Die Figur der Dolmetscherin ist in der Trivial- und Hochliteratur sowie den fiktionalen Formaten von Kino und Fernsehen als Klischee fest etabliert. Die Protagonistin ist immer jung und attraktiv, zudem oft exotisch, geheimnisvoll und manchmal schwer zu durchschauen. In der Regel gehört sie zu den Guten und kommt nur unabsichtlich in Kontakt mit Ganoven.
So auch in der Folge „Die Dolmetscherin“ der Krimi-Vorabendserie „SOKO Wien“ im ZDF, in der es heißt, dass die getötete Dolmetscherin sich „ganz stark gegen Kinderarbeit“ und „für den Klimaschutz“ eingesetzt habe.
Die Handlung laut Programmankündigung:
Mene Biobaku, nigerianischstämmige Dolmetscherin der UNO, wird überfahren. Ihr Bruder Hamza überzeugt die SOKO, dass der scheinbare Unfall ein geglückter Mordversuch gewesen sein muss.
Es gab beängstigende Drohanrufe an seine Schwester Mene, die sie ihm verschwieg. Kurz nach ihrem Tod wurde in ihre Wohnung eingebrochen. Aufnahmen einer Sicherheitskamera bestätigen Hamzas Verdacht. Es wirkt, als ob sie vors Auto gestoßen wurde.
David Hirsch, Mitarbeiter des UNO-Sicherheitsdienstes, wird zu möglichen Verwicklungen befragt, verneint aber eine Kontaktaufnahme.
Laut Handyauswertung der Toten gab es einen Disput mit Freundin und Kollegin Ayo, in der es um brisante Unterlagen ging. Diese Dokumente seien aus dem Büro von Bao Chen, die eine Auskunft darüber unter Verweis auf ihren Diplomatenstatus verweigert. Das Opfer kannte sie nur aus ihrer Tätigkeit als Dolmetscherin.
Dr. Franziska Becks Diagnose beweist: die junge Nigerianerin wurde mit Insulin vergiftet. Es war eindeutig Mord. Ayo weist ähnliche Symptome auf. Sie dürfte einem Anschlag mit tödlichem Ausgang gerade noch so entkommen sein. Sie bestätigt ein Treffen zwischen Mene und Hirsch, der sie hinhalten wollte. Wieso hat er gelogen und worauf ist sie gestoßen, dass sie aus dem Weg geräumt werden musste?

Zitate aus der Folge:
- UNO-Dolmetscherin Ayo: „Unsere Arbeit ist auch nicht besonders aufregend. Als Dolmetscherinnen stehen wir meistens im Hintergrund, sollen unsichtbar sein. Das ist eigentlich wie bei Putzfrauen: Alles sehen, aber nicht gesehen werden.“
- Bao Chen, böse Chinesin und Auftraggeberin des Mordes: „Nicht viele beherrschen gleichzeitig das indogene Edo und das amtliche Hochchinesisch.“
Sie können die 43-minütige Folge gleich hier auf UEPO.de ansehen:
Richard Schneider
