Über die (Un-)Sitte der Filmsynchronisation in Deutschland

Einst war der Film international, weil er stumm war. Ende der 1920er-Jahre kam der Ton und mit ihm die Filmsynchronisation. Der gleiche Film war künftig nicht mehr derselbe, je nachdem, in welchem Land er gezeigt wurde.

Eine kurze Begriffsdefinition zur Filmsynchronisation: Dabei handelt es sich um das nachträgliche Ersetzen aller Sprechteile durch Dialoge in eine andere Sprache, welche auf die Mundbewegungen und Gestiken der Originalschauspieler abgestimmt sind.

Auf dem deutschen, italienischen und französischen Kino- und Fernsehmarkt hat sich die flächendeckende Synchronisation nahezu aller internationalen Produktionen durchgesetzt. In Nordeuropa sowie in den Niederlanden, Großbritannien, Belgien und Portugal werden fremdsprachige Produktionen grundsätzlich mit Untertiteln ausgestrahlt – dies ist günstiger als Filmsynchronisationen. Eine Synchronisation kostet zwischen 25.000 und 100.000 Euro, eine Untertitelung gerade einmal 3.000 bis 5.000 Euro. In Russland und Polen sowie in Lettland und Litauen wird zum Teil eine Synchronverdolmetschung über den Originaltext gelegt (Voice-over).

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg öffnete sich der deutschsprachige Filmmarkt zunehmend ausländischen Filmwerken. Um die in der Bevölkerung durchschnittlich nur rudimentär ausgeprägten Fremdsprachenkenntnisse auszugleichen und den Markt besser zu erschließen, wurden innerhalb kurzer Zeit mehrere Synchronstudios gegründet. Diese entschieden nicht nur darüber, welche Filme gezeigt wurden, sondern auch wie. Zensuren wurden bzw. werden teilweise immer noch praktiziert, die Filme werden an das Zielpublikum „angepasst“. Viele sind der Ansicht, dass Synchronisation nicht nur Kunstwerke, sondern auch Interkulturalität zerstört. Die ganze Welt spricht nun einmal nicht Deutsch.

Die Situation in Deutschland hat sich nicht geändert. Der Grund: Nichts ist den Menschen schwerer auszutreiben als schlechte Gewohnheiten. Offenbar ist der Wunsch nach Bequemlichkeit stärker als der nach stilistischer Wahrhaftigkeit. Zwar gibt es in Deutschland Kinos, die Filme in der Originalversion zeigen. Doch die Filme im Fernsehen werden stets synchronisiert ausgestrahlt. Allerdings ist es in Zeiten der DVDs durchaus möglich, Filme in der Originalsprache anzuschauen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: unique-online.de, 23.04.2012; wikipedia.de.]

Das GDolmG muss weg