Frankfurter Buchmesse erstmals seit 2009 wieder mit Übersetzungszentrum

Internationales Zentrum für Übersetzung
Endlich haben die Übersetzer wieder eine eigene Bühne, die sie von morgens bis abends selbst bespielen dürfen. - Bild: Marc Jacquemin für FBM

Mit dem Motto „Translate – Transfer – Transform“ rückt die Frankfurter Buchmesse 2022 das Thema Übersetzung in den Fokus. Dabei geht es nicht nur um literarisches Übersetzen, sondern auch um die Übersetzung als kommunikativen Akt.

Zum Schwerpunktthema wurde auf der Messe erstmals seit 2009 wieder ein „Internationales Zentrum für Übersetzung“ aufgebaut, das in Halle 4.0, Stand G101 (Bühne) und G114 (VdÜ) zu finden ist. Gemeinsam organisiert vom Literaturübersetzerverband VdÜ und der Frankfurter Buchmesse sowie einem halben Dutzend weiteren Partnern bietet es auf 160 Quadratmetern eine eigene Bühne und einen Networking Space. Hier können sich Übersetzer mit Verlegern, Autoren, Scouts, Agenten oder ihresgleichen treffen.

Die Bühne bietet an allen fünf Messetagen von morgens bis abends mit 28 Einzelveranstaltungen ein beeindruckendes und vielfältiges Programm, das weiter unten vollständig aufgeführt ist.

Normalerweise präsentiert sich direkt neben dem VdÜ-Stand der Fachübersetzerverband BDÜ. Doch 2022 entschied sich der größte deutsche Übersetzerverband wie schon im Vorjahr gegen eine Teilnahme.

Internationales Zentrum für Übersetzung
Eine von insgesamt 28 am Stand G101 stattfindenden Veranstaltungen mit Übersetzungsbezug. – Bild: Marc Jacquemin für FBM

Wiederauferstehung des alten Übersetzer-Zentrums von 2003 bis 2009

In den Messejahren 2003 bis 2009 gab es schon einmal ein „Übersetzer-Zentrum“, das sogar sehr viel größer und luxuriöser ausgestattet war. Geldgeber war damals das Auswärtige Amt. Als die Politik beschloss, ab 2010 andere Schwerpunkte zu setzen, ging die beliebte Anlaufstelle für die übersetzende Zunft sang- und klanglos unter.

Mit dem Stand Weltempfang, den sich die Übersetzer mit anderen teilen mussten, wurde von 2010 bis 2019 eine halbwegs praktikable Nachfolgelösung gefunden. Die Zahl der übersetzungsspezifischen Veranstaltungen reduzierte sich dadurch jedoch auf die Hälfte und war in manchen Jahren gar nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Corona machte dann 2020 und 2021 auch dem Weltempfang den Garaus.

Internationales Zentrum für Übersetzung
Das Übersetzungszentrum ist 2022 kleiner und spartanischer ausgestattet als in den wirtschaftlich besseren Zeiten von 2003 bis 2009. Aber wir wollen nicht meckern, sondern hoffen, dass es der Branche langfristig erhalten bleibt. – Bild: Marc Jacquemin für FBM

Veranstaltungsprogramm

Mittwoch

(1) Blinde Übersetzung

Was bedeutet Übersetzung für blinde Menschen? Ein Vortrag vom Dialogmuseum Frankfurt, der die Übersetzung aus einer anderen Perspektive beleuchtet und überraschende Parallelen zur textbasierten Translation aufzeigt. Sprecherinnen sind Maureen Ekizoglu (Dialogmuseum, Gesellschafterin und Geschäftsführerin) und Petrine Waagö (Dialogmuseum, Teamkoordination und Qualitätssicherung „Dialog im Dunkeln“).

