Siegelmarken von Gerichtsdolmetschern aus dem 19. Jahrhundert

8 Siegelmarken von Dolmetschern
Acht typische Siegelmarken von Dolmetschern. Die vier in der Mitte befinden sich im Besitz von UEPO.de. - Bild: UEPO.de

Siegelmarken aus bedrucktem und zusätzlich oft geprägtem Papier mit feuchtklebender Rückseite wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert verwendet, um Briefe mit wichtigen und vertraulichen Unterlagen (z. B. mit beglaubigten Übersetzungen von Urkunden) zu versiegeln. Sie wurden auf die Rückseite der Briefumschläge über die Verschlussklappe geklebt und sollten die Echtheit und Unversehrtheit einer Sendung oder eines Schriftstücks gewährleisten.

Für ihre Zeit waren Siegelmarken fortschrittlich und innovativ. Sie lösten die bis dahin übliche Versiegelung von Umschlägen mit Siegelwachs oder Siegellack ab, die in der Handhabung extrem umständlich war.

Siegelmarken verbreiteten sich ab ca. 1850 in Preußen, Österreich sowie anderen deutschen Staaten und waren bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Gebrauch.

Diese Siegelmarken, auch Verschlussmarken oder Briefverschlussmarken genannt, wurden von Ministerien, Gerichten, Ämtern, Universitäten und dem Militär sowie sonstigen offiziellen Stellen und Amtspersonen benutzt, zu denen auch die Gerichtsdolmetscher zählten.

Vier der acht oben abgebildeten Siegelmarken stammen aus der Zeit der Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Eine genaue Datierung der Marken ist schwierig, sie dürften aber mehr als 100 Jahre alt sein. Das hier zweimal vorkommende Berliner Kammergericht gilt als ältestes noch arbeitendes Gericht Deutschlands. Es wurde 1468 erstmals urkundlich erwähnt.

Die hier dargestellten Marken haben in Originalgröße einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Sie tragen folgende Beschriftung:

  1. Hof- & Gerichtsadvokat Dr. Theodor Reisch, Wien, XIX. [Bezirk], Gatterburggasse 19, beeideter Dolmetsch der ungarischen Sprache
  2. Maximilian Max Edler von Maxen, gerichtlich beeideter Dolmetsch der ungarischen Sprache in Brünn [heute Brno, Tschechien]
  3. Beeidigter Dolmetscher lic. jur. C. F. Rempen [Hamburg].
  4. Baron W. v. Ungern-Sternberg, Verpflichteter Dolmetscher der Russischen Sprache beim Land- und Amtsgericht Dresden, vormals russischer Rechtsanwalt
  5. Aleida Jansma van der Ploeg, gerichtlich vereidigte Dolmetscherin am Königlichen Kammergericht zu Berlin [vor 1918]
  6. Julius Haacke, vereideter Dolmetscher und Translator der englischen Sprache für den Bezirk des Kammergerichts [Berlin]
  7. Dr. Sigmund Karplus, Hof- und Gerichts-Advokat, Gerichtsdolmetsch für die englische und französische Sprache, Wien
  8. Dr. Ludwig Tennenbaum, Hof- und Gerichtsadvocat, Gerichtsdolmetsch der polnischen Sprache, Wien, I. [Bezirk], Bognergasse 15

[Text: Richard Schneider.]