Oldenburgisches Staatstheater: Sprechoper „Saal 600“ über Dolmetscher beim Nürnberger Prozess

Saal 600, Oldenburgisches Staatstheater
Das Bühnenbild besteht im Wesentlichen aus vier Dolmetschkabinen. - Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Im niedersächsischen Oldenburg ist im Januar 2024 ein Stück zu sehen, das bereits 2018 in München Premiere feierte: Die dokumentarische Sprechoper „Saal 600“ über den Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg. Die Besonderheit: Im Mittelpunkt und auf der Bühne stehen weder die Angeklagten noch die Ankläger, sondern die Dolmetscher.

Wie schon in München und später in Hamburg führt auch jetzt am Oldenburgischen Staatstheater Kevin Barz Regie. Von ihm stammen auch das Konzept und die Textfassung des 60-minütigen Stücks, das sechs Mal zur Aufführung kommt.

Szene aus dem Stück "Saal 600" am Oldenburgischen Staatstheater
Szene aus dem Stück „Saal 600“ am Oldenburgischen Staatstheater. – Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Über die Inszenierung heißt es in der Ankündigung des Theaters:

Jeder Angriffskrieg verstößt gegen das Völkerstrafrecht. Doch die politische Elite eines Landes dafür zu belangen, ist schwer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schafften die Nürnberger Prozesse erstmalig das, was der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag seit zwanzig Jahren fortzusetzen versucht, nämlich Hauptkriegsverbrecher juristisch zur Verantwortung zu ziehen.

In „Saal 600“ erleben wir diesen historischen Prozess aus Sicht der Simultandolmetscher:innen und damit die Ungeheuerlichkeit ihrer Aufgabe, nicht nur die eindringlichen Fragen der Ankläger zu übersetzen, sondern auch die monströsen Aussagen eines Hermann Göring oder Rudolf Hess in den Mund zu nehmen.

Darunter liegt die Musik des Komponisten Paul Brody, der aus den Originaltonaufnahmen die Sprachmelodien der Prozessteilnehmenden herausgearbeitet und für ein Quartett arrangiert hat.

‚Saal 600‘ kam 2018 an den Münchner Kammerspielen zur Premiere und war eingeladen zum Körber Studio für Junge Regie am Thalia Theater in Hamburg. Fünf Jahre später, durch die weltpolitischen Entwicklungen erschreckend aktuell, wird es mit dem Oldenburger Ensemble neu erarbeitet.

Besetzung

In den Dolmetschkabinen auf der Bühne sitzen Konstantin Gries, Anouk Elias, Rebecca Seidel und Katharina Shakina.

Konstantin Gries, Oldenburgisches Staatstheater
Konstantin Gries – Bild: Oldenburgisches Staatstheater
Anouk Elias, Oldenburgisches Staatstheater
Anouk Elias – Bild: Oldenburgisches Staatstheater
Rebecca Seidel, Oldenburgisches Staatstheater
Rebecca Seidel – Bild: Oldenburgisches Staatstheater
Katharina Shakina, Oldenburgisches Staatstheater
Katharina Shakina – Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Spielstätte Exerzierhalle

Das Oldenburgische Staatstheater verfügt über vier Spielstätten: Großes Haus, Kleines Haus, Spielraum und Exerzierhalle.

Das Stück „Saal 600“ wird in der ehemaligen Exerzierhalle am Pferdemarkt aufgeführt, die über rund 100 Sitzplätze verfügt.

Sechs Aufführungstermine

  • 18.01.2024, 18:00 Uhr (Donnerstag)
  • 23.01.2024, 20:00 Uhr (Dienstag)
  • 26.01.2024, 20:00 Uhr (Freitag)
  • 27.01.2024, 20:00 Uhr (Samstag)
  • 29.01.2024, 20:00 Uhr (Montag)
  • 30.01.2024, 20:00 Uhr (Dienstag)
Saal 600, Oldenburgisches Staatstheater
Ein Blick hinter die Dolmetschkulisse auf der Bühne. – Bild: Oldenburgisches Staatstheater

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