Das Dialogmuseum ist Erlebnismuseum und Sozialunternehmen. Es beherbergt den „Dialog im Dunkeln“, eine Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren: Kleine Besuchergruppen werden von blinden und sehbehinderten Guides durch eine lichtlose, szenografische Ausstellung geführt. Dadurch entsteht ein einzigartiger und nachhaltiger Perspektivwechsel, der zu den Themen Inklusion, Empathie und Dialog sensibilisiert und gleichzeitig stärkt.

Eine Aktivität der Frankfurter Buchmesse und ALDUS UP, dem Netzwerk europäischer Buchmessen, das vom Creative Europe Programme der Europäischen Union gefördert wird.

(2) Translator as a literary professional

Was beinhaltet der Beruf des Literaturübersetzenden und welche Möglichkeiten bietet er? Mit Michala Čičváková (Czech Literary Centre, Moderatorin), Martina Kutková (Übersetzerin Tschechisch-Spanisch), Inés Sánchez Mesonero, (Übersetzerin Italienisch-Spanisch), Kim van Kaaam (Wintertuin in Nijmegen, Moderatorin).

Zwei aufstrebende Übersetzerinnen erörtern mögliche Rollen von Übersetzern im Literaturbereich und sprechen über ihre Erfahrungen und Fähigkeiten, die sie im Rahmen des internationalen Talentförderungsprojekts CELA erworben haben. Dieses von der EU finanzierte Projekt bringt 79 Nachwuchsübersetzer und 30 Schriftsteller aus 10 europäischen Ländern zusammen.

Veranstaltet vom CELA-Projekt, kofinanziert durch das Creative Europe Programm der EU.

(3) Verleihung der Übersetzerbarke

Offizielle Eröffnung des Internationalen Zentrums für Übersetzung der Frankfurter Buchmesse und Preisverleihung der Übersetzerbarke des VdÜ an Dr. Sabine Baumann, mit anschließendem Empfang. Mit Dr. Sabine Baumann (Schöffling & Co, Leitende Lektorin) und Marieke Heimburger (VdÜ, Vorsitzende).

2022 geht die Übersetzerbarke des VdÜ an Dr. Sabine Baumann für ihre vielfältigen Verdienste um die Sichtbarkeit und Wertschätzung des literarischen Übersetzens in der Öffentlichkeit. In Beruf und Ehrenamt setzt sie sich für hervorragende Übersetzungen und die Bekanntmachung der Werke und ihrer deutschen Urheber ein. Die Barke ist dieses Jahr ein Bild der Künstlerin Johanna Hansen. Die Laudatio hält die Vorsitzende des VdÜ, Marieke Heimburger.

(4) Literatur übersetzen – Realität(en) eines Traumberufs

Podiumsdiskussion anlässlich der Vorstellung des Praxisratgebers „Handbuch Literarisches Übersetzen 2.0″. Mit Ricarda Essrich (BDÜ, Bundesreferentin Literaturübersetzen), Katrin Harlaß (BDÜ Fachverlag, Herausgeberin „Handbuch Literarisches Übersetzen 2.0“), Marieke Heimburger (VdÜ, 1. Vorsitzende).

Für viele Sprachaffine ist es nach wie vor ein Traum: Bücher übersetzen. Oder Comics. Oder Theaterstücke. Oder … Doch wie wird man eigentlich Literaturübersetzer? Und vor allem: Wie schafft man es, auf Dauer in diesem facettenreichen Beruf zu bestehen? Drei erfahrene Vertreterinnen ihrer Zunft sprechen über Herausforderungen und Glücksmomente, Professionalisierung und Unternehmertum, Vernetzung und Solidarität.

Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ).

(5) Pasos de un peregrino son, errante / Schritte eines Wanderers in der Irre

Dunkle spanische Lyrik übersetzen. Mit Achim Geisenhanslüke (Literaturwissenschaftler), Marília Jöhnk (Literaturwissenschaftlerin), Susanne Lange (Übersetzerin), Martin von Koppenfels (Ludwig Maximilians Universität München, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft).

