So wurden in China Dolmetscher bestraft, die absichtlich falsch übersetzten

Bestrafung Dolmetscher
Wer absichtlich falsch dolmetschte, wurde im alten China durch Zufügung körperlicher Schmerzen auf die Kniekehlen bestraft.

Im chinesischen Kaiserreich gab es offenbar eine spezielle Strafe für Sprachmittler, die absichtlich falsch aus einer Sprache in die andere übertrugen, entweder aus Eigennutz oder weil man sie bestochen hatte.

In dem 1801 in London erschienenen Buch The Punishments of China wird deren Vollstreckung bildlich dargestellt und auf Englisch und Französisch beschrieben:

PUNISHING AN INTERPRETER.

A LARGE piece of bamboo cane is placed behind his knees; this is trampled upon by two men, one standing on each end, and who convey more or less pain, as they approach to, or recede from, his person. A punishment, decreed against interpreters, detected of wilful misinterpretation.

PUNITION D’UN INTERPRÈTE.

ON place derrière les genoux du coupable, une grande morceau de bambou, qui est foulé aux pieds par deux hommes, placés debout aux deux extrémités, et qui lui causent plus ou moins de douleur, selon qu’ils approchent, ou s’éloignent, de sa personne. Cette punition a lieu pour les interprètes, convaincus de mauvaise interprétation, faite de propos délibéré.

Es handelte sich also nicht – wie heute üblich – um eine Geld- oder Freiheitsstrafe, sondern um eine klassische Körperstrafe. Die Züchtigung sollte vorübergehend Schmerzen zufügen. Dabei nahm man aber billigend in Kauf, dass auch ein bleibender körperlicher Schaden entstehen konnte, etwa wenn die Kniescheiben zu Bruch gingen, weil die Vollstrecker zu heftig auf dem Bambusstab herumhüpften.

Der Ausdruck interpreter umfasst hier mit ziemlicher Sicherheit sowohl die mündliche als auch die schriftliche Form der Übertragung. Die strenge begriffliche Unterscheidung zwischen dem Dolmetschen (mündlich) und Übersetzen (schriftlich) ist ein Phänomen der Gegenwart.

In dem Werk werden auf 22 Bildtafeln typische Strafen der Zeit um 1800 darstellt und erläutert: von der Prügelstrafe durch Schläge mit dem Stock über Kuriositäten wie das schmerzhafte Verdrehen der Ohren und verschiedene Formen des Prangers bis hin zum Tod durch Strangulation oder Enthauptung.

Richter
Ein Beschuldigter wird vor den Richter geführt.

Bibliografische Angaben

  • George Henry Mason (1801): The Punishments of China. London: W. Miller.
    54 Seiten mit 22 Abbildungen. Ein Exemplar aus der New York Public Library wurde von Google Books eingescannt und der Öffentlichtkeit zugänglich gemacht.

Richard Schneider
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