Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis 2021 geht an Andreas Jandl

Andreas Jandl
Andreas Jandl - Bild: privat

Der Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (Stiftung ME Saar), der Stadt Sulzbach und des Saarländischen Rundfunks (SR) geht 2021 geht an Andreas Jandl. Er darf sich über ein Preisgeld von 10.000 Euro freuen. Die Verleihung ist für den 7. September 2021 um 19:00 Uhr im Studio Eins des SR geplant.

„Jandls großes übersetzerisches Repertoire hat den Ausschlag gegeben“

SR-Literaturredakteurin und Jury-Mitglied Tilla Fuchs über die ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung für Jandl:

Andreas Jandl überträgt frankophone Literatur aus unterschiedlichsten literarischen Universen ins Deutsche und offenbart damit die Vielfalt seiner Übersetzerkunst: Romane wie Nachts ist unser Blut schwarz des internationalen Bookerpreisträgers 2021, David Diop, der vom Schicksal senegalesischer Soldaten im Ersten Weltkrieg erzählt und sich einer märchenartigen Sprache bedient oder die verspielt-raffinierten Texte des Kanadiers Nicolas Dickner, dessen Werke Jandl seit Jahren übersetzt.

Seine Übertragungen zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus sowie durch sprachliche Genauigkeit einerseits und einen freien Umgang mit der Sprache andererseits aus. Über seine Tätigkeit als Übersetzer hinaus engagiert sich Andreas Jandl für die Verbreitung der Québecer Literatur im deutschen Sprachraum. Bei uns unbekannte kanadische Autoren waren es, die in ihm vor über zwanzig Jahren den Wunsch weckten, Übersetzer zu werden.

Frankophil mit besonderer Leidenschaft für Québec

Andreas Jandl, geboren 1975 in Esslingen, studierte Anglistik, Romanistik und Theaterwissenschaften in Berlin, London und Montréal. Seit 2000 arbeitet er als Redaktionsassistent, Dramaturg und Übersetzer aus dem Englischen und Französischen.

Jandl überträgt Romane und Theaterstücke u. a. von David Diop, Nicolas Dickner, Michael Mackenzie, Gaétan Soucy oder Elisa Shua Dusapin. Mit Den Sankt-Lorenz entlang bis ans Ende der Welt hat er seiner Kanada-Leidenschaft ein eigenes Buch gewidmet.

SR-Intendant Martin Grasmück:

Eine rundum gelungene Übersetzung schafft es unter anderem kulturelle Besonderheiten, die nicht übersetzbar sind, so zu transportieren, dass die Leserinnen und Leser diese auf Anhieb verstehen und mitfühlen können. Dies ist auch ein wesentlicher Bestandteil unseres Auftrags: Die tägliche Berichterstattung in den Programmen des Saarländischen Rundfunks über die und aus der Grenzregion sorgt für ein besseres Verständnis der Nachbarn untereinander und fördert den Zusammenhalt – gerade auch wenn die Zeiten schwierig sind.

Oswald Bubel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung ME Saar:

Das Saarland ist unserem Nachbarland Frankreich seit vielen Jahren eng verbunden, so dass Grenzen kaum noch wahrgenommen werden. Der kulturelle Austausch gehört zu dieser Verbindung dazu. Wir freuen uns, dass mit Andreas Jandl in diesem Jahr ein Übersetzer geehrt wird, der mit Romanen, Essays oder auch Theaterstücken unterschiedliche Formen der Literatur überträgt und so Menschen dies- und jenseits der Grenze mit einem sehr breiten Spektrum an der Kultur des Nachbarlandes teilhaben lässt.

Der Bürgermeister der Stadt Sulzbach, Michael Adam, betont:

Eugen Helmlé war in unserer Stadt beheimatet und verwurzelt. Ich bin daher sehr stolz, dass mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis die Bedeutung seines Lebenswerkes noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wird. Es sind so besondere Menschen wie Eugen Helmlé, die eine Stadt wie Sulzbach nicht nur interessant, sondern auch weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt, und gleichzeitig die besondere Beziehung zu unseren französischen Nachbarn und die kulturelle Verbindung mit Frankreich deutlich machen. Dem neuen Preisträger Andreas Jandl gratuliere ich ganz herzlich.

Die Jury: zwei Journalistinnen und eine Literaturbeauftragte

Die Jurorinnen des Eugen-Helmlé-Übersetzerpreises 2021 waren die Berliner Journalistin Susanne von Schenck, die Literaturbeauftragte der Direction Régionale des Affaires Culturelles (DRAC) der Region Grand Est in Metz, Colette Gravier, und Tilla Fuchs, Literaturredakteurin (Saarländischer Rundfunk).

SR

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