Im Sommer 2022 ist die lang erwartete vierbändige Anthologie zur spanischen und hispanoamerikanischen Lyrik im Verlag C.H. Beck erschienen. Zwei der Herausgeber, Martin von Koppenfels und Susanne Lange, sprechen mit den beiden Frankfurter Literaturwissenschaftlern Achim Geisenhanslüke und Marília Jöhnk über die „Schritte in der Irre“ auf dieser langen Wanderung von Sprache zu Sprache und von Epoche zu Epoche. Dabei sollen sowohl die Gesamtkonzeption als auch, anhand einzelner Gedichte, konkrete Übersetzungsfragen diskutiert werden. Ein besonderer Akzent wird auf Fragen der Übersetzung ‚dunkler‘ oder ‚schwieriger‘ Texte gelegt werden, an denen diese von barocken Traditionen geprägte lyrische Kultur besonders reich ist.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt. Sie ist Teil der Gesprächsreihe „Weltlyrik übersetzen. Theorie und Praxis“, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.

(6) Lost in Wikipedia?

Die Artikelwelt der spanischen Autoren und Übersetzer. Mit Jens Best (Wikimedia Deutschland / deutschsprachige Wikipedia), Cornelius Hartz (VdÜ, Übersetzer), Arturo Peral Santamaría (ACE Traductores). Moderation: Isabel Garcia Adanez.

Diskussionsrunde mit Vertretern der deutschen und spanischen Übersetzerverbände über die Bedeutung von Wikipediabeiträgen für Autoren und Übersetzer. Wie kann eine Online-Enzyklopädie, die in sehr vielen europäischen Sprachen und weltweit in insgesamt 300 Sprachversionen vorliegt, helfen zwischen den sprachlichen Kulturräumen eine europäische Öffentlichkeit und ein europäisches Voneinander-Wissen zu schaffen? Wo sind die Schnittmengen?

Im Anschluss: kleiner Empfang.

Donnerstag

(7) Gläsernes Übersetzen: Krimi

Gläsernes Übersetzen bietet einen Einblick in den Arbeitsalltag von Übersetzern: das Publikum kann live dabei sein, Fragen stellen, sich einmischen. Heute: Krimi.

Zu Gast ist die renommierte Krimi-Übersetzerin Conny Lösch. Sie überträgt City of Dreams, den mit Spannung erwarteten zweiten Teil von Don Winslows Mafia-Trilogie, die mit City of Fire ihren Auftakt nahm und gerade in aller Munde ist.

Conny Lösch lebt in Berlin und übersetzt seit 1998 Bücher aus dem Englischen u.a. von Ian Rankin, William McIlvanney, Chris Whitaker und Don Winslow.

(8) Wer macht ein Buch?

Podiumsdiskussion zur Sichtbarkeit von Übersetzern und Lektoren. Mit Zoë Beck (Autorin, Verlegerin und Übersetzerin), Katharina Gerhardt (Freie Lektorin), Patricia Klobusiczky (Übersetzerin), Jo Lendle (Carl Hanser Verlag, Verleger). Moderation: Dania Schüürmann.

Übersetzer und Lektoren haben in der Regel signifikanten Anteil an der sprachlichen Gestaltung und damit auch am Erfolg eines Buches. Die Interessensverbände dieser hinter den Schreibenden verborgenen Berufsgruppen fordern mehr Sichtbarkeit und damit höhere Wertschätzung für ihre Arbeit. Über Sinn und Notwendigkeit von Übersetzernamen auf Buchcovern und in Rezensionen und Nennung von Lektoren im Impressum diskutieren die Autorin Zoë Beck und der Verleger Jo Lendle mit Patricia Klobusiczky für den Verband der Literaturübersetzer und Katharina Gerhardt für den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren.

Eine gemeinsame Veranstaltung von VdÜ, VFLL und BücherFrauen.

(9) Übersetzen aus Asien: Japan und die Philippinen

Gespräch über deutsche Übersetzungen asiatischer Literaturen. Mit Katharina Borchardt (Freie Kritikerin und Literaturredakteurin), Annette Hug (Übersetzerin), Jürgen Stalph (Übersetzer und Verleger).

