„Wörterbuch deutscher Geheimsprachen“ zu Rotwelsch-Dialekten jetzt als preiswertes Paperback

Wörterbuch deutscher Geheimsprachen, Rotwelsch
Bild: De Gruyter Brill

Das von Klaus Siewert von der Universität Münster erstmals 2023 herausgebrachte Wörterbuch zu deutschen Geheimsprachen wie dem Rotwelsch ist 2025 als kostengünstiges Paperback herausgekommen.

Das Buch kostet nun statt zuvor 350,00 nur noch 34,95 Euro. Die digitale Ausgabe ist für ebenfalls für 34,95 Euro zu haben. Es handelt sich um eine aktualisierte Auflage mit veränderter Einführung und in neuem Layout.

Im Vorwort zur ursprünglichen Ausgabe von 2023 heißt es:

Das Wörterbuch deutscher Geheimsprachen versammelt den Tarnwortschatz der in der Sprachwissenschaft als Rotwelsch-Dialekte bezeichneten Sondersprachen des Deutschen. Insgesamt sind annähernd 70 Rotwelsch-Dialekte ausgewertet worden, darunter viele Vorkommen, die erst in den letzten drei Jahrzehnten abgefragt und dokumentiert worden sind.

Das Projekt ist in den 1990er Jahren vorbereitet worden. Das theoretische Rüstzeug für das Wörterbuch deutscher Geheimsprachen, die Methoden und Darstellungsmuster, sind in der Habilitationsschrift des Herausgebers 1998 bereitgestellt worden.

Das Werk ist mit über 10.000 Wortfamilienartikeln die umfangreichste Dokumentation deutscher Geheimsprachen. Es basiert unter anderem auf Feldforschungen, die ab den 1990er Jahren betrieben worden sind und zahlreiche neue Sprachdaten zu bislang unabgefragten oder neuentdeckten Rotwelsch-Dialekten erbracht haben. Neben den neuen Quellen liegt ein weiterer Mehrwert in der Klärung von Tausenden von Lexemen, die in der Forschung ihrer Herkunft nach (Etymologie) als ungeklärt galten.

Sondersprachen wie die Rotwelsch-Dialekte haben einen „Kernwortschatz“, der die Verdunkelung und damit die Ausgrenzung vom Verstehen des Gesagten leisten soll. In der lexikalischen Dokumentation des Tarnwortschatzes liegt die zentrale Aufgabe sondersprachlicher Lexikographie.

Der gemeinsprachliche Mantel, also die verständlichen Wörter im sondersprachlichen Satz, kann dagegen (bis auf einen besonders ausgewiesenen lexikalischen Nahbereich) unberücksichtigt bleiben. Insofern ist das „Wörterbuch“ also ein Idiotikon.

Das Vorwort zur aktualisierten Broschur-Ausgabe von 2025 ergänzt:

Die Paperback-Ausgabe des „Wörterbuch deutscher Geheimsprachen“ möchte das große öffentliche Interesse am Thema Geheimsprachen bedienen. Es enthält das Wörterbuch deutscher Geheimsprachen inhaltlich in unveränderter Form. […]

Die einleitenden Artikel sind aktualisiert und um zwei neue Kapitel erweitert worden. Sie betreffen ein 1990 geführtes Gespräch mit Originalsprechnern und die 2024/2025 erfolgte kulturpolitische Würdigung der im Wörterbuch dokumentierten historischen Geheimsprachen des Deutschen als „Immaterielles Kulturerbe“.

Wörterbuch deutscher Geheimsprachen, Rotwelsch
Bild: De Gruyter

Zur Geschichte des Wörterbuchs

Zu der sich über Jahrzehnte erstreckenden Entstehungsgeschichte des Wörterbuchs schreibt Siewert:

Noch Ende der 1980er Jahre befand sich die Sondersprachenforschung in Deutschland in einem Dornröschenschlaf. Dabei hatte Friedrich Kluge schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts solide Grundlagen geschaffen und mit seiner Sprachdatensammlung „Rotwelsch“ hinreichende Anreize zur Forschung gegeben. Derweil drohte wertvolles sprach- und kulturhistorisches Wissen für immer verloren zu gehen; noch gab es letzte Primärsprecher, während sich die Rotwelsch-Dialekte längst im Untergang befanden.

Bis auf einige wenige monographische Untersuchungen zu einzelnen Rotwelsch-Dialekten (zum Beispiel Hans-Günter Lerch, Robert Jütte) ist eine systematische und flächendeckende Dokumentation und Erforschung der Rotwelsch-Dialekte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgeblieben.

Gründe dafür sind unter anderen in der Schwierigkeit und Komplexität des Forschungsgegenstandes zu sehen, der Interdisziplinarität erfordert, sowie in ideologischen Verwerfungen bis zum Ende der Nazidiktatur (Sprachpurismus, Judenfeindlichkeit, Antiziganismus).

Auch eine ordentliche und dauerhafte universitäre Institutionalisierung dieses Forschungsgebietes, die solide Rahmenbedingungen für die Forschung hätte schaffen können, hat es bis dahin nicht gegeben. Für die Sprachwissenschaften wie die Sozial- und Kulturwissenschaft bedeutete das, den Verlust wertvollen und unwiederbringlichen Wissens zu riskieren.

Zudem fehlte es noch an grundlegenden Voraussetzungen: der schwierige Forschungsgegenstand setzte ein fächerübergreifendes Netzwerk voraus; weiterhin waren terminologische Klarheiten zu schaffen und es mangelte noch an Methoden und Fragestellungen, die dem spezifischen Profil von Rotwelsch-Dialekten, mit Einschluss der phonetischen und semantischen Prozesse bei der Integration der spendersprachlichen Lexeme in die jeweiligen Rotwelsch-Dialekte, genügten. Für die lexikographische Dokumentation mussten Kriterien für die Abgrenzung der durch Varietätenvielfalt gekennzeichneten Rotwelsch-Dialekte gefunden werden. Schließlich war ein geeignetes lexikographisches Darstellungsmuster zu entwickeln, das auf die Dokumentation sondersprachlicher Sprachdaten in einem Wörterbuch zugeschnitten war. […]

Rezensionen

  • „Der sperrt die flippflappen op: Klaus Siewert legt ein Wörterbuch über Rotwelschdialekte vor. Damit hat er nicht nur ein sprachwissenschaftliches Standardwerk geschaffen, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Erbe gesichert.“ – Wolfgang Krischke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (25.09.2024)
  • „Seit Siegmund Andreas Wolfs Wörterbuch des Rotwelschen von 1956 ist das im Jahr 2023 erschienene Wörterbuch deutscher Geheimsprachen (WGH) von Klaus Siewert und Rudolf Post nunmehr das wichtigste und umfangreichste Nachschlagewerk für die Beschäftigung mit den derzeit 68 bekannten Rotwelsch-Dialekten des Deutschen in Deutschland, Luxemburg, Österreich, Tschechien und der Schweiz.“ – Guido Kallfell in Rheinisch-Westfälischen Zeitschrift für Volkskunde (2023/24)

Bibliografische Angaben

  • Klaus Siewert (2025): Wörterbuch deutscher Geheimsprachen – Rotwelsch-Dialekte. Berlin: De Gruyter Brill. 927 Seiten, Paperback und Kindle 34,95 Euro, ISBN‎ 978-3112216309.

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Richard Schneider