Ukrainisch-Übersetzerin Claudia Dathe mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Claudia Dathe hat am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig Russisch und Polnisch studiert. Von 2000 bis 2005 lebte sie in Kiew und lehrte an der dortigen Technischen Universität das Übersetzen. - Bild: Bundespräsidialamt

„Brücken bauen“ – unter diesem Motto hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 30. September 2022 in Schloss Bellevue 20 Personen im Vorfeld des Tags der Deutschen Einheit mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

„Die elf Frauen und neun Männer tragen in herausragender Weise dazu bei, Lösungen für die globalen Herausforderungen unserer Zeit wie den Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Corona-Pandemie, Armutsbekämpfung, Migration und den Klimawandel zu finden sowie den Zusammenhalt in unserem Land zu stärken“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Unter den Ausgezeichneten befindet sich auch die in Jena lebende Literaturübersetzerin Claudia Dathe, die das „Verdienstkreuz am Bande“ erhält. Sie wird mit folgenden Worten vorgestellt:

Claudia Dathe ist eine der bekanntesten Übersetzerinnen der ukrainischen Gegenwartsliteratur ins Deutsche – und auch eine der ersten, die Literatur aus dem Ukrainischen übertragen hat. Damit baut sie uns eine Brücke zum Verständnis des Landes, und sie geht noch weiter: Als eine genaue Kennerin der Ukraine, ganz Osteuropas und seiner Menschen wirkt sie zudem als unermüdliche Akteurin, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Kulturen zusammenzubringen.

Sie trägt damit bereits seit vielen Jahren zu einem intensiven Dialog über die gemeinsame europäische Vergangenheit und Zukunft bei. Dabei setzt sie sich entschieden dafür ein, Hierarchien zwischen den Kulturen abzubauen. Wie wichtig ihr Wirken ist, wissen wir alle seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Um ukrainischen Künstlern in Not zu helfen, koordiniert sie seitdem auch die Initiative #ArtistsInShelter.

Claudia Dathe
Claudia Dathe im Zwiegespräch mit der Macht. – Bild: Bundespräsidialamt

Vor der Preisübergabe hatte sich der Bundespräsident als höchster Vertreter der deutschen Politik, die alle Brücken nach Russland abgebrochen hat, in einer Rede an die Versammelten gewandt:

„Wir reden heute über Brücken. Über Brücken, die verbinden, über Leute, die Brücken bauen, die über Brücken gehen […].“

Das sind Worte des ukrainischen Schriftstellers Serhij Zhadan – gerade wie für unsere heutige Feier geschrieben! Worte, mit denen Serhij Zhadan selbst vor einigen Jahren eine Rede hier in Berlin begann. Seine Bücher haben ihn auch in Deutschland zu einer wichtigen literarischen Stimme gemacht. Diese Romane, die er schreibt, bringen uns immer wieder in die Ostukraine, nach Charkiw, in seine geschundene Heimatstadt.

Brücken bauen – das ist das Motto dieser Veranstaltung heute, und es sind Sie, alle miteinander, die genau das tun. Sie bauen Brücken zwischen Ländern, zwischen Menschen, und Sie, elf Frauen und neun Männer, Sie alle leisten dabei Herausragendes. Seien Sie ganz herzlich willkommen hier in Schloss Bellevue. Ich freue mich, dass Sie alle da sind. Menschen wie Sie mit dem Verdienstorden auszeichnen zu dürfen, das gehört zu meinen schönsten Aufgaben als Bundespräsident. Wie schön, dass ich diese Tradition zum Tag der Deutschen Einheit in diesem Jahr weiterführen darf.

Liebe künftige Ordensträgerinnen und Ordensträger, Sie alle, jede und jeder Einzelne von Ihnen, macht sich auf ihre und seine ganz besondere, eigene Weise verdient um unser Land. Eines aber verbindet Sie: Sie suchen das Miteinander. Sie alle sind der schönste Beweis, dass Menschen gemeinsam etwas verändern können, dass sie, dass wir die Welt von morgen mitgestalten können, um sie zu einem besseren, einem gerechteren Ort machen zu können – und das ist umso wichtiger, umso kostbarer in einer Zeit, die viele als mehrfache tiefe Krise erleben. […]

Claudia Dathe
Die Feierstunde fand in würdigem Rahmen in Schloss Bellevue statt, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. – Bild: Bundespräsidialamt

Mehr zum Thema

Richard Schneider

 

Babbel