Japanisch steht auf Platz zwei der 2021 am häufigsten ins Deutsche übersetzen Sprachen. Vor allem Mangas sind Exportschlager, aber auch in der Belletristik sorgen Autorinnen wie Sayaka Murata oder Mieko Kawakami international für Aufsehen. Aus den Philippinen dagegen gelangt so gut wie keine Literatur auf den deutschen Markt, obwohl dort auch viel auf Englisch geschrieben und publiziert wird. Woran liegt das? Und was ist mit den anderen über 170 Sprachen des Archipels, zum Beispiel dem wichtigen Tagalog? Annette Hug, Autorin und Übersetzerin, sowie Jürgen Stalph, Übersetzer und Verleger, geben Auskunft.

In Kooperation mit Litprom e.V.

(10) Nothing Happens Without Translators

Vier Ehrengastländer (Finnland 2014, Georgien 2018, Norwegen 2019 und Spanien 2020) sprechen über Best Practices in der Arbeit mit Übersetzern und Verlagen. Mit Irine Gogoshvili (Writer’s House of Georgia, Programmmanagerin Übersetzung), Ainhoa Sánchez Mateo (Acción Cultural Española, AC/E, Leiterin der Abteilung Literatur und Verlagswesen), Hinrich Schmidt-Henkel (Übersetzer), Tiia Strandén (FILI Finnish Literature Exchange, Direktorin).

Jedes Jahr stellt die Frankfurter Buchmesse einen neuen Ehrengast vor – eine wunderbare Gelegenheit, die Literatur eines neuen Landes zu entdecken. Doch was braucht es für einen gelungenen Auftritt? Eines ist sicher: Ohne kompetente Übersetzer kommt man nicht weit. Wie haben die verschiedenen Ehrengäste sichergestellt, dass Übersetzer vor, während und nach der Messe in den Prozess des Ehrengastauftritts einbezogen werden?

In Kooperation mit FILI Finnish Literature Exchange und ENLIT European Network For Literary Translation.

(11) Mauerblümchen Sachbuch? Nature Writing übersetzen

Sachbuchübersetzungen fristen im allgemeinen Bewusstsein ein Mauerblümchendasein. Zu Recht? Mit Sofia Blind, Felix Mayer, Frank Sievers. Moderation: Christine Ammann.

Welche konkreten Anforderungen stellt beispielsweise das Nature Writing an seine Übersetzer? Aber: Ist das eigentlich noch ein Sachbuch oder doch eher romantische Weltfluchtliteratur?

(12) Für mich sind sie alle lebendig

Übersetzen von toten, aber literarisch lebendigen Autoren. Mit Hans-Jürgen Balmes (S. Fischer Verlag, Übersetzer und Verleger), Sebastian Guggolz (Guggolz Verlag, Moderation), Erwin Köstler (Übersetzer).

Erwin Köstler, Übersetzer aus dem Slowenischen ins Deutsche, Sebastian Guggolz, Verleger, und Hans-Jürgen Balmes, Übersetzer und Verleger des S. Fischer Verlags, diskutieren über das Übersetzen verstorbener Autoren.

Im Anschluss: kleiner Empfang.

In Zusammenarbeit mit dem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2023, Slowenien.

Freitag

(13) Übersetzung arabischer Literatur in Europa

Trends bei der Übersetzung und Veröffentlichung zeitgenössischer arabischer Literatur in Europa. Mit Alexandra Büchler (Literature Across Frontiers, Direktorin), Dr. Angelina Gutiérrez Almenara (Übersetzerin und Forscherin), Sandra Hetzl (Übersetzerin und Forscherin), Dr. Abdel-Wahab Khalifa (Cardiff University, Dozent für Übersetzen und Dolmetschen).

