Dudenverlag startet Monetarisierung von Duden Mentor: Online-Textprüfung bis 30. Juni zum Einführungspreis

Jetzt beginnt die Vermarktung der seit 2018 in der Entwicklung befindlichen Online-Korrekturhilfe Duden Mentor. - Bild: Duden

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 hat der Dudenverlag sein Online-Korrekturwerkzeug Duden Mentor erstmals vorgestellt. Das Produkt befand sich damals noch in einem recht frühen Entwicklungsstadium.

Seitdem wurde es fortlaufend weiterentwickelt und ist nun offenbar so weit, dass der Anbieter glaubt, Geld dafür verlangen zu können. Übersetzer, Lektoren und Korrektoren – also berufliche Anwender – scheinen jedoch eher nicht zur Zielgruppe zu gehören.

Browser-basierte Online-Textprüfung

In einer Pressemitteilung vom 7. Mai 2019 wird der Funktionsumfang unter der Überschrift “Start frei für den Duden-Mentor: neue Textprüfung online” wie folgt beschrieben:

Der Mentor prüft eingegebene Texte in Sekundenschnelle auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, als Grundlage dient das amtliche Regelwerk. Mögliche Fehler werden einzeln markiert und Korrekturvorschläge angezeigt, ausführliche Fehlerkommentare sorgen für einen zusätzlichen Lerneffekt.

Der Duden-Mentor ist browserbasiert und deshalb nicht auf ein bestimmtes Betriebssystem angewiesen; eine Installation ist nicht notwendig und damit die Handhabung kinderleicht. Plug-ins, mit denen der Mentor in andere Programme integriert werden kann, sind bereits in Entwicklung.

Wer nicht nur korrekt, sondern auch gewandt und verständlich schreiben möchte, muss viele Details im Auge behalten. Deshalb prüft die Software eingegebene Texte automatisch auf Füllwörter und auffällige Wortwiederholungen. Auch unnötig ausschweifende Sätze werden hervorgehoben.

Gruppierte Synonymvorschläge sorgen zusätzlich für Abwechslung im Wortschatz. Und dank der Ländereinstellungen, die den Sprachgebrauch in Österreich und der Schweiz berücksichtigen, lässt sich unter Umständen auch das eine oder andere Missverständnis vermeiden.

Vermarktungsmodell
Das dreistufige Vermarktungsmodell für den Duden Mentor ab Mai 2019. – Bild: Screenshot UEPO.de

Prüfbarer Textumfang gering, Preis aber hoch

Dass der Dudenverlag mit diesem reinen Online-Werkzeug in erster Linie Gelegenheitsanwender als Zielgruppe anpeilt, kann man an dem recht geringen prüfbaren Textumfang erkennen:

  • 800 Zeichen: Unregistrierte Nutzer können 800 Zeichen auf einmal prüfen lassen. Das sind lediglich 14 Zeilen.
  • 1.500 Zeichen: Nach einer Registrierung erhöht sich mit einem kostenlosen Benutzerkonto das Zeichenlimit auf 1.500. Aber auch das sind nur 27 Zeilen – knapp eine Seite. Immerhin kann man eigene Wörter in ein persönliches Wörterbuch eintragen.
  • 40.000 Zeichen: Wer den vollen Funktionsumfang des Mentors inklusive der Stilprüfung nutzen möchte, muss ein kostenpflichtiges Premium-Abonnement abschließen. Die Zeichenzahl pro Prüfung erhöht sich dadurch auf 40.000 (727 Zeilen, etwa 25 Seiten).

Das Abo ist 14 Tage lang kostenlos und unverbindlich testbar. Danach kostet es 14,95 Euro pro Monat. Das sind 179,40 Euro pro Jahr – als Einführungspreis bis zum 30. Juni 2019. Wie hoch die Kosten danach sind, ist auf der Website nicht ersichtlich.

Zahlenden Kunden wird im Duden Mentor keine Werbung eingeblendet. Die Werbefreiheit gilt auch für das Wörterbuch und alle anderen Bereiche auf duden.de.

Für professionelle Nutzung kaum geeignet – Duden Korrektor bessere Alternative

Erste im Netz erschienene Erfahrungsberichte mit dem Duden Mentor fallen hinsichtlich Qualität, Benutzerfreundlichkeit und Preismodell gemischt aus. Professionelle Lektoren und Korrektoren scheinen mit einem lokal installierten Duden Korrektor in mehrfacher Hinsicht nach wie vor besser zu fahren.

Der Duden Korrektor ist seit 2016 wieder erhältlich, wird aber nicht mehr von Duden entwickelt, vertrieben und beworben, sondern von EPC. Die Version 13.1 kostet zurzeit einmalig 79,00 Euro für eine zeitlich unbefristete Lizenz, mit der man beliebig lange Dokumente überprüfen kann. Die Prüfergebnisse sind qualitativ besser und die bearbeiteten Dokumente landen nicht im Internet.

Für Gelegenheitsanwender mag der Duden Mentor eine pfiffige Online-Lösung sein, die durchaus ihre Freunde finden dürfte. Allerdings wirkt das dreistufige Geschäftsmodell hinsichtlich der prüfbaren Textmengen und in Bezug auf den womöglich zu hoch angesetzten Preis noch nicht ganz ausgereift.

Für berufliche Anwender ist der nach dem Verkauf des Dudenverlags von Langenscheidt an Cornelsen aussortierte Duden Korrektor nach wie vor die qualitativ bessere, datenschutzrechtlich sicherere und sogar preiswertere Lösung.

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Weiterführende Links

[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Duden, 2019-05-07.]