Sieben Übersetzer für einen Obama: Autobiografie erscheint in 25 Sprachen gleichzeitig

Barack Obama
Barack Obama - Bild: Penguin

In seiner politischen Wirkung wird Barack Obama immer noch und gerade im Ausland maßlos überschätzt. Seine herausragenden Qualitäten als Redner und Schreiber stehen aber außer Frage. Der Mann versteht es, Argumentationsketten aufzubauen, geschliffen zu formulieren und ein Publikum für sich zu gewinnen. Ein ähnlich guter Kommunikator war in den letzten 50 Jahren allenfalls noch – aber auf andere Art – Ronald Reagan.

Mit Spannung war deshalb der erste Band seiner Memoiren erwartet worden, den der ehemalige US-Präsident jetzt unter dem Titel A Promised Land (Ein verheißenes Land) vorgelegt hat. Der 1024 Seiten starke Wälzer erscheint aus Marketinggründen weltweit gleichzeitig in 25 Sprachen – und zwar am 17. November 2020.

Übersetzung wieder einmal Teamarbeit

Die Übersetzung ins Deutsche wurde von einem siebenköpfigen Übersetzerkollektiv vorgenommen, das aus Sylvia Bieker, Harriet Fricke, Stephan Gebauer, Stephan Kleiner, Elke Link, Thorsten Schmidt und Henriette Zeltner-Shane bestand.

Bei geplanten Bestsellern ist es inzwischen üblich, den Text auf mehrere Sprachmittler zu verteilen. Durchaus vertretbar und der Idealfall der Teamarbeit ist ein eingespieltes Duo, das sich seit Jahren kennt und die Texte des anderen gegenlesen kann. Bei drei Leuten funktioniert das schon nicht mehr ohne eine übergeordnete Regie. Die auf Obama angesetzte Zahl von sieben Literaturübersetzern ist ungewöhnlich hoch. Den bisherigen Rekord hält aber mit 14 Übersetzern das Anti-Trump-Buch Rage (Wut) von Bob Woodward.

Größter Memoiren-Vorschuss aller Zeiten

Für die Zusage, ihre Memoiren bei Penguin Random House zu veröffentlichen, sollen die Obamas 2017 von der Verlagsgruppe mehr als sechzig Millionen US-Dollar erhalten haben. Damit setzten sie vollkommen neue Maßstäbe. Ihre Vorgänger Bill Clinton und George W. Bush konnten für ihre Erinnerungen lediglich 15 bzw. 10 Millionen US-Dollar aushandeln.

Michelle Obama hat ihren Teil der Abmachung bereits 2018 erfüllt. Mit Becoming – Meine Geschichte hat sie auf 544 Seiten eine Biografie abgeliefert, die inhaltlich überzeugen und die kommerziellen Erwartungen mehr als erfüllen konnte.

Auch bei ihr wurden für die deutsche Übersetzung bereits sechs Übersetzer eingespannt (Harriet Fricke, Tanja Handels, Elke Link, Andrea O’Brien, Jan Schönherr, Henriette Zeltner-Shane).

Barack Obama ist ein erfahrener Autor, der schon vor seiner Präsidentschaft zwei Bücher veröffentlicht hat, die sich im Lauf der Jahre millionenfach verkauft haben: Dreams from My Father (2004) und The Audacity of Hope (2007).

Obama-Buch

Warum ist die Übersetzung fast doppelt so teuer wie das Original?

Für die deutsche Buchausgabe verlangt der Penguin Verlag den stolzen Preis von 42,00 Euro (Österreich 43,20 Euro, Schweiz 55,50 Franken). Das Hörbuch auf CD ist genauso teuer. Etwas günstiger sind das E-Book und das Hörbuch als Download mit jeweils 32,99 Euro.

Kurios: Das 751 Seiten umfassende englischsprachige Original ist – ebenfalls gebunden – bei Amazon Deutschland bereits für 24,99 Euro zu haben.