Die Übersetzung literarischer Werke aus der SWANA-Region trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung und Vertiefung des interkulturellen Dialogs zwischen Europa und seinen unmittelbaren Nachbarn bei. Die Podiumsdiskussion befasst sich mit den Trends bei der Übersetzung und Veröffentlichung zeitgenössischer arabischer Literatur in Europa in den letzten zehn Jahren anhand einer Reihe bahnbrechender Berichte, die von Literature Across Frontiers (LAF) mit Unterstützung der Anna-Lindh-Stiftung koordiniert wurden. Die Vortragenden stellen einige der wichtigsten Ergebnisse ihrer Studien vor und werfen dabei einen Blick auf Deutschland mit seiner großen arabischen künstlerischen Diaspora, die britische Literaturszene sowie auf den diesjährigen Ehrengast Spanien.

(14) Plötzlich nominiert! Wenn die eigene Übersetzung in den Fokus rückt

Alexandra Rak im Gespräch mit drei nominierten Übersetzerinnen des Deutschen Jugendliterturpreises 2022. Mit Claudia Dathe (Übersetzerin), Birgitt Kollmann (Übersetzerin), Bernadette Ott (Übersetzerin), Alexandra Rak (Moderation).

Die Bücher sind im Vorjahr erschienen, die Übersetzerinnen sitzen schon längst wieder an anderen Projekten und plötzlich ereilt sie die Nachricht der Nominierung. Überwiegt die Freude oder der Zweifel, weil es ja bestimmt noch die eine Stelle gibt, die vielleicht nicht ganz optimal gelöst wurde. Was waren die jeweiligen Herausforderungen? Und was sind die Besonderheiten, wenn man ein Bilderbuch, Jugendbuch oder Sachbuch übersetzt?

Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Weltlesebühne e.V.

(15) Die vielen Stimmen des Subutex

Diskussion über die Übersetzung der Polyphonie des Originals ins Deutsche. Wer spricht und warum gerade so? Wie viel Gesellschaftskommentar ist in der Übersetzung noch verständlich? Und wie beeinflusst das Medium den Text? Mit Lilian Pithan (Übersetzerin), Claudia Steinitz (Übersetzerin).

Die Romantrilogie Vernon Subutex von Virginie Despentes ist in Frankreich ein Bestseller. Die wahnsinnigen Wanderungen eines alternden Plattenverkäufers – durch Paris, seine Parks, und schließlich ganz Frankreich – sind gespickt mit popkulturellen Zitaten und werden gern als gesellschaftspolitischer Kommentar gelesen. Die Kraft des Romans entsteht aus dem Vielklang dieser Stimmen: Jedes Kapitel gibt einer anderen Figur das Wort, von Vernon selbst über seine alten Freunde bis zur mysteriösen „Hyäne“. Weil der Subutex-Stoff so erfolgreich war, ist er mehrfach für die Bühne adaptiert und 2019 von Canal+ ins französische Fernsehen gebracht worden. Seit 2020 gibt es auch einen Comic aus der Feder des Charlie-Hebdo-Zeichners Luz.

In Kooperation mit der Weltlesebühne e.V.

(16) Rowohlt-Stiftung Preisträgerpodium

Podium über die Bedeutung und Wirkung des Preises, über Kriterien und Maßstäbe zur Bewertung von Übersetzungen. Mit Eva Bonné (Übersetzerin), Ingo Herzke (Übersetzer), Susanne Höbel (Übersetzerin), Odile Kennel (Übersetzerin).

Seit 1992 vergibt die Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung den gleichnamigen Preis für Übersetzung, seit 1995 zusätzlich den Jane-Scatcherd-Preis, seit 1998 auch den Paul-Scheerbart-Preis. In den letzten Jahren musste die öffentliche Verleihung dieser Auszeichnungen und damit die Ehrung der Preisgekrönten wegen der Pandemie-Einschränkungen ausfallen. Stellvertretend für alle Betroffenen sitzen einige Preisträger gemeinsam mit Susanne Höbel aus der Jury auf dem Podium und sprechen über Bedeutung und Wirkung des Preises, über Kriterien und Maßstäbe zur Bewertung von Übersetzungen.

