Fachakademie Weiden, SDI München: Absolventen der Berufsschule sind jetzt Bachelor Professional

Bachelor Professional
Bild: UEPO

Wer ab dem Jahr 2021 an der Staatlichen Fachakademie für Übersetzer und Dolmetscher am Staatlichen Berufsschulzentrum Weiden in der Oberpfalz die Ausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer absolviert, darf sich Bachelor Professional in Übersetzen und Dolmetschen nennen.

„Die Einführung der neuen Bezeichnung soll helfen, dass die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung in den Köpfen der Menschen ankommt“, erklärt Josef Weilhammer, Leiter des Berufsschulzentrums, gegenüber dem Oberpfälzischen Kurier.

Tatsächlich entspricht die Dauer der vollzeitschulischen Ausbildung mit drei Jahren der eines Bachelor-Studiums. Nach einem Jahr sind die Teilnehmer staatlich geprüfter Fremdsprachenkorrespondent, nach zwei Jahren staatlich geprüfter Euro-Korrespondent und nach dem dritten staatlich geprüfter Übersetzer.

Die Ausbildung an der Weidener Fachakademie wird pro Jahr von 15 bis 20 Schülerinnen und Schülern erfolgreich abgeschlossen.

Zusatz Bachelor Professional kein akademischer Grad

Ähnliche Neuigkeiten sind aus München zu hören. Das Sprachen- und Dolmetscher-Institut (SDI) verkündet auf seiner Website:

Absolventinnen und Absolventen der Fachakademie für Übersetzen & Dolmetschen erhalten ab dem Jahr 2021 den erweiterten Titel Staatlich geprüfte/r Übersetzer/in und Dolmetscher/in (Bachelor Professional in Übersetzen & Dolmetschen). Damit orientiert sich die Fachakademie an den Vorgaben der Fachakademieordnung (FakO).

Der Zusatz Bachelor Professional soll die berufliche Bildung gegenüber einer akademischen Laufbahn aufwerten. Auch soll der neue Titel zu einer einfacheren Anerkennung des FAK-Abschlusses auf internationaler Ebene beitragen.

Dennoch gilt es zu beachten, dass es sich bei dem Titel Bachelor Professional um keinen akademischen Grad handelt. Er befähigt etwa nicht zum anschließenden Beginn eines Master-Studiums. Dazu ist weiterhin ein wissenschaftlicher Bachelor-Abschluss Voraussetzung, z. B. der Bachelor of Arts in Übersetzen, den Absolventen der Staatlichen Prüfung an unserer Internationalen Hochschule in 1 bis 2 Semestern erwerben können.

DQR-Niveaus
EQR und DQR gliedern sich in 8 Niveaus. Die Ausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer ist der Stufe 6 zugeordnet. – Bild: IHK (vergrößern mit Rechtsklick und ‘Grafik anzeigen’)

Grundlage sind Europäischer und Deutscher Qualifikationsrahmen

Die neuen Bezeichnungen basieren auf dem von der Europäischen Union 2008 entwickelten Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) (European Qualifications Framework, EQF). Dieser soll berufliche und akademische Qualifikationen und Kompetenzen länderübergreifend besser vergleichbar machen. Der EQR definiert acht Bildungsniveaus von 1 bis 8, die das gesamte Spektrum von der Lehre bis zur Promotion abdecken.

Die Stufen 6, 7 und 8 entsprechen den im Verlauf des Bologna-Prozesses geschaffenen Hochschulabschlüssen Bachelor und Master sowie der Promotion. Sie können jedoch – wie in diesem Fall – auch für anspruchsvolle berufsschulische Qualifikationen stehen.

Die Kultusministerkonferenz und die zuständigen Bundesministerien haben 2013 einen auf Basis des EQR entwickelten nationalen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) verabschiedet. Erworbene Qualifikationen werden seitdem einem DQR-Niveau zugeordnet, das auf den Qualifikationsbescheinigungen zusätzlich zu den traditionellen Abschlussbezeichnungen angegeben wird.

Gleichwertig, aber nicht gleichartig

Die acht Stufen sollen die Gleichwertigkeit der Abschlüsse herausheben, postulieren aber keine Gleichartigkeit. Der Meisterbrief im Handwerk steht in diesem Referenzrahmen zum Beispiel auf derselben Stufe (DQR-Niveau 6) wie ein universitärer Bachelor-Abschluss. Niemand wird aber behaupten, diese Abschlüsse seien gleichartig oder austauschbar. Die Qualifikationen sind vielmehr völlig andersartig, ja geradezu gegensätzlich gestaltet. Sie erfordern aber einen vergleichbar hohen Ehrgeiz und zeitlichen Lernaufwand.

Unverständnis bei Übersetzern mit akademischem Bachelor-Titel

Diese Neuregelung ist keine bloße Titelkosmetik, sondern Ergebnis einer bereits seit zwölf Jahren im Hintergrund ablaufenden europäischen Entwicklung zur Harmonisierung und besseren Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse. Jetzt hat dieser Prozess auch die Übersetzungsbranche erreicht.

Die Nachrichten aus Bayern dürften bei vielen Übersetzern und Dolmetschern mit einem an einer Hochschule erworbenen Bachelor-Abschluss auf Unverständnis stoßen und für Unmut sorgen.

Denn die Aufwertung der beruflichen Sprachmittlerausbildung bedeutet gleichzeitig eine Abwertung der Studiengänge an den Fachhochschulen und Universitäten. Womöglich werden einige der Letztgenannten jetzt versuchen, sich mit dem Zusatz „(Univ.)“ hinter ihrem B.A. von den Kolleginnen und Kollegen mit einem „Bachelor Professional“ abzugrenzen.

Richard Schneider