UNESCO läutet Internationale Dekade der indigenen Sprachen ein

Internationales Jahrzehnt der indigenen Sprachen
Bild: UNESCO

Am 13. Dezember 2022 hat die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) die von ihr ausgerufene „Internationale Dekade der indigenen Sprachen“ (2022-2032) mit einer Veranstaltung am Hauptsitz der Organisation in Paris offiziell eingeläutet.

Vorgestellt wurde ein Zehnjahresplan, der die Aufmerksamkeit auf den besorgniserregenden Verlust indigener Sprachen und die Notwendigkeit lenken soll, sie zu bewahren, wenn nötig wiederzubeleben und als Reichtum zu feiern.

Zuvor war das Jahr 2019 bereits zum „Jahr der indigenen Sprachen“ ausgerufen worden.

40 Prozent der 6.700 Sprachen vom Aussterben bedroht?

Besonders alarmierend sei die Situation der indigenen Sprachen, so die Unterorganisation der Vereinten Nationen. Mindestens 40 Prozent der mehr als 6.700 weltweit gesprochenen Sprachen seien langfristig vom Aussterben bedroht, weil es ihnen an Sprechern fehle. Dies könne schwerwiegende negative Folgen für die kulturelle Vielfalt und das in den Sprechergemeinschaften bewahrte jahrhundertealte Wissen haben.

Weniger als zwei Prozent aller Sprachen besäßen eine echte Online-Präsenz einschließlich lokalisierter Software und Websites sowie Übersetzungsdiensten. Dies hindere Millionen von Sprechern indigener Sprachen daran, sich voll in die Gesellschaft einzubringen. Es zeige, wie notwendig die aktive Entwicklung einer wirklich mehrsprachigen digitalen Welt sei.

Audrey Azoulay, Generaldirektorin der UNESCO, erklärte dazu:

Sprache ist das, was uns zum Menschen macht. Wenn die Freiheit der Menschen, ihre Sprache zu verwenden, nicht gewährleistet ist, schränkt dies ihre Gedanken-, Meinungs- und Redefreiheit sowie ihren Zugang zu Rechten und öffentlichen Dienstleistungen ein.

In diesem Jahrzehnt muss die Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft beschleunigt werden, um die indigenen Sprachen langfristig zu schützen.

Azoulay ist seit 2017 Generaldirektorin der UNESCO. Zuvor war sie in Frankreich zur Amtszeit des sozialistischen Präsidenten Hollande parteilose Ministerin für Kultur und Kommunikation.

Audrey Azoulay
Audrey Azoulay ist seit 2017 Generaldirektorin der UNESCO. – Bild: UNESCO

700 Vertreter und ein globaler Aktionsplan

An der Pariser Veranstaltung zum offiziellen Beginn der Aktionsdekade nahmen mehr als 700 Delegierte aus den 193 Mitgliedstaaten der UNESCO teil, darunter Minister, die auf nationaler Ebene für Sprachenpolitik zuständig sind, führende Vertreter indigener Völker, Leiter nationaler Sprachentwicklungsagenturen, Sprachinstitute und akademischer Organisationen sowie Vertreter des öffentlichen und privaten Sektors.

Eingehend erörtert wurde der weltweite Aktionsplan, der darauf abzielt, die Zahl der Sprecher gefährdeter Sprachen zu erhöhen, deren Sprachbeherrschung zu verbessern und eine stärkere Nutzung indigener Sprachen im öffentlichen Bereich zu fördern. Er umfasst alle Aspekte des täglichen Lebens und zielt auch darauf ab, indigenen Gemeinschaften einen besseren Zugang zu Nahrungsmitteln, der Gesundheitsversorgung und Rechtsprechung zu verschaffen.

Durch die Wiederbelebung und nachhaltige Pflege indigener Sprachen sollen der soziale Zusammenhalt, die Kultur, die digitale Befähigung und der Zugang zum Arbeitsmarkt für deren Angehörige gefördert werden.

Darüber hinaus ruft die UNESO in diesem Zusammenhang grundsätzlich zur Achtung der sprachlichen Vielfalt, zur Stärkung des interkulturellen Dialogs und zur Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit auf.

IDIL Global Action Plan
Bild: UNESCO

Richard Schneider

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