Leider aus der Mode gekommen: Siegelmarken von gerichtlich vereidigten Übersetzern und Dolmetschern

Siegelmarke Dolmetscher
Siegelmarken von Gerichtsdolmetschern
Vier typische Siegelmarken von Gerichtsdolmetschern.

Siegelmarken aus bedrucktem und zusätzlich oft geprägtem Papier mit feuchtklebender Rückseite wurden früher verwendet, um Briefe mit wichtigen und vertraulichen Unterlagen (z. B. mit beglaubigten Übersetzungen von Urkunden) zu versiegeln. Sie wurden auf die Rückseite der Briefumschläge über die Verschlussklappe geklebt.

Diese Siegelmarken, auch Verschlussmarken oder Briefverschlussmarken genannt, wurden von Ministerien, Gerichten, Ämtern, Universitäten und dem Militär sowie sonstigen “offiziellen” Stellen und hochstehenden Persönlichkeiten benutzt, zu denen sich offensichtlich auch die Gerichtsdolmetscher zählten.

Siegelmarken verbreiteten sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Preußen, Österreich und anderen deutschen Staaten. Sie lösten die bis dahin übliche Versiegelung mit Siegellack ab und waren bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Gebrauch.

Die hier dargestellten Marken haben in Originalgröße einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm und befinden sich im Besitz von UEPO.de. Eine genaue Datierung ist schwierig. Die Marken sind mindestens 70, unter Umständen sogar 100 Jahre alt. Drei der fünf Marken stammen aus der Zeit der Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Sie tragen folgende Beschriftung:

  1. Hof- & Gerichtsadvokat Dr. Theodor Reisch, Wien, XIX. [Bezirk], Gatterburggasse 19, beeideter Dolmetsch der ungarischen Sprache.
  2. Maximilian Max Edler von Maxen, gerichtl. beeideter Dolmetsch der ungarischen Sprache in Brünn [heute Brno, Tschechien].
  3. Beeidigter Dolmetscher lic. jur. C. F. Rempen [Hamburg].
  4. Julius Haacke, vereideter Dolmetscher u. Translator der englischen Sprache für den Bezirk des Kammergerichts [vermutlich Berlin].
  5. Dr. Sigmund Karplus, Hof- u. Gerichts-Advokat, Gerichtsdolmetsch für die englische und französische Sprache, Wien.

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]