Zuger Übersetzer-Stipendium 2023 an Theresia Prammer, Anerkennungspreis an Mário Gomes

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Das dreizehnte „Zuger Übersetzer-Stipendium“ in Höhe von 50.000 Schweizer Franken (umgerechnet zurzeit 50.998,87 Euro) geht an die in Berlin lebende Österreicherin Theresia Prammer für die Übersetzung von Gedichten des italienischen Dichters Giovanni Pascoli, wie der Verein Zuger Übersetzer mitteilt.

Den „Zuger Anerkennungspreis“ in Höhe von 10.000 Schweizer Franken erhält Mário Gomes, der ebenfalls in Berlin lebt. Er übersetzt zurzeit den Roman Leñador von Mike Wilson.

Die Preisverleihung ist für den 3. September 2023 in Zug geplant.

Prammer übersetzt aus dem Französischen und Italienischen

Die 1973 geborene Theresia Prammer studierte Romanistik in Wien, Bologna und Neapel. 2008 promovierte sie mit der Arbeit Übersetzen. Überschreiben. Einverleiben. Verlaufsformen poetischer Rede. Seit 2003 lebt sie in Berlin und übersetzt aus dem Französischen und Italienischen ins Deutsche sowie aus dem Deutschen ins Italienische.

Nebst ihrer Arbeit als Übersetzerin publiziert sie Bücher, Kritiken und Essays zur Gegenwartsliteratur und zur literarischen Übersetzung. Zudem ist sie Herausgeberin diverser Anthologien und Schwerpunkt-Dossiers zu italienischen Themen.

Theresia Prammers Arbeit wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Bereits 1999 erhielt sie den Übersetzerpreis der Stadt Wien und zuletzt den Premio Flaiano Internazionale di Italianistica (2021) sowie den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung (2022).

Pascoli in Italien moderner Klassiker

Giovanni Pascoli (geboren 1855 in San Mauro di Romagna, gestorben 1912 in Bologna) gilt in Italien längst als moderner Klassiker. Nach einer traumatischen Kindheit, Pascoli verliert innert weniger Jahre die Eltern sowie drei Geschwister, wird er 1905 Professor für italienische Literatur in Bologna.

Sein lyrisches Werk, mit dem er auch international bekannt wurde, ist von kaum zu überschätzender Bedeutung für die Entwicklung der modernen italienischen Sprache.

Myricae, Canti di Castelvecchio, Poemetti sind die Titel der Originalbände mit Gedichten von Giovanni Pascoli, die Eingang finden sollen in Theresia Prammers geplante Anthologie. Das Augenmerk richtet sich dabei vor allem auf die lautsymbolischen Schöpfungen des Dichters, der auch für seine literarische Mehrsprachigkeit bekannt ist und mit seiner vielstimmigen Poetik die Sphäre des Nature Writing um eine Haltung des Hörens bereichert.

Gomes ist Autor, Übersetzer und Dokumentarfilmer

Der Preisträger des Zuger Anerkennungspreises wurde 1978 geboren. Mário Gomes ist als Autor, Übersetzer und Dokumentarfilmemacher tätig. Er hat in Lissabon und Bonn Sprach- und Literaturwissenschaften studiert und in Bonn und Florenz in Literaturtheorie promoviert. Er war Dozent für Literatur- und Medienwissenschaften an der Universität Bonn, der Universität der Künste in Berlin sowie an der Universität de Concepción (Chile). Mário Gomes übersetzt Prosa und Lyrik ins Deutsche, Portugiesische sowie ins Spanische.

Der von Gomes übersetzte Autor Mike Wilson (geboren 1974) ist ein US-amerikanisch-argentinischer Autor, der auf Spanisch schreibt. Er promovierte im Bereich der Literaturwissenschaften an der Cornell University, lebt seit 2005 in Chile und ist dort als Autor und Universitätsdozent tätig.

Neunköpfige Jury

Der Vorstand des Vereins Zuger Übersetzer verleiht das Zuger Übersetzer-Stipendium gemäss den Vorschlägen einer Fach-Jury. Dieser gehören zurzeit an: Christoph Balmer (Zug, Buchhändler und Verleger), Ulrich Blumenbach (Basel, Übersetzer), Zorka Ciklaminy (Zürich, Übersetzerhaus Looren), Dr. Georg Gerber (Zug, Deutschlehrer an der Kantonsschule Zug, Vorsitzender der Jury), Prof. Dr. Thomas Hunkeler (Freiburg, Professor für französische Literatur an der Universität Freiburg), Paula Marty (Zug, Journalistin), Manfred Papst (Zürich, Redaktor), Dr. Ilma Rakusa (Zürich, Autorin und Übersetzerin, Lehrbeauftragte am Slawischen Seminar der Universität Zürich, emeritiert), Dr. Jürg Scheuzger (Zug, ehem. Deutschlehrer an der Kantonsschule Zug).

Zuger Übersetzer-Stipendium wird alle zwei Jahre vergeben

Das Zuger Übersetzer-Stipendium ist mit 50.000 Schweizer Franken der höchst dotierte Übersetzerpreis der deutschsprachigen Länder und fördert die professionelle Übersetzung eines literarisch oder kulturell bedeutenden Werks in die deutsche Sprache.

Die Auszeichnung wurde 1997 ins Leben gerufen und wird seitdem alle zwei Jahre in Zug, dem Hauptort des Kantons Zug, vergeben. Träger ist der Verein Zuger Übersetzer, finanzielle Zuschüsse leisten die Stadt Zug, der Kanton Zug, die Kulturstiftung Pro Helvetia sowie private Spender.

Die Besonderheit des Preises besteht darin, dass es sich nicht um eine Belohnung für eine bereits abgeschlossene Übersetzung handelt. Das Preisgeld ist tatsächlich zweckgebunden als Stipendium gedacht und verpflichtet die damit bedachten Übersetzer, das geförderte Übersetzungsprojekt abzuschließen.

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red

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