Deutsch – Eine Liebeserklärung. Die zehn großen Vorzüge unserer erstaunlichen Sprache

Deutsch - eine Liebeserklärung
Bild: Piper

Deutsch gilt als kompliziert, hart und teilweise sogar hässlich – zu Unrecht, findet Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. Er zeigt in seinem Buch Deutsch – Eine Liebeserklärung, warum wir gerade im Deutschen ausdrucksstarke Wörter haben, warum unsere Sprache so gut zu lesen ist und welch einzigartige Nuancen sie uns bietet. Das Buch beschreibt die größten Vorzüge der deutschen Sprache – mit viel Humor und 
zahlreichen Beispielen.

Mark Twain soll einmal gesagt haben, das Leben sei zu kurz, um Deutsch zu lernen. Der Autor zeigt, dass dem nicht so ist. Seine Liebeserklärung an das Deutsche ist gut begründet. Kaehlbrandt zeigt anhand von zehn handfesten Vorzügen, wie stimmig die deutsche Sprache gebaut ist und wie zugänglich sie deshalb ist. Dazu zählen die Wortbildungsmöglichkeiten und der hochelastische Satzbau.

Auch einen freundlichen Umgang miteinander begünstigt das Deutsche mit seinen vielen kleinen Wörtern wie denn, doch, ja, die alles andere als überflüssig sind. Und sogar kurz und schnell kann das Deutsche sein. Deutsche Sprache, schwere Sprache? Nicht unbedingt.

Das Buch lädt ein zu einem Streifzug durch die liebenswerten und erstaunli­chen Vorzüge einer alten und zugleich hochlebendigen Sprache.

Über den Autor

Roland Kaehlbrandt, geboren 1953, ist Sachbuchautor, Sprachwissenschaftler und Experte für sprachliche Bildung. Er ist Honorarprofessor für Sprache und Gesellschaft an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Als Sachbuchautor und Sprachwissenschaftler veröffentlicht er Ende September 2022 Deutsch – eine Liebeserklärung. Die zehn großen Vorzüge unserer erstaunlichen Sprache.

Als sprachbegeisterter Stiftungsexperte hat er große Bildungsprojekte wie den Bundeswettbewerb Jugend debattiert und den Rechtschreibwettbewerb Deutschland schreibt! wie auch den Deutschsommer auf den Weg gebracht. Er ist Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Roland Kaehlbrandt
Roland Kaehlbrandt – Bild: Philipp Kaehlbrandt, Piper Verlag

Inhalt

  • Vorwort
  • Erster Vorzug: einfühlsam und ausdrucksstark
  • Zweiter Vorzug: geschmeidig in der Wortbildung
  • Dritter Vorzug: gelenkig im Satzbau
  • Vierter Vorzug: schnell und kurz, wenn es sein muss
  • Fünfter Vorzug: leserfreundlich in der Rechtschreibung
  • Sechster Vorzug: normiert als Standardsprache
  • Siebter Vorzug: verfeinert als Literatur- und Bildungssprache
  • Achter Vorzug: vielfältig und weitverbreitet
  • Neunter Vorzug: aufnahmewillig und integrationsfähig
  • Zehnter Vorzug: aus der Mitte der Gesellschaft geschaffen
  • Nur für Liebhaber: ein Überschuss an grammatischen Formen
  • Zum Schluss: ein Blick nach vorn
  • Danksagung
  • Anmerkungen
  • Literatur
Deutsch - eine Liebeserklärung
Bild: Piper

Aus dem Vorwort

In unserem flüchtigen Dasein schenkt uns die Sprache Ankerpunkte. Ihre Wörter und Sätze bringen unser Leben auf den Begriff. Sie ist das Werkzeug unseres Denkens, un­serer Vorstellungen, unserer Empfindungen, unseres Aus­drucks. In der Sprache erfahren wir die Welt, und in ihr setzen wir die Welt.

Auch die deutsche Sprache schenkt uns all das, auf ihre eigene Art. Sie überliefert uns einen großen Reichtum. Dieser Reichtum macht es uns leicht, unsere ganze Persön­lichkeit in der deutschen Sprache auszudrücken: in den Millionen – ja Millionen! – von Wörtern, die uns die Spra­che bietet, und in dem gelenkigen und nuancenreichen Satzbau, den sie uns schenkt.

Sind wir uns eigentlich dieses Reichtums bewusst? Ken­nen wir überhaupt die Vorzüge unserer Sprache? Oder kennen wir eher die Negativurteile: dass das Deutsche schwer, umständlich, langatmig und hart im Klang sei?

Der bekannteste Ausspruch über die deutsche Sprache stammt mutmaßlich von Mark Twain: Das Leben sei zu kurz, um Deutsch zu lernen. Damit meinte er (wie er es an vielen konstruierten und komischen Beispielen demonst­rierte), dass das Deutsche kompliziert, unregelmäßig und unzugänglich sei. Aber hatte er recht? […]

Der Ruf des Deutschen, schwer zu sein, bleibt nicht fol­genlos: In einem deutschen Forschungsinstitut sagte man mir auf die Frage, ob denn die jungen Wissenschaftler auch Deutsch lernten: »Das dauert zu lange und hindert sie am Forschen. Wir brauchen eher Englisch für den Hausmeis­ter.«

Andererseits lernte ich einmal die Siegerinnen einer Deutsch-Olympiade aus den Ländern Osteuropas kennen. Inzwischen lernen ja wieder mehr Menschen im Ausland Deutsch als zuvor. Es sind immerhin 15 Millionen. Die Studentinnen sprachen alle fließend Deutsch und waren doch zuvor noch keinmal in Deutschland gewesen. Ob denn das Deutsche nicht schwer zu erlernen gewesen sei, fragte ich sie erstaunt. Sie brachen in Gelächter aus. »Deutsch? Schwer? Nicht für uns!«

Hatte Mark Twain nun recht oder nicht? Und haben die­jenigen recht, die zu Ausländern, die sich im Deutschen noch schwertun, in einer Mischung aus Mitleid und Her­ablassung »deutsche Sprache, schwere Sprache« sagen?

