Hamilton: Kevin Schroeder und Sera Finale übersetzen Erfolgsmusical ins Deutsche

Hamilton
Lin-Manuel Miranda schuf die Erfolgsshow und spielte in der Weltpremiere 2015 in New York selbst die Titelrolle. Hier ein Foto der Londoner Produktion mit Jamal Westman als Hamilton. - Bild: Matthew Murphy

Ab November 2021 soll die amerikanische Musical-Sensation Hamilton im Operettenhaus Hamburg zu sehen sein – und zwar in einer vollständig deutschsprachigen Fassung. Für die Übersetzung des Stücks haben Kevin Schroeder und Sera Finale gesorgt.

Kevin Schroeder ist Absolvent der „Stage School of Music, Dance and Drama“ in Hamburg und arbeitet als Musicalautor, Liedtexter und Übersetzer. Gemeinsam mit Heiko Wohlgemuth hat er bereits die Musicals Sister Act (Oberhausen, Stuttgart), The Sound of Music (Wien) und Shrek (Tournee) erfolgreich übersetzt und adaptiert.

Sera Finale ist keine italienische Musicalsängerin (wie man vielleicht vermuten könnte), sondern das Pseudonym eines Berliner Rappers, der bürgerlich auf den Namen Simon Müller-Lerch hört. Seit mehr als 20 Jahren hat sich der ehemalige Krankenpfleger dem Hip-Hop verschrieben. Er trat unter anderem mit seiner vierzehnköpfigen Formation Pflegerlounge auf und textete für den bekannten Rapper Sido.

Die Übersetzung der Hamilton-Liedtexte ist bereits abgeschlossen. Derzeit laufen in Hamburg schon Castings für die Rollen der deutschen Fassung. Auch der Vorverkauf ist angelaufen.

Das Musical zeigt die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Alexander Hamilton, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika.

Es ist seit 2015 am Broadway stets auf Monate hinaus ausverkauft und konnte mehr als 50 Auszeichnungen und Theaterpreise einheimsen.

Hamilton auf Deutsch? Kostprobe von Laura Friedrich Tejero

Dass das Musical Hamilton auch in deutscher Sprache funktionieren kann, hat Laura Friedrich Tejero vor einigen Monaten mit ihrer Übersetzung eines Ausschnitts bewiesen.

Die polyglotte Musicaldarstellerin hat Deutsch und Spanisch als Muttersprache, spricht fließend Englisch und besitzt Grundkenntnisse im Französischen. In dem Video ist sie – als Regisseurin – auch selbst zu sehen:

In Hamburg entsteht die erste nicht-englischsprachige Fassung

„Wir freuen uns, die erste nicht-englischsprachige Fassung von Hamilton mit unseren Partnern von Stage Entertainment im spektakulären Stage-Operettenhaus in Hamburg zu produzieren“, sagt der Hamilton-Produzent Jeffrey Seller. „Zugleich ist es eine Freude, diese Geschichte über die Gründung des amerikanischen Staates in einer der bedeutendsten Demokratien der Welt zu zeigen.“

Derzeit laufen sechs Produktionen in Nordamerika und London. Im März 2021 kommt eine weitere in Sydney hinzu. Die verfilmte Version der ursprünglichen Broadway-Produktion ist seit Juli 2020 in der kostenpflichtigen Online-Videothek Disney+ abrufbar.

Musical-Genie Lin-Manuel Miranda: Texter, Komponist und Sänger/Hauptdarsteller

Lin-Manuel Miranda
Lin-Manuel Miranda – Bild: Gage Skidmore / CC-BY SA 3.0

Ein Großteil der Faszination, die vom Musical Hamilton ausgeht, dürfte auch auf dessen Schöpfer Lin-Manuel Miranda zurückzuführen sein.

Es gibt nicht viele, aber doch einige gute Komponisten, Texter und Darsteller für das Musiktheater. Dass aber jemand alles in einer Person vereinigt, ist sehr selten. Miranda ist sowohl Texter als auch Komponist und Hauptdarsteller seines Werks und leistet in allen drei Bereichen Herausragendes.

Hinzu kommt, dass der als Sohn puerto-ricanischer Eltern in Manhattan aufgewachsene Miranda in Talkshows nicht wie ein verschrobenes oder abgehobenes Genie wirkt, sondern wie ein humorvoller, sympathischer Normalo von nebenan.

