Gebärdensprache: Im Nationalrat werden mehr als 250 Stunden pro Jahr gedolmetscht

Nationalrat, Gebärdensprache
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen des Parlaments und der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer posieren zum Tag der Gebärdensprache. - Bild: Wieser / Parlamentsdirektion

Es war der 6. Juli 2005 und mit den Worten „der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung mit der verfassungsmäßig erforderlichen Zweidrittelmehrheit – weil einstimmig – angenommen“, verkündete Andreas Khol, der damalige Präsident des österreichischen Nationalrats die Änderung des Bundes-Verfassungsgesetzes im Hinblick auf die „Anerkennung der österreichischen Gebärdensprache“.

Am 21. Juli desselben Jahres passierte die Gesetzesänderung ungehindert – mit Stimmeneinhelligkeit – den Bundesrat.

Damit wurde ein großer Schritt für die Gleichstellung gehörloser beziehungsweise hörbeeinträchtigter Menschen gesetzt. Die Österreichische Gebärdensprache wurde als eigenständige Sprache anerkannt (Art. 8 Abs. 3 B-VG).

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) erklärt aus Anlass des internationalen Tages der Gebärdensprachen, der jährlich am 23. September begangen wird:

Es ist mir wichtig, dass das Parlament ein offenes Haus für alle Österreicherinnen und Österreicher ist. Durch die Übersetzung in Gebärdensprachen werden gehörlose Menschen ermutigt, sich aktiv in die politische Diskussion einzubringen. Um von voller Teilhabe zu sprechen, dürfen wir Menschen mit Behinderung nicht aus Bequemlichkeit zurücklassen.

Gedolmetscht werden im Hohen Haus Nationalrats- und Bundesratssitzungen, Sondersitzungen, Enqueten und Sonderthemen. Insgesamt waren es in der Tagungsperiode 2020/2021 rund 250 Stunden, die während der Plenarsitzungen in Gebärdensprache übersetzt wurden.

Gebärdensprache ein fixer Bestandteil und unverzichtbarer Beitrag

„Eine breite demokratische Debatte muss transparent und offen für alle Bevölkerungs- und Gesellschaftsbereiche sein. Hier leisten die Gebärdensprachendolmetscherinnen und -dolmetscher einen unverzichtbaren Beitrag“, ist Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) überzeugt.

Für den Dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer (FPÖ) ist die Übersetzung der Plenarsitzungen in österreichische Gebärdensprache nicht mehr wegzudenken:

Laut Schätzungen des Österreichischen Schwerhörigenbund haben in Österreich rund 1,6 Millionen Menschen eine Höreinschränkung. Es ist die Aufgabe des Parlaments, auch ihnen barrierefrei das Geschehen im Hohen Haus live zu vermitteln. Das Team der Gebärdensprachen-DolmetscherInnen meistert diese Aufgabe seit Jahren mit Bravour, wofür ich mich sehr herzlich bedanke. Es ist ein fixer Bestandteil des parlamentarischen Arbeitsprozesses.

Nationalrat, Gebärdensprache
Eröffnung einer Sitzung des österreichischen Parlaments durch dessen Präsidenten Wolfgang Sobotka, in die Gebärdensprache übertragen von der hinter ihm stehenden Dolmetscherin. – Bild: Wieser / Parlamentsdirektion

Welttag der Gebärdensprachen

Der Welttag der Gebärdensprachen ist ein internationaler Aktionstag, der jährlich am 23. September stattfindet. Er wurde 1951 vom Weltverband der Gehörlosen (World Federation of the Deaf) ins Leben gerufen.

Seit der Angelobung der Abgeordneten Helene Jarmer im Juli 2009 gibt es von 9:00 bis 19:00 Uhr Gebärdensprachendolmetschung im Nationalrat.
Davor gab es nur vereinzelt zu bestimmten Tagesordnungspunkten diese Übersetzungsleistung.

Pressedienst der Parlamentsdirektion

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