Die Wahrheit ist: Deutsch ist in manchen Bereichen so­gar leicht erlernbar, zum Beispiel, wenn es um die Bildung neuer Wörter geht. Die Wortbildung ist ein elementarer Vorgang. Denn in den Wörtern erfassen und beschreiben wir Gegenstände wie den Einfüllstutzen, Empfindungen wie die Wehmut, Erlebnisse wie den Waldspaziergang und Abstraktes, also nicht Gegenständliches wie das Sein. Wir können im Deutschen die Wörter leicht miteinander ver­knüpfen und dadurch neue Bedeutungen schaffen. Selbst wenn wir diese Wörter noch gar nicht kennen, können wir sie allein aus ihren Bestandteilen erschließen und ver­stehen. Ein großer Vorzug! Auch ohne ein Seminar über die deutsche Romantik zu besuchen, können wir empfin­den, was Waldeinsamkeit bedeutet.

Aber geht es bei einer Sprache nur um leichte Erlernbar­keit? Ja, ist leichte Erlernbarkeit überhaupt ein Kriterium für das, was eine Sprache bietet und was sie kann? Letztlich wartet jede Sprache mit ganz bestimmten Schwierigkeiten auf, die je nach Ausgangssprache auch wieder ganz anders ausfallen können. Jede fremde Sprache will von jeder Aus­gangssprache aus neu erschlossen sein.

Deshalb geht es bei der Betrachtung einer Sprache nicht nur um die Leichtigkeit des Erlernens. Neben der leichten Wortbildung des Deutschen kommen daher weitere Vor­züge der deutschen Sprache ins Spiel: der Satzbau, der so schöne und klare Sätze hervorbringt wie: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Oder auch die Großschreibung, die uns das Lesen so sehr erleichtert, weil wir schon am Schriftbild erkennen, wo die so wichtigen Substantive ste­hen. Ja, sogar das gute alte Komma, heute so gering ge­schätzt und oft unterschlagen, hat in der deutschen Recht­schreibung seinen Sinn. Man vergleiche die beiden Sätze: Gott vergibt Django nie und Gott vergibt, Django nie.

Wenn wir die Errungenschaften der deutschen Sprache genauer kennen, schärft sich unser Sprachbewusstsein. Es kann uns motivieren, unsere alte, vielseitige und zugleich höchst lebendige Sprache lustvoll und kreativ weiterzuent­wickeln.

Einmal sagte mir der Beauftragte der Französischen Re­publik für die »Frankophonie« (den Zusammenschluss der französischsprachigen Länder und jener Länder, die Fran­zösisch besonders fördern), er wünsche sich seine Mutter­sprache als eine langue hospitaliere, als eine gastfreundliche Sprache. Das soll auch für das Deutsche gelten! Als Spra­che gleich mehrerer Einwanderungsländer sollte sich das Deutsche als aufnahmefreundlich erweisen. […]

Wenn unsere Sprache als Verkehrssprache im Einwan­derungsland wieder wichtiger wird, dann stellt sich freilich auch die Frage: Was kann sie? Was bietet sie? Was bietet sie denen, die sie lernen? Und was macht sie reizvoll, ja lie­benswert, sodass man sich geradezu in sie verlieben kann?

[…] Dieses Buch nennt die zehn wichtigsten Vorzüge unserer Sprache. Vorzüge also, die Sie kennen sollten, wenn Sie über die deutsche Sprache urteilen – ganz gleich übrigens, ob als Verächter, als Skeptiker oder als Liebhaber. […]

Pressestimmen

„Roland Kaehlbrandts liebenswürdiges Buch über unsere liebenswerte Sprache preist die Vorzüge des Deutschen, die manchmal gerade als Schwierigkeiten betrachtet werden und die hier als herrliche Eigenschaften beschrieben und gefeiert werden. Anschaulich durch schöne Beispiele, überzeugend argumentiert und doch leicht und urban im Ton wird das Buch die Liebe zu unserer Sprache bestärken und verbreiten.“ – Prof. Dr. Jürgen Trabant

„Und so ist die ‚Liebeserklärung‘ ein ganz im Geist der Aufklärung geschriebenes Plädoyer für einen toleranten, weltoffenen Kulturpatriotismus. Sie gehört in den Handapparat jedes Deutschlehrers und aller, die an und mit unserer Sprache arbeiten.“ – Rhein-Zeitung

Deutsch – Eine Liebeserklärung breitet eine Menge Besonderheiten der modernen Umgangs- wie der Schriftsprache aus, verbindet sie mit anschaulichen Beispielen. Informiert und bildet, ohne belehrend zu wirken.“ – Münchner Merkur

„Spaß macht auch die Lektüre der Liebeserklärung. Vor allem deshalb, weil sie so weltoffen daherkommt und sich nicht scheut, auch Kritiker des Deutschen zu Wort kommen zu lassen – um sie im Anschluss zu widerlegen.“ – Hanauer Anzeiger

Bibliografische Angaben

  • Roland Kaehlbrandt (2022): Deutsch – Eine Liebeserklärung. Die zehn großen Vorzüge unserer erstaunlichen Sprache. München: Piper. 256 Seiten, 12 Euro, ISBN‎ 978-3492317566. Bei Amazon bestellen. Hinweis zu Amazon-Links.

Piper, red

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