Vor Hamilton konnte Miranda mit seinem Musical In the Heights, das er während seines Studiums an einer Privatuniversität in Connecticut schrieb, bereits einen Achtungserfolg erzielen.

Zu dem aktuellen Stoff ließ er sich von der Hamilton-Biographie von Ron Chernow inspirieren.

In dem folgenden kurzen Video-Gruß an das deutsche Publikum freut sich Lin-Manuel Miranda, dass sein Stück übersetzt wird und bald in Hamburg zu sehen sein wird. „We have a top-notch team translating the show“, so Miranda.

Miranda definiert Musical-Genre neu – Hamburg festigt Ruf als Musical-Metropole

Uschi Neuss, Geschäftsführerin von Stage Entertainment Deutschland, erklärt:

Lin-Manuel Mirandas Hamilton hat das Genre Musical neu definiert. Ein Gesamtkunstwerk, das seine Zuschauer in jeder Hinsicht verblüfft und durch seine überragende künstlerische Qualität fasziniert.

Wir sind überaus glücklich, Hamilton ab dem kommenden Jahr in Hamburg zu präsentieren. Damit unterstreichen wir den Rang der Hansestadt als die größte Musical-Metropole nach dem New Yorker Broadway und dem Londoner Westend.

Held des Unabhängigkeitskriegs, einer der Gründerväter der USA

Als karibischer Einwanderer arbeitete sich Alexander Hamilton im 18. Jahrhundert ganz nach oben, wurde Adjutant George Washingtons, kämpfte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer, entwarf die neue Verfassung und wurde erster Finanzminister der USA. Er starb 1804 an den schweren Verletzungen nach einem Duell mit seinem Rivalen Aaron Burr. Sein Gesicht ziert noch heute die 10-Dollar-Note.

In Hamilton erzählt das Amerika von heute die Geschichte des Amerikas von damals. Mit einer Partitur, die Hip-Hop, Jazz, Rhythm and Blues und Broadway-Melodien verbindet, hat das Musical die Lebensgeschichte des amerikanischen Gründervaters Alexander Hamilton aufgegriffen und ein erfrischend neuartiges Stück Theater geschaffen.

Zehn-Dollar-Schein
Alexander Hamilton auf dem 10-Dollar-Schein. – Bild: Gerd Altmann / Pixabay

Einzige Unwägbarkeit: der stark amerikabezogene Stoff

Dass Amerikaner ein Musical über eine interessante Figur aus der Phase der Staatsgründung schreiben, ist nachvollziehbar. Den Namen Hamilton kennt in den Staaten jedes Kind, sein Konterfei ziert den 10-Dollar-Schein.

Aber interessiert das auch die Europäer? Alexander Hamilton ist in Kontinentaleuropa als historische Figur der breiten Öffentlichtkeit vollkommen unbekannt.

Auf deutsche Verhältnisse übertragen verhält es sich ungefähr so, als ob man ein Bismarck-Musical herausbringen würde. Ließe sich das international vermarkten? Das ist fraglich, obwohl Otto von Bismarck weltweit sehr viel bekannter ist als Alexander Hamilton.

Es könnte also sein, dass das Publikum hierzulande zwar ein großartiges Musical zu würdigen weiß, aber keinen Bezug zu dessen Inhalt aufzubauen vermag. Das könnte den kommerziellen Erfolg durchaus schmälern.

Stage Entertainment GmbH

Die Stage Entertainment GmbH gehört mit einem Portfolio von rund 70 Produktionen zu den weltweit führenden Unternehmen im Live-Entertainment (u. a. Der König der Löwen, Pretty Woman, Blue Man Group, TINA – Das Tina Turner Musical). Stage entwickelt und produziert mit rund 3.000 Mitarbeitern in acht Ländern und 20 Theatern vorrangig Musicals.

Allein in Deutschland beschäftigt Stage ca. 1.700 Mitarbeiter und begrüßt jährlich knapp 4 Millionen Besucher. Das Unternehmen wurde 1998 von Joop van den Ende in den Niederlanden als eigenständiger Geschäftsbetrieb aus dem Unternehmen Endemol ausgelagert. Seit 2018 ist das US-amerikanische Medienunternehmen Advance Publications alleiniger Eigentümer.

Mehr zum Thema

Richard Schneider, Stage Entertainment