Arabisch-Übersetzer Weidner, Metzler und Fähndrich in Katar mit Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet

Scheich-Hamad-Preis 2018
Die Preisträger des Jahres 2018 auf der Bühne in Doha.

Der Kölner Freiberufler Stefan Weidner, Dr. Berenike Metzler von der Universität Bamberg und der in Bern lebende Dr. Hartmut Fähndrich wurden in Doha, der Hauptstadt Katars, mit dem “Scheich-Hamad-Preis für Übersetzung und internationale Verständigung” ausgezeichnet. Alle drei dürfen sich über jeweils 100.000 US-Dollar freuen.

Sowohl Weidner als auch Metzler wurden mit dem ersten Platz in der Sprachrichtung Arabisch – Deutsch ausgezeichnet. Ein zweiter und dritter Platz wurde nicht vergeben. Dadurch erhalten beide jeweils 100.000 Euro. Die sonst übliche Aufteilung lautet: für den ersten Platz 100.000, für den zweiten 60.000 und für den dritten 40.000 USD. Fähndrich wurde für sein Lebenswerk geehrt.

Der Scheich-Hamad-Preis ist mit insgesamt 2 Millionen US-Dollar der höchstdotierte Übersetzerpreis der Welt. 2018 wurde er erstmals auch in den Sprachrichtungen Arabisch – Deutsch und Deutsch – Arabisch vergeben.

Sprachrichtung Arabisch ins Deutsche

Stefan Weidner
Stefan Weidner wurde für seine Übersetzung der im Werk “Turjuman al-Ashwaq” zusammengestellten 61 mystischen Liebesgedichte von Ibn Arabi ausgezeichnet.

Stefan Weidner übersetzt leidenschaftlich gerne Lyrik

Weidner hat 2016 die erste vollständige Übersetzung von “Turjumān al-ashwāq” von Muhyiddin Ibn ‘Arabī vorgelegt. Der deutsche Titel des bei Jung und Jung erschienenen Werks lautet “Übersetzer der Sehnsüchte – Liebesgedichte aus dem arabischen Mittelalter”.

Stefan Weidner: "Der Übersetzer der Sehnsüchte"Zu Buch und Autor schreibt der herausgebende Verlag:

Ibn Arabi ist einer der bedeutendsten mystischen Schriftsteller des islamischen Mittelalters, vergleichbar nur mit Hafis, Rumi und Omar Khayyam. Geboren in Andalusien, durchstreifte er die gesamte arabische Welt, vollzog die Pilgerfahrt nach Mekka, sein Grab in Damaskus ist heute ein Wallfahrtsort. Arabis poetisches Hauptwerk mit dem Titel “Der Übersetzer der Sehnsüchte”, von dem bisher nur wenige Auszüge zu lesen waren, erscheint hier erstmals vollständig auf Deutsch.

Stefan Weidner, bekannt für seine Übersetzungen arabischer Poesie, zeigt mit dieser an heutigen poetischen Verfahren geschulten Übertragung, wie modern und freizügig diese Gedichte sind. Religion und Eros verschmelzen zu einem Ganzen und laden einander symbolisch auf. Die vordergründig einfache Sprache führt den Leser in unerhörte theologische und erotische Vorstellungswelten, Tabus gibt es nicht.

Anmerkungen und ein Nachwort, das die zeitgeschichtlichen Hintergründe und Deutungshorizonte erschließt, helfen dabei, die arabische Kultur mit diesem Band Gedichte von einer vergessenen Seite kennenzulernen.

Weidner hat Islamwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Damaskus, Berkeley und Bonn studiert. Er arbeitet in Köln als Übersetzer, Buchautor, Journalist und Literaturkritiker. Von 2001 bis 2016 war er Chefredakteur der 1963 gegründeten, zuletzt vom Goethe-Institut herausgegeben und inzwischen eingestellten Zeitschrift “Fikrun wa Fann” (Art & Thought).

Er hat zahlreiche Lyriker aus dem Arabischen übersetzt, darunter Adonis und Mahmud Darwisch. Journalistische Beiträge hat Weidner unter anderem auf Qantara.de und Zeit Online veröffentlicht.

Dr. Berenike Metzler
Dr. Berenike Metzler

Dr. Berenike Metzler übersetzt für die Wissenschaft

Metzler wurde für ihre Doktorarbeit “Den Koran verstehen – Das Kitāb Fahm al-Qur’ān des Ḥāriṯ b. Asad al-Muḥāsibī (781-857)” ausgezeichnet, die 2016 im Wissenschaftsverlag Harrassowitz erschienen ist.

Sie ist Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft, Arabistik und Semitistik der Universität Erlangen. Darüber hinaus ist Metzler an einem Forschungsprojekt des Lehrstuhls für islamische Kunst und Archäologie der Universität Bamberg beteiligt.

Der Harrassowitz Verlag schreibt zu Metzlers Werk:
Dr. Berenike Metzler: Den Koran verstehen

Berenike Metzlers Band umfasst eine Edition, eine deutsche Übersetzung und eine Analyse des Kitāb Fahm al-Qurʾān des frühislamischen Gelehrten Ḥāriṯ b. Asad al-Muḥāsibī. Die Frage nach den angemessenen Instrumenten zur Entschlüsselung des Wortes Gottes sowie der rechtmäßigen Befolgung desselben war im (theologie-)geschichtlich sehr bewegten 9. Jahrhundert n.Chr. ein zentraler Diskussionspunkt – und er ist es bis heute.