(17) Neue Resonanzräume. Deutsche und italienische Literatur im Austausch

Podiumsdiskussion mit: Margherita Carbonaro (Übersetzerin), Marco Federici Solari (L’orma editore), Maria Carolina Foi (Italienisches Kulturinstitut Berlin / Italian Cultural Institute Berlin, Leiterin), Anne-Bitt Gerecke (Litrix.de), Annette Kopetzki (Übersetzerin), Piero Salabè (Carl Hanser Verlag), Stefano Zangrando (Moderation). Einführung: Maria Carolina Foi, Leiterin des Italienischen Kulturinstituts Berlin und Anne-Bitt Gerecke, Litrix.de.

Über die Vermittlung italienischer Literatur nach Deutschland sprechen Annette Kopetzki (Übersetzerin) und Piero Salabè (Carl Hanser Verlag). Über die Vermittlung deutschsprachiger Literatur nach Italien sprechen Margherita Carbonaro (Übersetzerin) und Marco Federici Solari (L’orma editore).

In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Übersetzungszentrum, den Italienischen Kulturinstituten Berlin und Köln, Carl Hanser Verlag und L’orma editore.

(18) Übersetzen griechischer Literatur

Renommierte Übersetzer griechischer Gegenwartsliteratur in verschiedene Sprachen (Englisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Französisch, Französisch) kommen bei dieser Podiumsdiskussion zusammen.

Mit Karen Emmerich (Princeton University, Associate Professor of Comparative Literature, Translator), Prof. Nikos Bakounakis (GreekLit translation grant committee, President, Associate Professor Culture e Societa, Universita degli studi di Palermo, Translator), Maria Rosa Caracausi (Universita degli studi di Palermo, Associate Professor Culture e Societa, Universita degli studi di Palermo, Translator), Kostas Kosmas (Centrum Modernes Griechenland, Freie Universität Berlin – Edition Romiosini, Centrum Modernes Griechenland, Freie Universität Berlin – Edition Romiosini), Laura Salas Rodríguez (Translator), Isabelle Tloupas (Translator), Nicholas Yatromanolakis (Hellenic Ministry of Culture and Sports, Deputy Minister of Culture and Sports responsible for Contemporary Culture).

Wird zeitgenössische griechische Literatur heutzutage übersetzt? Mehr oder weniger als in der Vergangenheit? Welche Themen werden von Lesern und Übersetzern bevorzugt? Welche Schwierigkeiten bringt die griechische Sprache bei der Übersetzung mit sich? Wie schwer hat es die zeitgenössische griechische Literatur im Vergleich zu ihrem Hauptkonkurrenten, der antiken griechischen Literatur? Und schließlich: Welche Chancen hat ein Roman, der in einer Sprache geschrieben wurde, die nur von wenigen Millionen Muttersprachlern gesprochen wird, übersetzt zu werden?

Renommierte Übersetzer zeitgenössischer griechischer Literatur in verschiedenen Sprachen (Englisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch) diskutieren die Frage der Rezeption griechischer Literatur durch die internationale Verlags-, Übersetzungs- und Leserschaft.

Veranstaltung in Kooperation mit Greeklit.

Samstag

(19) Gläsernes Übersetzen: Comic

Gläsernes Übersetzen bietet einen Einblick in den Arbeitsalltag von Übersetzern. Beim Gläsernen Übersetzen kann das Lesepublikum Übersetzern bei der Arbeit zusehen, nachhaken und mitmachen. Heute: Comics und Graphic Novels.

Übersetzer Matthias Wieland präsentiert sein aktuelles Projekt, eine Sammlung von Comicstrips um den Bären (von geringem Verstand) WINNIE THE POOH. Wieland lebt in Hannover, übersetzt Comics aus dem Englischen (z. B. die Simpsons, die Peanuts, Mumins und Autoren wie Craig Thompson oder Will Eisner) und lektoriert aus verschiedenen Sprachen.

