna, Aleksey Tashinskiy: Grenzüberschreibungen im Übersetzungsland DDR – Vorbemerkung
  • Aleksey Tashinskiy: Eine Verflechtungsgeschichte zwischen Ideologie und Idiosynkrasie: Gesammelte Werke in Einzelausgaben von Lev Tolstoj im DDR-Verlag Rütten & Loening 1952-1962
  • Eveline Passet: Ralf Schröders kulturpolitisches „Wettsujet“ oder Vom grenzüberschreitenden Zusammenspiel beim Versuch, sowjetische Zensureingriffe in Übersetzungen rückgängig zu machen
  • Babette Bernhardt: Chinesische Literatur in der DDR: Veröffentlichungspraxis und literarischer Transfer am Beispiel der Übersetzungen von Mao Dun (1896-1981)
  • Luo Yang: Chinesische Literatur im Verlag Volk und Welt 1980-1990 – Was verraten die Gutachten?
  • Michael Lörch: Die Zeitschrift für Anglistik und Amerikanistik (ZAA) als Beispiel für das Zusammenwirken von universitärer Amerikanistik und Verlagswesen in der DDR
  • Benedikt Jager: Vom Pfarrhaus ins Verlagshaus – Das translatorische Œuvre des Alfred Otto Schwede (1915-1987)
  • Heidi Rotroff: Interview mit der Übersetzerin Elga Abramowitz
  • Andrea Schellinger: Am falschen Ort – Der Übersetzer und Schriftsteller Thomas Nicolaou
  • Nahla Tawfik: Horst Lothar Teweleits Beitrag zur Übertragung arabischer Literatur in der DDR
  • Erika Worbs: Das Schicksal der Bücher – Hubert Schumann (1941–2013) und seine Übersetzungen aus dem Polnischen
  • Andreas F. Kelletat: „Translatorische Unzulänglichkeit“? Der Nachdichter und Übersetzer Richard Pietraß im Lyrikleseland DDR
  • Register: Personen, Verlage, Institutionen

Bibliografische Angaben

  • Aleksey Tashinskiy, Julija Boguna, Andreas F. Kelletat (Hg., 2020): Übersetzer und Übersetzen in der DDR. Translationshistorische Studien. Berlin: Frank & Timme. 292 Seiten, 39,80 Euro, ISBN 978-3-7329-0698-7.

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