WAZ porträtiert Hans Schindler, seit 29 Jahren EU-Dolmetscher

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung porträtiert Hans Schindler (55), einen der dienstältesten Simultandolmetscher der EU. Seit 29 Jahren arbeitet er für die Kommission, den Ministerrat, den Ausschuss der Regionen und die Europäische Investitionsbank.

Er weist darauf hin, dass man mindestens zwei Fremdsprachen gut beherrschen müsse, wenn man in den Dienst einsteigen wolle, später müssten weitere hinzukommen. Inzwischen seien fünf Arbeitssprachen schon fast zur Norm geworden. Er selbst spricht sechs Sprachen fließend und hat sich auf die Fachgebiete Wirtschaft und Finanzen spezialisiert.

In einem Infokasten informiert die Zeitung über den größten Sprachendienst der Welt:

Mit 23 Amtssprachen hat die EU den größten Dolmetscherdienst der Welt. Die Nato beschränkt sich auf zwei Amtssprachen, die UNO mit ihren 192 Mitgliedsstaaten auf sechs. Für den Dienst der Europäische Kommission arbeiten rund 530 Dolmetscher, außerdem können bei Bedarf 2700 Freiberufler herangezogen werden. Jeden Tag sind rund 700 Dolmetscher bei rund 60 Veranstaltungen im Einsatz. Das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof unterhalten jeweils ihren eigenen Dienste. Für Dolmetscher und Übersetzungen wird ein Prozent des Budgets aller EU Institutionen ausgegeben – mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, rund 2,50 Euro pro Bürger.

Weiter heißt es:

In der Dolmetscher-Kabine ist dann volle Konzentration gefragt. Wo Südländer blumig formulieren, drückt sich ein Nordeuropäer knapp aus. Schwierig sind auch Witze und Wortspiele: Wenn Deutsche zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erschießen die Spanier zwei Vögel mit einem Schuss. Schindler muss gleichzeitig zuhören, verstehen und sprechen – nach 30 Minuten wird er von einem Kollegen abgelöst, damit er wieder Luft schöpfen kann.

Und dann folgt der seit Jahrzehnten bei allen Zeitungsberichten über Simultandolmetscher unvermeidliche Satz: „Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation haben Simultandolmetscher den stressigsten Beruf der Welt – hinter Düsenjetpiloten und Fluglotsen.“ Dabei ist völlig unklar, ob die zitierte Studie überhaupt existiert. Über das kolportierte Ergebnis lässt sich auf jeden Fall streiten. Siehe dazu die folgenden Artikel im Übersetzerportal:

Den WAZ-Artikel mit der Überschrift „Berlusconis deutsche Stimme: Alltag eines EU-Dolmetschers“ können Sie bei DerWesten.de lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Westen, 2009-02-08. Bild: EU-Pressedienst.]

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