(20) Sensitivity Reading und Übersetzung

Diskussion über die Bedeutung diskriminierungsfreier Sprache für die Arbeit von Übersetzern. Mit Özge Efendi (bli bla blub), Anna von Rath (machtsprache.de, poco.lit), Shawn Williams (The Impact Company). Moderation: Ingo Herzke (Übersetzer).

Seit einigen Jahren wird in Medien und Literatur mehr und genauer darauf geachtet, dass Menschen nicht durch achtlosen, unsensiblen Sprachgebrauch diskriminiert oder verletzt werden. Was genau aber bedeutet das z. B. für die Übersetzungsarbeit? Welche Akteure sind auf diesem Gebiet unterwegs? Wie gehen klassische Verlage damit um?

(21) Comics übersetzen: Leicht und lustig?! Zwei Übersetzerinnen klären auf

Literatur und Komik in den Werken von Bruno Duhamel und Gipi. Mit Myriam Alfano (Übersetzerin), Lilian Pithan (Übersetzerin). Moderation: Karolina Golimowska.

Die Übersetzerinnen Myriam Alfano und Lilian Pithan über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Übersetzen von „klassischen“ und literarischen Comics

In Kooperation mit der Weltlesebühne e.V.

(22) Postkoloniales Übersetzen

Über das Verhandeln kultureller Machtverhältnisse in Sprache und Literatur. Mit Claudia Hamm (Übersetzerin aus dem Französischen), Maria Hummitzsch (Übersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen), Michael Kegler (Übersetzer aus dem Portugiesischen). Moderatorin: Karin Betz (Übersetzerin aus dem Chinesischen).

Was heißt postkoloniales Übersetzen? Fragen nach der postkolonialen Relevanz von Übersetzung beginnen schon bei der Entscheidung, was übersetzt wird und welche Leseerwartungen sich damit verbinden. Literatur übersetzen bedeutet immer auch Kultur übersetzen, sie bedeutet kulturelle Kommunikation. Bedeutet sie auch eine Verhandlung sprachlicher Machtverhältnisse? Unwillkürlich und willkürlich werden beim Übersetzen Entscheidungen darüber getroffen, ob und wie kulturell fremde Begriffe der Ausgangssprache in die Zielsprache migrieren sollen. Und wie übersetzt man Mehrsprachigkeit? Diese und andere Fragen diskutieren drei Übersetzerinnen und ein Übersetzer aus fünf Ausgangssprachen.

In Zusammenarbeit mit der Weltlesebühne e.V.

(23) TraLaLiest: Svenja Becker & „Violeta“

Die Leserunde von TraLaLit, dem Magazin für übersetzte Literatur, live auf der Bühne. In einer interaktiven Leserunde diskutiert TraLaLit-Redakteurin Lisa Mensing mit der Übersetzerin Svenja Becker und dem Publikum ihre Übersetzung des neuen Bestsellers von Isabel Allende, „Violeta“.

(24) Translation Slam

Eine interaktive Veranstaltung zum Mitmachen. Mit Karin Betz (Übersetzerin), Andreas Jandl (Übersetzer), Peter Torberg (Übersetzer). Moderation: Annette Kopetzki.

Einfallsreichtum und die Beherrschung unterschiedlicher stilistischer Register des Deutschen sind der Motor des Übersetzens. Beim Translation Slam erlebt das Publikum, wie drei Literaturübersetzer spontan Übersetzungsaufgaben lösen.

Markante Sätze aus der Literatur, Songexte und Redewendungen sollen sofort ins Deutsche und auch in andere Stilebenen übersetzt werden. Wie klingt ein Satz aus einem Roman des 19. Jahrhunderts im Jugendslang von heute? Wie, wenn er in einem Genre-Roman (Horror, Sciencefiction, Krimi) stehen würde? Beim Übersetzen gibt es keine richtigen Lösungen, nur Entscheidungen – lassen Sie sich inspirieren, bieten Sie eigene Vorschläge, machen Sie mit!

