Die Füchsin auf dem Hasenbergl: München ehrt Comic-Übersetzerin mit Erika-Fuchs-Weg

Erika-Fuchs-Weg
Ein Erika-Fuchs-Haus als „Museum für Comic und Sprachkunst“ gibt es bereits. Jetzt kommt in der Reihe der Ehrungen noch ein Erika-Fuchs-Weg hinzu. - Bild: UEPO.de/Disney

Großartige Nachrichten für alle Donaldisten und Freunde der gehobenen Comic-Übersetzung: Demnächst wird es im Norden der bayerischen Landeshauptstadt einen Erika-Fuchs-Weg geben. Das hat der Kommunalausschuss des Münchner Stadtrats am 4. Februar 2021 beschlossen. Der Weg liegt im Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl.

Bildungssprachlich veredelte Übersetzungen

Erika Fuchs
Dr. Erika Fuchs

Die Stadt ehrt damit die 2005 verstorbene Übersetzerin Dr. Erika Fuchs, die von 1951 bis 1988 als Chefredakteurin der zweiwöchentlich erscheinenden Zeitschrift Micky Maus Generationen von Comic-Lesern mit ihren Übersetzungen begeisterte.

Regelmäßig flocht sie darin abgewandelte Zitate von Klassikern wie Schiller ein. Nicht ohne Grund erklärte sie: „Man kann gar nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen.“

Mutter des Inflektivs

Fuchs gilt auch als Meisterin des Inflektivs (seufz, grübel, schepper usw.). Diese auf den Wortstamm verkürzte, nicht flektierbare Verbform wird ihr zu Ehren scherzhaft auch Erikativ genannt. Eine derartige Verkürzung des Infinitivs findet sich vereinzelt bereits bei Wilhelm Busch (1832-1908):

Aber Moritz aus der Tasche
Zieht die Flintenpulverflasche,
Und geschwinde – stopf, stopf, stopf
Pulver in den Pfeifenkopf.

Aber erst durch die Fuchsschen Übersetzungen, die von Inflektiven nur wo wimmeln, ging diese Ausdrucksweise in die Umgangssprache ein – über Generationen von Micky Maus lesenden Schülern.

„Ihre Wortschöpfungen verhalfen Comics zu großer Popularität“

In der Beschlussvorlage wurde den Kommunalpolitikern die Vita der Disney-Übersetzerin wie folgt präsentiert, wie uns Maren Kowitz, Pressesprecherin der Landeshauptstadt München, mitteilt:

Erika Fuchs, geb. am 07.12 1906 in Rostock, gest. am 22.04.2005 in München, Übersetzerin, Kunstgeschichtsstudium in München und London, 1931 Promotion, 1951 Chefredakteurin der deutschen Ausgabe der Comiczeitschrift Micky Maus. Gedankliche Emotionen oder Lautmalerei brachte Erika Fuchs in ihren Comicübersetzungen durch den Inflektiv zum Ausdruck (stöhn, bibber, zitter, etc.). Ihre Wortschöpfungen verhalfen nicht nur Comics zu großer Popularität, sondern beeinflussten auch in erheblichem Maße die Umgangssprache.

Gestorben in München, beerdigt in Schwarzenbach an der Saale

Johanna Theodolinde Erika Fuchs, geborene Petri, starb 2005 im Alter von 98 Jahren in München. Beerdigt ist sie in Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof (Bayern), wo sie mit ihrem Mann seit 1933 lebte.

Von dort aus arbeitete sie 37 Jahre lang im Homeoffice für die damals in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart im Ehapa-Verlag erscheinende Jugendzeitschrift.

Erika-Fuchs-Weg
Genau hier, direkt neben diesem Bolzplatz, wird der Erika-Fuchs-Weg Richtung Horizont Neuland erschließen. – Bild: Google

Name wurde aus einer Vorschlagsliste ausgewählt

Auf Anfrage von UEPO.de erklärt die Münchner Stadträtin Micky Wenngatz, stellvertretende Vorsitzende der SPD München, dass der Name „Erika Fuchs“ aus einer Prioritätenliste des Stadtrates ausgewählt worden sei. Wer den Namen der gefeierten Literaturübersetzerin auf diese Liste gesetzt hat, ist (noch) nicht bekannt.

Micky Wenngatz beteuert, dass ihre Eltern sie nicht nach der gleichnamigen Disney-Figur benannt haben. Für alle künftigen Selfie-Touristen zitiert sie die detaillierte Lagebeschreibung des Erika-Fuchs-Wegs aus dem Beschluss des Kommunalausschusses:

Es wird in dem neuen Bebauungsgebiet im 24. Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl zwischen Hochmuttiger Straße, Herbergstraße und Paul-Preuß-Straße einen (U-1785) Erika-Fuchs-Weg geben. Der Fuß- und Radweg führt von der Herbergstraße, gegenüber der Einmündung der Georg-Winkler-Straße, in nordöstliche Richtung zum neuen Max-Kustermann-Platz.

Offenbar handelt es sich also um eine vorrangig für Fußgänger und Radfahrer ausgewiesene ruhige Seitenstraße.

Erika-Fuchs-Weg
Entlang der roten Markierung wird der Erika-Fuchs-Weg entstehen. – Bild: Google/UEPO

Es wird noch dauern, bis ein Straßenschild zu sehen ist

Da der Weg in einem Neubaugebiet liegt, kann es einige Zeit dauern, bis ein entsprechendes Straßenschild aufgestellt wird. Im Moment ist das Areal noch eine landwirtschaftlich genutzte Freifläche, auf der Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen.

In München gibt es rund 6.200 Straßen, davon ist ungefähr die Hälfte nach Personen benannt.

Erika-Fuchs-Weg
Zwar nur Randlage, aber immerhin Landeshauptstadt: Der Erika-Fuchs-Weg liegt im nördlichsten Münchner Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl. – Bild: Google

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Richard Schneider