Das Kitāb Fahm al-Qurʾān ist einzigartig in seiner facettenreichen Behandlung des Themas: Sie erstreckt sich von der Rolle des Verstandes im Offenbarungsprozess über Passagen zu den Vorzügen des Korans und spekulative Auseinandersetzungen mit theologischen Gegnern bis hin zu rechtshermeneutischen und linguistischen Fragestellungen bei der Versauslegung.

Der Einleitungsteil der Arbeit enthält eine Einführung zur Zeitgeschichte und zum Autor sowie eine gattungskritische Untersuchung des Textes mitsamt Informationen zum Manuskript. Im Hauptteil folgen eine annotierte zweisprachige Edition des 50 Folien starken Manuskripts sowie eine zehn Kapitel umfassende Analyse des Werkes. Den Schlussteil bilden eine Einordnung des Kitāb Fahm al-Qurʾān in die theologischen Debatten seiner Zeit, der Versuch einer Chronologisierung der Werke des Autors und schließlich eine Beantwortung der Frage, wie der Koran nach Muḥāsibī richtig zu verstehen sei. Im Anhang befinden sich neben einer Bibliografie ein Koranstellen- und Hadithverzeichnis.

Die Autorin verfolgt den Ansatz, den Text in den Vordergrund zu stellen und durch eine detaillierte, v.a. terminologische Analyse desselben einen Beitrag zur Erforschung der frühislamischen Theologie zu liefern, der starre Kategorisierungen in Begriffe wie Rationalismus, Traditionalismus und Sufismus aufzubrechen versucht.

Dr. Hartmut Fähndrich
Dr. Hartmut Fähndrich hat mehr als 100 belletristische Werke aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt.

Dr. Hartmut Fähndrich für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Der 74-jährige Arabisch-Deutsch-Übersetzer Dr. Hartmut Fähndrich wurde in der Preiskategorie für besondere Leistungen (Lebenswerk) ausgezeichnet.

Fähndrich studierte in Tübingen, Münster und Los Angeles Semitistik, Islamwissenschaften und Philosophie. Seit 1978 lehrte er an der ETH Zürich Arabisch und Islamische Kulturgeschichte. Seit 1984 ist er Herausgeber der Reihe Arabische Literatur beim Schweizer Lenos Verlag. Er war 1990 Gründungsmitglied und bis 1996 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Mittlerer Osten und Islamische Kulturen.

Wegen seiner Verdienste um die Übersetzung arabischer Literatur erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Hieronymus-Ring des VdÜ, 2004 den Übersetzerpreis der Arabischen Liga, 2005 den Anerkennungspreis des Großen Literaturpreises des Kantons Bern und 2016 den Spezialpreis Übersetzung der Schweizer Literaturpreise.

Sprachrichtung Deutsch ins Arabische

In der Sprachrichtung Deutsch – Arabisch wurden nicht wie sonst üblich drei, sondern sechs Übersetzer ausgezeichnet, da der zweite und dritte Platz mehrfach vergeben wurde:

1. Ibrahīm Abū Hashhash für die Übersetzung von “Die Philosophie der Aufklärung” von Ernst Cassirer
2. Ḥasan Muḥammad Ṣaqr für die Übersetzung von “Die rationalen und soziologischen Grundlagen der Musik” von Max Weber
2a. Faris Yūwākīm für die Übersetzung von “Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt” von Stefan Zweig
3. Samīr Gries für die Übersetzung von “Leben” von David Wagner
3a. ‘Alī Miṣbāḥ für die Übersetzung von “Menschliches, Allzumenschliches” von Friedrich Nietzsche
3b. Nabīl Ḥaffār für die Übersetzung von “Qatna” von Maria Courant

Höchstdotierter Übersetzerpreis der Welt

Weidner, Metzler
Weidner und Metzler hinter dem diesjährigen Preisüberreicher, einem Mitglied der Herrscherfamilie Al Thani.

Der mit insgesamt 2.000.000 US-Dollar höchstdotierte Übersetzerpreis der Welt wurde 2015 vom Emirat Katar gestiftet und ist nach dem ehemaligen Emir von Katar benannt. Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani regierte das zwei Millionen Einwohner zählende Emirat von 1995 bis 2013.

Steuerliche Behandlung von Geldpreisen in Deutschland

Bei dieser Gelegenheit ein kurzer Hinweis zur steuerlichen Behandlung von Geldpreisen, von denen allein in Deutschland pro Jahr rund 50 an Übersetzer vergeben werden. Das deutsche Finanzamt unterscheidet zwei Fälle:

  • Wenn die Auszeichnung für die Übersetzung eines bestimmten Werkes verliehen wurde, ist der Geldbetrag wie ein normales Übersetzungshonorar zu versteuern.
  • Ist der Preis hingegen als Auszeichnungen für das übersetzerische Lebenswerk gedacht, müssen auf den Betrag (wie bei Lotto-Gewinnen) keine Steuern entrichtet werden.

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[Text: Richard Schneider. Bild: UEPO.de (Screenshots).]