Mit Übersetzungen ein Zeichen setzen: migo Verlag stellt LGBTIQ-Kinderbuch auf Ungarisch ins Netz

Was ist eigentlich dieses LGBTIQ?
Bild: migo Verlag

Auch Übersetzungen können ein gesellschaftspolitisches Statement sein. So hat der migo Verlag „aus gegebenem Anlass“, wie es auf der Website des Verlags heißt, mehrere Kapitel seines Buches Was ist eigentlich dieses LGBTIQ*? Dein Begleiter in die Welt von Gender und Diversität ins Ungarische übersetzen lassen.

Die Übersetzung wird unter dem Titel Mi is az LGBTIQ*? als 20-seitige PDF-Datei kostenfrei zum Herunterladen angeboten. Offenbar hofft man, dass der Text bei ungarischen Aktivisten, Lehrern und Eltern weite Verbreitung findet.

Das Buch will „Kinder und Jugendliche spielerisch und humorvoll auf Augenhöhe bei ihrer Erkundung der unbekannten Welt von Gender und Diversität“ begleiten.

Thilo Schmid ist Geschäftsführer der Verlagsgruppe Oetinger, zu der auch der migo Verlag gehört. Er erklärt zu der Aktion:

Die Diskriminierung von Minderheiten in einem europäischen Land kann uns nicht gleichgültig sein und wir wollen ein politisches Zeichen setzen. Mit diesem Gesetz wird eine Grenze überschritten.

Jetzt überschreiten wir mit digitalen Möglichkeiten und unseren Inhalten Staatsgrenzen und hoffentlich auch die Grenzen in den Köpfen.

Mi is az LGBTIQ?
Die Titelseite und eine Beispielseite der Übersetzung. – Bild: migo

Ungarns Kampf gegen Frühsexualisierung und „Homo-Propaganda“

Genau dieser Art von Literatur hat die ungarische Regierung den Kampf angesagt. Ein Anfang Juli verabschiedetes Gesetz sieht vor, dass Medien wie etwa Bücher und Filme mit dem Hinweis „Verboten für unter 18-Jährige“ versehen werden müssen und diesen nicht zugänglich gemacht werden dürfen, wenn darin eine Sexualität dargestellt wird, die von der heterosexuellen abweicht.

Die Neuregelung wird auch in Ungarn von Aktivisten heftig kritisiert. Offenbar trägt die Bevölkerungsmehrheit diese Maßnahme aber mit und befürwortet sie. Auch die Gesetzesinitiatoren betonen, dass dadurch niemand diskriminiert werde. Die Maßnahmen dienten lediglich dem Schutz von Kindern vor einer Frühsexualisierung und Beeinflussung in einem Alter, in dem diese dafür noch nicht reif seien.

Die Regierung ist sich einer breiten Zustimmung so sicher, dass sie angekündigt hat, zu dem Thema ein Referendum durchführen lassen zu wollen. Laut Regierungschef Viktor Orbán soll dieses fünf Fragen umfassen: (1) Ob die Ungarn dafür seien, dass Minderjährige ohne Zustimmung der Eltern sexuell aufgeklärt werden. (2) Ob bei Kindern für Geschlechtsumwandlungen geworben werden dürfe. (3) Ob bei Kindern Geschlechtsumwandlungen durchgeführt werden dürfen. (4) Ob Kindern Medienberichte zugänglich sein sollen, die ihre sexuelle Entwicklung beeinflussen können. (5) Ob Medienberichte über Geschlechtsumwandlungen Kindern zugänglich sein sollen.

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Richard Schneider

 

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