Englisch plus 24 Übersetzungen von Arabisch bis Vietnamesisch

Die englischsprachige Ausgabe wird in den USA und Kanada bei Crown / Penguin Random House und in Großbritannien und dem Commonwealth bei Viking, einem Verlag von Penguin General Books bei Penguin Random House UK, erscheinen. In der Übersetzung wird das Buch in 24 weiteren Sprachen veröffentlicht:

  • Spanisch (Debate/Penguin Random House Grupo Editorial)
  • Brasilianisches Portugiesisch (Companhia das Letras)
  • Europäisches Portugiesisch (Objectiva/Penguin Random House Grupo Editorial)
  • Französisch (Editions Fayard)
  • Albanisch (Dudaj Publishing)
  • Arabisch (Hachette Antoine/Naufal)
  • Bulgarisch (SofPress)
  • Chinesisch (Business Weekly Group)
  • Dänisch (Lindhardt og Ringhof)
  • Finnisch (Otava Publishing Company)
  • Griechisch (Athens Bookstore Publications)
  • Hebräisch (Yedioth Books)
  • Niederlänndisch (Hollands Diep)
  • Italienisch (Garzanti)
  • Japanisch (Shueisha)
  • Koreanisch (Woongjin Think Big Co., Ltd.)
  • Litauisch (Alma Littera)
  • Norwegisch (Cappelen Damm)
  • Polnisch (Agora Publishing House)
  • Rumänisch (Editura Litera)
  • Schwedisch (Albert Bonniers Förlag)
  • Tschechisch (Argo)
  • Ungarisch (HVG Publishing Co.)
  • Vietnamesisch (First News – Tri Viet Publishing Co., Ltd.)

Obama: „Spaltungen in unserem Land überwinden“

Barack Obama selbst sagt zum jetzt vorliegenden ersten Band seiner Memoiren laut Verlag:

Es ist ein einzigartiges Gefühl, ein Buch fertigzustellen, und auf dieses Buch bin ich stolz. Ich habe die vergangenen Jahre damit verbracht, auf meine Präsidentschaft zurückzublicken, und in Ein verheißenes Land habe ich versucht, ehrlich über meinen Präsidentschaftswahlkampf und meine Zeit im Amt zu berichten: die entscheidenden Ereignisse und die Menschen, die sie gestaltet haben; meine Sicht darauf, was mir gelungen ist und welche Fehler ich begangen habe; und die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte, denen meine Mitarbeiter und ich uns zu jener Zeit stellen mussten – und mit denen wir als Nation noch immer zu kämpfen haben.

Ich habe auch versucht, den Lesern in diesem Buch ein Gefühl für die persönliche Reise zu geben, die Michelle und ich in jenen Jahren zurückgelegt haben, mit all ihren unglaublichen Höhen und Tiefen.

Und schließlich liefert das Buch in einer Zeit, in der Amerika solche enormen Unruhen erlebt, einige meiner Gedanken dazu, was wir unternehmen könnten, um die Spaltungen in unserem Land zu überwinden und dafür zu sorgen, dass unsere Demokratie für alle funktioniert – eine Aufgabe, die nicht von einem einzelnen Präsidenten abhängen wird, sondern von uns allen als engagierten Bürgern.

Ich hoffe, dass das Buch nicht nur eine unterhaltsame und aufschlussreiche Lektüre bietet, sondern vor allem auch junge Menschen im ganzen Land – und auf der ganzen Welt – dazu inspiriert, die Dinge in die Hand zu nehmen, ihre Stimmen zu erheben und das ihre dazu beizutragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Und wir hoffen, dass das Buch selbst besser übersetzt wurde als dieser O-Ton mit seinen elend langen Sätzen und wörtlich übertragenen Wendungen wie „die Welt zu einem besseren Ort machen“.

Band zwei muss noch geschrieben werden

Ein Veröffentlichungsdatum für den zweiten Band, mit dem die Präsidentschafts-Memoiren abgeschlossen werden sollen, steht noch nicht fest.

Mehr zum Thema

Richard Schneider