FIT stellt offizielles Bildmotiv und Motto für Hieronymustag 2021 vor: United in translation

ITD-Poster 2021
Bild: FIT

Seit 2014 stellt die FIT den am 30. September begangenen „Internationalen Tag der Übersetzung“ unter ein jährlich wechselndes Motto. Nach mehr als einem Jahr pandemiebedingter persönlicher Trennungen und der Absage von Branchentreffen hat sich der internationale Dachverband der nationalen Übersetzerverbände diesmal für die Aussage „United in translation“ entschieden.

Carolina Bellino
Carolina Bellino – Bild: privat

Wie jedes Jahr wurde auch ein Plakatwettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat die argentinische Grafik-Designerin Carolina Bellino.

Bei ihrem Entwurf formen drei Figuren eine Weltkugel und bilden gleichzeitig das FIT-Logo mit den Buchstaben F, I und T nach. Mit Laptop, Büchern und einer Sprechgarnitur wird die Arbeit der Berufsgruppe symbolisiert. Auch der I-Punkt stellt eine Weltkugel und eine Sprechblase dar. Pfeile stehen für den Transferprozess zwischen Ausgangs- und Zielsprachen, vier Linien versinnbildlichen das Ausgangs- und Zielmaterial der Übersetzung, den Text. Und mit zwei Frauen und einem Mann ist sogar das prozentuale Geschlechterverhältnis der Branche einigermaßen zutreffend abgebildet.

Die Mitgliedsverbände der FIT und auch deren Einzelmitglieder sind aufgerufen, mit dem Motto und dem angebotenen Bildmotiv am Hieronymustag und in dessen Vorfeld auf die unverzichtbare Arbeit der Übersetzer und Dolmetscher aufmerksam zu machen.

UN-Vollversammlung hat entschieden, aber nur 27 von 193 Staaten waren dafür

ITD-Poster 2021In einer kurzen Mitteilung zur Vorstellung von Plakat und Motto erklärt die FIT, die 71. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen habe 2017 „unanimously“ die Resolution A/RES/71/288 angenommen, mit der die Rolle der professionellen Übersetzung für Völkerverständigung, Frieden und gegenseitiges Verständnis anerkannt und der International Translation Day etabliert wurde.

„Unanimously“ ist in diesem Fall allerdings nicht als „einstimmig“, sondern lediglich als „einmütig“ zu verstehen. Denn am 24. Mai 2017 haben lediglich 27 der 193 Mitgliedsstaaten der UNO die genannte Resolution unterstützt. Weil aber niemand dagegen war, gilt sie als angenommen.

Kein einziger Staat der Europäischen Union oder Nordamerikas befürwortete den vorgeschlagenen Übersetzertag. Das Thema stieß in den meisten Ländern auf vollkommenes Desinteresse. Geschätzte drei Viertel der UNO-Mitglieder hatten nicht einmal einen Vertreter in den Sitzungssaal entsandt.

Eine Abstimmung fand nie statt

Entgegen dem Eindruck, den Verbandsvertreter weltweit im Nachhinein zu vermitteln suchen, fand zu keinem Zeitpunkt eine Abstimmung statt. Im Protokoll ist ausdrücklich vermerkt: „Adopted without vote“.

Mit sehr viel Wohlwollen kann man das Meinungsbild am Stichtag als ein Votum mit 27 Ja-Stimmen und 166 Enthaltungen betrachten.

Seit Mitte der 1970er Jahre kommen nach dem Demokratieverständnis der Vereinten Nationen die meisten UN-Resolutionen nach dieser so genannten „Konsensregel“ ohne Abstimmung zustande. Vereinfacht ausgedrückt gilt ein Antrag als einmütig angenommen, wenn niemand dagegen ist. Die Zahl der Befürworter und deren prozentuales Verhältnis zur Gesamtzahl der 193 Mitgliedsstaaten spielen keine Rolle.

Auf diese Weise konnte eine kleine Gruppe von 27 Ländern eine Resolution durch die Vollversammlung bringen und den International Translation Day auf höchster politischer Ebene etablieren.

An der Initiative waren folgende Staaten beteiligt: Aserbaidschan, Argentinien, Bahrain, Bangladesch, Belarus, China, Costa Rica, Ekuador, Irak, Iran, Israel, Kasachstan, Katar, Kirgisistan, Kuba, Libanon, Namibia, Nicaragua, Paraguay, Peru, Russland, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und die Zentralafrikanische Republik. Die Federführung lag in enger Abstimmung mit der FIT bei Belarus (Weißrussland).

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