Cornelius Hell und Maja Badridse erhalten österreichische Staatspreise für literarische Übersetzung

Preisverleihung in Bibliothek des Literaturhauses Wien
Von Büchern umzingelt: 2018 fand die Preisverleihung ebenfalls in der Bibliothek des Literaturhauses Wien statt. Am Rednerpult steht Jürgen Meindl vom Bundeskanzleramt. - Bild: Andy Wenzel / Bundeskanzleramt

Die österreichischen Staatspreise für literarische Übersetzung für das Jahr 2018 gehen an Cornelius Hell und Maja Badridse. Das hat die IG Übersetzerinnen Übersetzer mitgeteilt, die die Interessen der literarischen und wissenschaftlichen Übersetzer in Österreich vertritt.

Die Auszeichnung wird jährlich vom österreichischen Bundeskanzleramt vergeben und finanziert. Mit jeweils 10.000 Euro für die zwei Preisträger handelt es sich um die höchstdotierten Übersetzerpreise Österreichs. Mit ihnen sollen besondere übersetzerische Leistungen bei der Übertragung fremdsprachiger Literatur ins Deutsche und österreichischer Literatur in andere Sprachen gewürdigt werden.

Cornelius Hell – Vermittler der litauischen Literatur

Cornelius Hell
Cornelius Hell. – Bild: Jelena Dabic

Cornelius Hell (63) ist neben seiner Tätigkeit als Literaturkritiker und Publizist seit rund 20 Jahren Übersetzer und Vermittler von Literatur aus dem Litauischen. Als solcher erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen von litauischer wie österreichischer Seite. Mit dem Österreichischen Staatspreis wird nun sein Lebenswerk als literarischer Übersetzer gewürdigt.

Dieses stellt einen Querschnitt durch die zeitgenössische litauische Literatur dar. Beispielhaft erwähnt seien hier die historische Fiktion von Undiné Radzeviciute (u. a. Fische und Drachen, auf Deutsch 2017 erschienen, und Das Blut ist blau, 2019) mit ihrer minimalistischen, stark rhythmisierten Sprache oder der kraftvolle, durch eine geradezu soghafte Verbindung von Ironie, Scharfsinn und unerwartetem Einfall gekennzeichnete Stil von Giedra Radvilaviciute, einer der wichtigsten Essayistinnen Litauens.

Dank seiner großen stilistischen und idiomatischen Sicherheit und seiner Fähigkeit, den Ton des Originals präzise zu treffen, findet Cornelius Hell in seinen Übersetzungen überzeugende, natürlich klingende Lösungen, was nicht zuletzt deshalb eine besondere Leistung darstellt, weil sich das Deutsche strukturell stark vom Litauischen unterscheidet.

Maja Badridse
Maja Badridse 2017 im Übersetzerhaus Looren in der Schweiz. – Bild: Janine Messerli / Übersetzerhaus Looren

Maja Badridse weckt in Georgien Interesse für österreichische Literatur

Maja Badridse (54) ist studierte Germanistin und arbeitet als Verlagslektorin und Übersetzerin deutschsprachiger Literatur in der georgischen Hauptstadt Tiflis (Tbilissi).

Ihre Übersetzungstätigkeit hat in Georgien das Interesse für die österreichische Literatur geweckt. Durch ihre Übersetzung wurde Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften einem breiten Publikum bekannt. Sie selbst erhielt dafür den renommierten Gala-Preis für die beste Übersetzung des Jahres.

Maja Badridse ist es auch zu verdanken, dass die Werke Hermann Brochs den Weg ins Georgische fanden und dort nun in erstaunlichem Ausmaß rezipiert werden (Der Tod des Vergil, Die Schlafwandler). Der Name Maja Badridse gilt als Qualitätsmerkmal für die Übertragung österreichischer Literatur in eine Sprache, die der Deutschen so fern ist.

Literaturhaus Wien
Das Literaturhaus in der Seidengasse 13 ist Sitz der “IG Übersetzerinnen Übersetzer”. – Bild: Richard Schneider

Preisverleihung im Literaturhaus Wien

Die Preisverleihung findet am Sonntag, dem 30. Juni 2019 um 11:30 Uhr in der Bibliothek des Literaturhauses in der Seidengasse 13 statt. Robert Huez, der Leiter des Literaturhauses Wien, und Werner Richter als Vorsitzender der “Interessengemeinschaft Übersetzerinnen Übersetzer” werden die Gäste begrüßen. Richter wurde 1993 selbst mit dem Staatspreis ausgezeichnet.

Anschließend wird Jürgen Meindl, Leiter der “Sektion II Kunst und Kultur” im Bundeskanzleramt, einige einleitende Worte sprechen. Festrednerin ist die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl. Die Vorstellung der Preisträger erfolgt durch den kroatischen Übersetzer Andy Jelčić, der im Vorjahr ausgezeichnet wurde. Die Staatspreise werden in Form von äußerst schlicht und schmucklos formatierten Urkunden in aber immerhin recht schmucken roten Mappen von Jürgen Meindl vom Bundeskanzleramt überreicht.

Anschließend stehen Dankesreden und kurze Lesungen der Preisträger auf dem Programm, das musikalisch von dem Jazzmusiker Sandro Miori (Saxophon, Querflöte) untermalt wird.

Über die Staatspreise für literarische Übersetzung

Die österreichischen Staatspreise für literarische Übersetzung werden seit 1985 vergeben. Als Jury fungiert der Übersetzungsbeirat der Literaturabteilung des österreichischen Bundeskanzleramts. Vorsitzender ist ein Beamter des Kanzleramts. Dieser beruft die Jury ein und leitet die Sitzung, ist aber selbst nicht stimmberechtigt. Die Jury entscheidet mit Stimmenmehrheit.

Nominierungen sind durch Verlage, Interessenvertretungen, universitäre Einrichtungen und den Beirat selbst möglich. Offenbar können sich Übersetzer aber auch selbst vorschlagen.

Die Verleihung der beiden Preise erfolgt jeweils im Folgejahr im Rahmen eines Festakts.

Mehr zum Thema auf UEPO.de

[Text: Richard Schneider mit Material der IG Übersetzerinnen Übersetzer.]