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit dem VdÜ. Gefördert der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Deutschen Übersetzerfonds mit den Mitteln des Programms NEUSTART KULTUR.

Sonntag

(25) Gläsernes Übersetzen: Sachbuch

Beim Gläsernen Übersetzen werfen Leser einen Blick in die Übersetzungswerkstatt, können zuschauen, nachfragen und mitmachen. Heute: Sachbuch.

André Hansen ist einer der Übersetzer des berühmten französischen Ökonomen Thomas Piketty. In seinem großen Werk Kapital und Ideologie, aus dem Hansen einen Ausschnitt übertragen wird, entwickelt Piketty anhand der Geschichte der Eigentumsideologien die Vision eines partizipativen Sozialismus für das 21. Jahrhundert.

Hansen lebt in Berlin und übersetzt Belletristik und Sachtexte aus dem Französischen und Englischen, u.a. von Mahir Guven, Nicolas Mathieu und Thomas Piketty.

(26) Literarischer Reiseführer Galizien. Unterwegs in Polen und der Ukraine

Vier naturräumliche, künstlerische, literarische Streifzüge durch Galizien, von Krakau über Tarnow bis nach Brody, von Lemberg über Drohobytsch, Stanislau/Iwano-Frankiwsk und Boryslau bis nach Zakopane. Mit Benjamin Voelkel (Übersetzer), Marcin Wiatr (Historiker und Germanist). Moderation: Ariane Afsari (Deutsches Kulturforum Östliches Europa).

Der Historiker und Germanist Marcin Wiatr ruft ins Bewusstsein, dass Galizien historische Lektionen bereithält, die uns alle in Europa angehen. Eine Buchpräsentation in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum Östliches Europa.

(27) Die große Reise der Ideen über die (Sprach-)Grenzen hinweg.

Besondere Herausforderungen des Übersetzens in den Geisteswissenschaften. Mit André Hansen (Übersetzer), Andrea Hemminger (Übersetzerin), Philipp Hölzing (Suhrkamp, Wissenschaftslektor). Moderator: Tobias Haberkorn (Übersetzer und Literaturwissenschaftler).

Von Foucault bis Bruno Latour und Thomas Piketty, über Elsa Dorlin und Didier Eribon: Wie reisen Theorien, Konzepte und Ideen von französischsprachigen Autoren bis in die deutsche Sprache und auf den deutschen Markt?

Ein Gespräch mit den Übersetzern André Hansen (Thomas Piketty, Alain Badiou, Nicolas Mathieu) und Andrea Hemminger (Elsa Dorlin, Michel Foucault, Manon Garcia) und Philipp Hölzing, Wissenschaftslektor bei Suhrkamp.

In Zusammenarbeit mit dem Institut français.

(28) Mwenkanonkano = Feminism

Feminismen in „Die erste Frau“ („The first woman“) von Jennifer Nansubuga Makumbi übersetzt. Mit Jennifer Nansubuga Makumbi (Autorin) und Alakati Neidhardt (Übersetzerin).

„Die erste Frau“ ist der erste Roman der ugandischen Autorin Jennifer Nansubuga Makumbi. Alakati Neidhardt spricht mit der Autorin über den Übersetzungsprozess der Geschichte, politisches Schreiben und die in dem Buch verhandelten Neuinterpretationen traditioneller und moderner Feminismen. Welche Herausforderungen und Besonderheiten bergen afrikanische Literaturen in ihren Übersetzungen? Wie viel koloniale Kontinuität gibt es im ugandischen Schreiben? Gibt es sprachliche Anpassungen für den deutschen Markt? Was verbindet Übersetzungen afro-diasporischer Literaturen?

In Zusammenarbeit mit Litprom e.V.

Richard Schneider

Babbel