VGSD zeigt sich besorgt: Zahl der Selbstständigen dürfte bis Ende 2021 um 300.000 zurückgehen

Andreas Lutz
Der promovierte Diplom-Kaufmann Andreas Lutz hat 2012 den VGSD gegründet und ist seitdem dessen Vorstandsvorsitzender. - Bild: Thomas Dreier

Der Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD) ist besorgt über den Verlust zahlloser kleiner und großer Unternehmen in Deutschland: Bereits 2020 hat die Zahl der Selbstständigen unter dem Strich um 154.000 abgenommen, bis Jahresende soll sie um weitere 150.000 auf 3,85 Millionen zurückgehen – und damit auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren sinken. Das prognostiziert das zur Bundesagentur für Arbeit gehörige Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einem aktuellen Kurzbericht:

Rund 9 Prozent der Erwerbstätigen oder 4,00 Millionen Personen waren im Jahr 2020 Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige. Ihre Zahl ist seit neun Jahren rückläufig. Die Covid-19-Pandemie stellte diese Gruppe vor neue Schwierigkeiten, die die Politik mit Gegenmaßnahmen, zum Beispiel der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht oder Liquiditätshilfen, einzudämmen versucht. Dennoch scheint die Selbstständigkeit zunehmend an Attraktivität einzubüßen. Für dieses Jahr erwarten wir im Schnitt einen Rückgang um 150.000 auf 3,85 Millionen Selbstständige, was dem tiefsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre entspricht.

Tiefster Stand seit 25 Jahren

„Die Entwicklung ist dramatisch“, sagt VGSD-Vorstand Andreas Lutz. „Dabei braucht Deutschland dringend Gründer und Selbstständige, um nicht weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und den erheblichen Rückstand bei der Digitalisierung aufzuholen, der unser Land bremst.“

Insgesamt ist die Zahl der Selbstständigen seit 2014, also während der Regierungszeit der großen Koalition, sogar um 600.000 zurückgegangen. Die Corona-Krise und die lange Zeit an der Lebensrealität vorbei ausgestalteten und zu spät gezahlten Hilfsmaßnahmen beschleunigten eine Entwicklung, die schon zuvor begann. Die Regierung habe lange Zeit ein Zerrbild von Selbstständigen und ihrer sozialen Absicherung gezeichnet ohne tatsächlich bestehende Probleme gezielt zu lösen.

„Wir brauchen eine Politik, die unsere Lebenswirklichkeit versteht und unseren Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft wertschätzt, statt unseren Fleiß und unsere Eigeninitiative mit immer mehr Bürokratie zu ersticken“, sagt Lutz. Konkret benötigten die Selbstständigen Rechts- und Planungssicherheit in Hinblick auf ihren Status als Selbstständige sowie ihre Altersvorsorge sowie fair berechnete Sozialversicherungsbeiträge.

Verband fordert Umdenken und Politikwechsel

„Wenn hier nicht endlich ein Umdenken und ein Politikwechsel stattfindet, wird die Zahl der Unternehmen weiter zurückgehen und die Dynamik und Vielfalt in Deutschland weiter abnehmen – zu unser aller Schaden“, so Lutz.

2014 gab es noch 4,46 Millionen Selbstständige in Deutschland. Der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen wird bis Ende des Jahres von damals 10,4 auf 8,6 Prozent zurückgegangen sein, ihr Anteil an den in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden von 14,7 auf 11,5 Prozent.

Über den VGSD

Der Verband der Gründer und Selbstständigen e.V. (VGSD) vertritt die Interessen von Solo- und Kleinstunternehmern, Gründern sowie Teilzeit-Selbstständigen. Der 2012 gegründete Verband zählt aktuell rund 6.250 Vereins- und 15.500 Communitymitglieder.

Im Rahmen der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) kooperieren auch einige Übersetzerverbände wie der BDÜ und ATICOM mit dem VGSD, um die Interessen der Soloselbstständigen und freiberuflich tätigen Übersetzer und Dolmetscher auf der politischen Ebene zu vertreten.

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