Jahrestagung Institut für Deutsche Sprache: Deutsch in Sozialen Medien – Interaktiv, multimodal, vielfältig

Wasserturm Mannheim
Der Wasserturm, das Wahrzeichen Mannheims, direkt gegenüber dem Kongresszentrum Rosengarten. - Bild: Bernhard Kunz für Stadtmarketing Mannheim, Lizenz CC BY-SA 2.0
Prof. Dr. Henning Lobin, Direktor des IDS. – Bild: T. W. Klein für IDS

Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) lädt vom 12. bis 14. März 2019 zu seiner Jahrestagung nach Mannheim ein. Die Veranstaltung steht unter der Überschrift “Deutsch in Sozialen Medien – Interaktiv, multimodal, vielfältig”.

Soziale Medien sind ein konstitutives Element unserer Kommunikation geworden, sie gehören für uns zum Alltag. Das Facebook-Profil ist ein allseits zugänglicher Speicher für persönliche Erinnerungen, auf Twitter wird politisch debattiert, Instagram ist die Wellness-Oase des Internets und über WhatsApp werden Hausaufgaben und Klassenfahrten organisiert – mehr oder weniger effizient.

Wer die genannten Plattformen anders nutzt und diese Zuschreibungen nicht nachvollziehen kann, kann trotzdem kompetenter Nutzer oder kompetente Nutzerin sein. So ist letztlich gar nicht klar, ob die genannten Spezifika plattformeninhärent sind oder nur ein Charakteristikum der jeweils von einem individuellen Algorithmus gesteuerten Interaktion.

Das Thema der 55. Jahrestagung des IDS ist folglich eines, das neben der Sprache Deutsch als ein sich an die Potenziale des Internets anpassender Gegenstand die Perspektive ausweitet auf die Merkmale, Muster und Dynamiken der jeweiligen Kommunikationsplattformen.

Dabei stellen sich Fragen nach der Zusammensetzung unseres linguistischen Forschungsgegenstandes, denn es drängt sich unmittelbar auf, dass wir uns hier keineswegs nur sprachlichen Zeichen gegenüber sehen. Mit Emojis, Hashtags, Memes oder Bewegtbildern sind Kommunikate in Sozialen Medien multimodale Konglomerate verschiedener semiotischer Ressourcen. Dabei rückt sowohl das Zusammenspiel als auch die Erfassung dieser Modi in den Fokus der Betrachtungen. Als dritte Komponente ist der kommunikative Raum als quasi-öffentlicher Raum zu berücksichtigen.

Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit der Thematik unweigerlich stellen, finden sich auch in den Beiträgen der Referenten:

  • Wirkt sich die Kommunikation in Sozialen Medien auf unser generelles kommunikatives Verhalten aus?
  • Inwiefern verändert sich unsere Sprache durch die Kommunikation in Sozialen Medien?
  • Welche Auswirkungen hat die Kommunikation in Sozialen Medien auf unsere schriftsprachlichen Kompetenzen?
  • Welche Phänomene hat die Kommunikation in Sozialen Medien hervorgebracht?
  • Wie vertrauenswürdig sind Soziale Medien?
  • Sind die Kommunikationsbedingungen in Sozialen Medien besonders geeignet für das Ausleben von Diskriminierung und Gewalt?
  • Welche Folgen haben Soziale Medien auf gesellschaftliche und politische Prozesse?
  • Ist die Kommunikation in Sozialen Medien ein Gegenstand, der in den Schulunterricht integriert werden sollte?
  • Wie kann man Daten aus Sozialen Medien erheben und für die Forschung verfügbar machen?
  • Sind Soziale Medien eine geeignete Plattform für den Wissenschaftstransfer?

Diese und weitere Fragen werden thematisiert und diskutiert. Darüber hinaus stellen eine Reihe von Wissenschaftlern im Rahmen eines Kaleidoskops innovative methodische Zugänge zum Datenmaterial in Sozialen Medien vor.

