Niedersachsen: Erste Schule führt Plattdeutsch regulär als zweite Fremdsprache ein

Plattdeutsch
Die Initiativen zur Wiederbelebung des Plattdeutschen sprechen vor allem Schulkinder an. - Bild: Initiative Platt is cool

Premiere: In Niedersachsen hat das Kultusministerium der Oberschule Uplengen im Landkreis Leer (Ostfriesland) genehmigt, das Fach Niederdeutsch ab dem kommenden Schuljahr regulär als zweite Fremdsprache anzubieten.

„Wichtiger Beitrag, Niederdeutsch mit Leben zu füllen und zu erhalten“

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Bündnis 90 / Die Grünen) freut sich:

Heute schreiben wir ein neues Kapitel für unsere Sprachenvielfalt in Niedersachsen: Damit wird Niederdeutsch als reguläres Unterrichtsfach fest im Schulalltag verankert.

Die Förderung unserer Regionalsprachen ist für uns ein wichtiges Anliegen auch und gerade zur Pflege der Sprachenvielfalt im Land. Dass Schülerinnen und Schüler sie an der Oberschule Uplengen nun ab dem kommenden Schuljahr offiziell lernen können, ist ein echter Meilenstein.

Wir geben diesen Sprachen nicht nur Raum im Klassenzimmer, sondern eine Zukunft – lebendig, hörbar und getragen von einer neuen Generation. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, diese Sprache in Niedersachsen mit noch mehr Leben zu füllen und zu erhalten.

Julia Willie Hamburg
Julia Willie Hamburg (Bündnis 90 / Die Grünen) ist Kultusministerin von Niedersachsen. – Bild: Sven Brauers

Weitere Titel „Plattdeutsche Schule“ und „Saterfriesische Schule“ vergeben

Außerdem hat das Kultusministerium vier weitere Schulen als „Plattdeutsche Schule“ oder „Saterfriesische Schule“ ausgezeichnet. Damit tragen inzwischen bereits 50 Schulen in Niedersachsen diesen Titel.

Kultusstaatssekretär Stephan Ertner (Bündnis 90 / Die Grünen) zeichnete die Schulen auf einer Veranstaltung in Aurich aus und erneuerte zugleich die Anerkennung für vier weitere Schulen.

Damit wird das  besondere Engagement dieser Schulen für den Erhalt und die Förderung der Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch gewürdigt. Sie sorgen dafür, dass diese Sprachen nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt und an die nächste Generation weitergegeben werden.

Staatssekretär Ertner lobt:

Die heute ausgezeichneten Schulen zeigen eindrucksvoll, wie regionale Sprachen mit Engagement und Kreativität im Schulalltag gelebt werden können. Sie bewahren unser kulturelles Erbe nicht nur, sie halten es lebendig.

Neu ausgezeichnete Schulen:

  • Katholische Grundschule Ramsloh
  • Grundschule Völlenerfehn
  • Christian-Gymnasium Hermannsburg
  • IGS Buxtehude

Rezertifizierte Schulen:

  • Hermann-Tempel-Schule IGS Ihlow
  • BBS Gesundheit und Soziales Landkreis Grafschaft Bentheim
  • Grundschule (kath.) St.-Heinrich-Schule, Ellenstedt
  • Oberschule Edewecht

Die zertifizierten Schulen zeichnen sich durch vielfältige Aktivitäten im Unterricht und im Schulalltag aus, die dazu beitragen, Niederdeutsch und Saterfriesisch lebendig zu halten und an jüngere Generationen weiterzugeben. Besonders hervorgehoben wird dabei die kontinuierliche Arbeit der Lehrkräfte sowie das Engagement der Schüler.

Regionalsprache Niederdeutsch, Minderheitensprache Saterfriesisch

Die Regionalsprache Niederdeutsch und die Minderheitensprache Saterfriesisch sind Ausdruck von sprachlicher und kultureller Vielfalt in Deutschland. Die so genannten kleinen Sprachen sind wichtige Bestandteile der Mehrsprachigkeit. Wer zweisprachig mit Hochdeutsch / Niederdeutsch aufwächst, lernt leichter weitere Fremdsprachen.

Der Niedersächsische Landtag hat 2017 in einem Entschließungsantrag die Weiterentwicklung des Niederdeutschunterrichts hin zu einem ordentlichen Unterrichtsfach beschlossen. Bisher erfolgt der Unterricht in der Regel im Wahlpflichtbereich, in Arbeitsgemeinschaften oder im Rahmen der Ganztagsangebote.

Die Oberschule Uplengen ist nun die erste Schule in Niedersachsen, die dieses Unterrichtsangebot vorhalten kann. Die Genehmigung gilt erstmals für jene Schüler, die zum 01.08.2026 in den 6. Schuljahrgang der Oberschule Uplengen eintreten.

Die Schule unterstützt damit gleichzeitig die Universität Oldenburg, an der der lehramtsbezogene Studiengang Niederdeutsch seit 2023 angeboten wird und stellt z. B. Plätze für die Durchführung von Schulpraktika zur Verfügung. Gleichzeitig können in Uplengen ab 2028 benötigte Ausbildungsplätze für Referendare im Vorbereitungsdienst für das Unterrichtsfach Niederdeutsch zur Verfügung gestellt werden.

Fachlehrkräfte der OBS Uplengen haben ebenfalls die Mitarbeit an der Weiterentwicklung der Curricularen Vorgaben für das Fach Niederdeutsch im Sekundarbereich I und der entsprechenden Entwicklung eines Kerncurriculums für dieses Fach zugesagt und können wichtige Impulse und Erfahrungen aus dem Fachunterricht einbringen. Die aktuellen Vorgaben sollen bis 2028 in ein reguläres Kerncurriculum weiterentwickelt werden.

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PM Niedersächsisches Kultusministerium