Olga Radetzkaja und Alexander Sitzmann erhalten Literatur- und Übersetzerpreis Brücke Berlin

Olga Radetzkaja, Alexander Sitzmann
Olga Radetzkaja (55) übersetzt aus dem Russischen, Alexander Sitzmann (46) aus dem dem Englischen, Bulgarischen, Mazedonischen und den skandinavischen Sprachen.

Der Brücke-Berlin-Literatur- und Übersetzerpreis 2020 geht an die russische Autorin Maria Stepanova und ihre Übersetzerin Olga Radetzkaja für den Roman Nach dem Gedächtnis, der 2018 in deutscher Übersetzung im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Der seit 2002 vergebene und mit 20.000 Euro dotierte Preis geht je zur Hälfte an die Autorin und ihre Übersetzerin.

Den zum zweiten Mal vergebenen Brücke Berlin Theaterpreis, mit zweimal 5.000 Euro dotiert, erhalten die bulgarische Autorin Zdrava Kamenova und ihr Übersetzer Alexander Sitzmann für das Stück „Home for Sheep and Dreams“, das im Oktober 2018 im Studio Я des Maxim-Gorki-Theaters in deutscher Erstaufführung inszeniert worden ist.

Die Jury erläutert:

Maria Stepanova: Nach dem GedächtnisMaria Stepanovas „Nach dem Gedächtnis“ ist eine Spurensuche, ein „Metaroman“ der Recherche nach der weitverzweigten russisch-jüdischen Familie der Autorin. Er verbindet Reiseberichte und Erinnerungen, bringt Fundstücke aus der „Bibliothek einer anderen, visuellen Kultur“ zusammen mit theoretischen Versuchen über Trauma und Gedächtnis.

Eine große essayistische Erzählung über ein Jahrhundert der Gewalt ist dabei entstanden, ein Spiegel der Zeit, der auf Dialog mit der Leserin, dem Leser von heute, einer Epoche „nach dem Gedächtnis“ angelegt ist. Die Berliner Übersetzerin Olga Radetzkaja war von Beginn an in das Werden des Buches einbezogen. Mit Bravour hat sie das reiche Repertoire an literarischen Tönen und Gangarten des Romans nachgebildet, den Gedankenströmen und Sätzen der Autorin Elastizität und Klang im Deutschen verliehen und damit das große Ganze in Schwingung versetzt.

Zdrava Kamenova hat mit „Ein Haus für Schafe und Träume“ einen formal innovativen und inhaltlich visionären Theatertext geschrieben. Sie vereint Stimmen von den Balkankriegen zu Beginn und Ende des 20. Jahrhunderts, überlagert von den Stimmen Flüchtender zu Beginn des 20. und 21. Jahrhunderts. Kamenova zeigt historische Kontinuitäten auf, die man lieber nicht sieht, und macht die erschreckende Ausgesetztheit menschlichen Lebens spürbar.

Alexander Sitzmann hat den beeindruckenden bulgarischen Text in ein ebenso gefasstes wie mitreißendes Deutsch übertragen.

Die Preisverleihung findet am 24. September 2020 um 19 Uhr im Deutschen Theater Berlin statt.

Geldgeber und Jury

Die Brücke-Berlin-Preise werden von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, dem Literarischen Colloquium Berlin und dem Deutschen Theater Berlin in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherrin ist Herta Müller, in der Jury wirkten Jürgen Jakob Becker, Sabine Berking, Wilhelm Burmester, Ulrich Khuon, Patricia Klobusiczky, Klaus-Dieter Lehmann und Peter Michalzik mit.

Die BHF-BANK-Stiftung möchte mit den Brücke-Berlin-Preisen den Blick auf die gegenwärtige belletristische und dramatische Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas lenken, deren Stimmen den kulturellen Austausch und den Prozess der weiteren europäischen Verständigung mitgestalten. Darüber hinaus soll insbesondere die künstlerische Leistung der literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer, die einen wesentlichen Anteil an der bedeutenden Vermittlungsleistung haben, gewürdigt werden.

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