Mannheim, Wasserturm mit Kongresszentrum
Die IDS-Jahrestagung findet im Kongresszentrum Rosengarten statt (rechts am Bildrand). – Bild: Stadtmarketing Mannheim, Lizenz CC BY-SA 2.0

Vortragsprogramm

Dienstag, 12. März 2019

  • Henning Lobin (Direktor des IDS): Begrüßung
  • Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb: Grußworte der Stadt Mannheim
  • Henning Lobin: Einführung in das IDS und das Thema
  • Peter Schlobinski (Hannover): Sprache, Kommunikation und digitaler Wandel. Bestandsaufnahme und Perspektiven
  • Eva Gredel (Mannheim): Digitale Diskursanalysen – Das Beispiel Wikipedia
  • Christian Stegbauer (Frankfurt/Main): Soziologische Aspekte sozialer Netzwerke mit Blick auf Relationen in der digitalen Welt
  • Matthias Kohring (Mannheim): Alternative Wahrheiten – Fake News und Vertrauen in Medien und Politik
  • Alexander Lasch (Dresden): Zwischen Partizipation und Prokrastination. Wissenschaftsvermittlung auf Blogs
  • Jannis Androutsopoulos (Hamburg): Digitale Interpunktion: Stil und Wandel in der neuen Schriftlichkeit
  • Begrüßungsabend am IDS

Mittwoch, 13. März 2019

  • Christa Dürscheid (Zürich): Schreiben in Sozialen Medien – Bestandsaufnahme und Perspektiven
  • Andrea Abel (Bozen), Aivars Glaznieks (Bozen), Carolin Müller-Spitzer (IDS), Angelika Storrer (Mannheim): Textqualität in sozialen Medien: Kategorien – Ressourcen – Methoden
  • Harald Lüngen, Marc Kupietz (IDS): IBK- und Social Media-Korpora am IDS – Stand und Perspektiven
  • Michael Beißwenger (Duisburg-Essen): Internetbasierte Kommunikation als Textformen-basierte Interaktion – Modellierung von Zeitlichkeitsbedingungen als Herausforderung für den Aufbau und die Analyse von Social-Media-Korpora
  • Kaleidoskop: 5-Minuten-Präsentationen
  • Kaleidoskop-Begehung
  • Anatol Stefanowitsch (Berlin): Neue Öffentlichkeiten, alte Strukturen: Sprachliche Konflikte in den sozialen Medien

Donnerstag, 14. März 2019

  • Wolfgang Imo, Marcel Fladrich (Hamburg): ♀ ☺ = ♂ ☺ ?
  • Konstanze Marx, Axel Schmidt, Isabell Neise (IDS): Medienketten in audiovisuellen Webformaten – Ein Projektbericht
  • Hans-Jürgen Bucher (Trier): Zwischen Deliberation und Emotionalisierung – Interaktionsstrukturen in sozialen Medien
  • Nicola Würffel (Leipzig): Soziale Medien im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht: Potenziale und Herausforderungen

Veranstaltungsdaten

55. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache (IDS)
“Deutsch in Sozialen Medien: Interaktiv – multimodal – vielfältig”
12. bis 14. März 2019, Congress Center Rosengarten, Mannheim

Außenansicht IDS Mannheim
Das IDS beschäftigt in zwei Gebäuden in der Mannheimer Innenstadt 227 Mitarbeiter, davon sind 105 wissenschaftliche Angestellte. – Bild: Andreas Scholz für IDS

Über das IDS

Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer neueren Geschichte. Es gehört zusammen mit 91 anderen außeruniversitären Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen zur Leibniz-Gemeinschaft.

Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das Institut jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen. Hinzu kommen in wechselndem Umfang Mittel von forschungsfördernden Organisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Volkswagen-Stiftung. Förderung erfährt das IDS auch von der Stadt Mannheim und dem Verein der Freunde des Instituts für Deutsche Sprache e.V. Derzeit beschäftigt das IDS 227 Mitarbeiter, davon sind 105 wissenschaftliche Angestellte.

Mit seinen Vortragsveranstaltungen, Tagungen und Kolloquien ist das IDS ein Ort der wissenschaftlichen Begegnung und Kommunikation für in- und ausländische Germanisten und alle an Sprache Interessierten.

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Weiterführende Links

[Text: IDS Mannheim. Quelle: IDS Mannheim. Bild: IDS Mannheim.]